Ruhlaer Albert-Schweitzer-Schüler helfen Clemence

Ruhla  Gymnasium übernimmt Bildungspatenschaft für ruandisches Mädchen. Verein sucht weitere Unterstützer für sein Hilfsprojekt.

Die Schulsprecher Jonathan Rossbach (links) und Nils Jaworowski mit dem Foto des Patenkindes.

Die Schulsprecher Jonathan Rossbach (links) und Nils Jaworowski mit dem Foto des Patenkindes.

Foto: Susanne Reinhardt

Clemence Niyigena ist 13 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Das Mädchen aus Ruanda wurde wegen ihrer Behinderung aus Scham von der Familie versteckt gehalten. Jetzt will das Ruhlaer Gymnasium über eine Bildungspatenschaft helfen, dass sie zur Schule gehen kann.

Seit 2007 unterstützt der „1Welt Kreis“ des Erbstromtales mit dem evangelischem Pfarrer Gerhard Reuther an der Spitze die Schul- und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen in Ruanda. Dabei handelt es sich um ein Projekt, in dem man Nachhaltigkeit groß schreibt und somit Fluchtursachen bekämpft. Keine neue Erkenntnis für Pfarrer Reuther, der seit Jahren dafür wirbt.

Der Fokus der Hilfe zur Selbsthilfe wird im Projekt Bildungspatenschaft auf benachteiligte Kinder und Jugendliche gelenkt. Das sind an erster Stelle behinderte Menschen. Wenn diese weiblich sind, liegen die Karten für eine selbstständige Zukunft schlecht. Deshalb blickt der Kreis besonders in diese Richtung, um gemeinsam mit Kooperationspartnern vor Ort in dringenden Fällen zu helfen.

Dazu zählen zum Beispiel die Übernahme von Schulgebühren, Internatskosten, die Krankenversicherung oder Fahrtkosten, die Schulspeisung, Schulmaterialien und Schuluniform oder Prüfungsgebühren. Das afrikanische Land sei ein gutes Beispiel, wie Entwicklung aussehen kann, so Reuther, der bereits sieben Mal nach Ruanda reiste, um sich vor Ort von der erfolgreichen Umsetzung des Projektes zu überzeugen.

Das Feedback kam auch in der Schule an und wurde lange diskutiert, bis Lehrer und Schüler eine gemeinsame Position zu einer Patenschaft bezogen. Vielleicht habe die Tatsache, dass man sich auch Thüringer Nachhaltigkeitsschule nennt, zum Ergebnis beigetragen. Damit ist das Gymnasium die zweite Schule, die sich an diesem Projekt in Ruanda beteiligt, das inzwischen über die Ländergrenzen hinaus Sympathisanten fand. Leider, so Pfarrer Reuther, wurde das Projekt in Herleshausen mit den Schulabgängern, die die Patenschaft pflegten, nicht weiter geführt. Nun stehe eine ganze Schule hinter dem Vorhaben, was für mehr Erfolg spricht. Für Patenkind Clemence will die Ruhlaer Schule jährlich 500 Euro aufbringen, um ihren Aufenthalt im Schulinternat einer Spezialeinrichtung zu ermöglichen. Zudem fließen dort auch die Kosten der medizinischen Betreuung ein. Viele Schüler hier, so Schulleiter Denny Jahn, wissen eine kostenlose Bildung nicht mehr zu schätzen. Vielleicht werde dafür jetzt der Horizont erweitert.

Mit Kuchenbasaren oder Benefizveranstaltungen möchte man das Geld aufbringen. Auf jeden Schüler fällt somit ungefähr ein Euro. Zum Stadt- und Naturparkfest der Stadt Ruhla im Juni soll schon gesammelt werden, um später mit dem in Vorleistung gegangene Schulförderverein gegen zu rechnen.

Gegenwärtig werden über das Bildungspatenschaftsprojekt in Ruanda 54 Kinder- und Jugendliche betreut. Eine halbe Million an Spenden flossen bereits. In Notsituationen greift ein gebildeter Kompensationsfonds. Bedenkt man, dass der „1Welt-Kreis“ des Erbstromtales nur fünf Mitglieder zählt, eine gewaltige Leistung. Aber der menschliche Anteil sei wichtiger als das Geld, so Pfarrer Reuther, der die Schüler animierte, mit ihrem Patenkind brieflich oder per Internet über die örtlichen Kooperationspartner in Kontakt zu treten. Unterstützer gibt es auch außerhalb Deutschlands und aus der Künstlerschaft. Vertretend sprach der Rapper „Cannachris“ alias Christian Kaiser über seine Erfahrungen dazu mit den Schulvertretern.

Die Not sei groß, weitere Unterstützer willkommen. Eine Basis zu schaffen, auf der ein Leben dort gestaltet werde kann, sei heute wichtiger denn je.

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