Thüringens "First Lady" ist eine Frau mit vielen Berufen

Germana Alberti vom Hofe ist gebürtige Italienerin, seit 2003 Deutsche und Ehefrau von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow - sie freut sich auf ihre neue Aufgabe, für die es keine Jobbeschreibung gibt.

Foto: Peter Michaelis,Homestory, Porträt Germana Alberti vom Hofe,Ehefrau von Ministerpräsident Bodo Ramelow, Hund Attila in Erfurter Wohnung bzw. mit Hund auf dem Petersberg

Foto: zgt

Erfurt. Das viergeschossige Wohnhaus steht in einer ruhigen Straße zwischen Dom und Klinikum. Sie hat hier ihr Büro und eine Etage höher, direkt unter der Dachschräge, ein helles und doch kuscheliges Heim. Küche, Essbereich und Sofalandschaft werden nur durch Balken getrennt. Auf dem Holzboden liegen einige Felle. In fünf Minuten ist Germana Alberti vom Hofe zu Fuß auf dem Erfurter Petersberg. Hat sie "Attila" dabei, dann kann der Weg aber auch 20 Minuten dauern, denn der Jack Russell findet immer etwas zu schnuppern. Der Hund gehört zur Familie des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow. Germana ist Ramelows Frau - und die TLZ deswegen bei ihr zum Hausbesuch. Wer ist die neue "First Lady"? Wie will sie dieses Amt, für das es weder eine Jobbeschreibung noch eine Aufwandsentschädigung gibt, ausüben? Woher kommt sie? Und was wird sie tun, wenn sie nicht an seiner Seite repräsentiert?

Flüchtlingshilfe ist ihr wichtig

Fangen wir beim Namen an. Germana klingt, falsch ausgesprochen, sehr deutsch - doch das täuscht. Sie heißt "Tschermaana" - und das ist italienisch. Aus Parma kommt sie - wurde da Ende 1962 geboren. Es gibt einen älteren Bruder. Der Vater war - wie Ramelow - im Einzelhandel tätig, verdiente sein Geld in einem kommunalen Lebensmittelgeschäft. Alberti ist ihr Geburtsname. Vom Hofe blieb, als sie sich Mitte der 1990er Jahre von ihrem ersten Mann und dem Vater ihrer Tochter Marlene trennte. Kennengelernt hatten sie sich während seiner Studienzeit in Bologna. Er war dort zwei Mal Stipendiat. Sie folgte ihm Mitte der 1980er Jahre nach Deutschland. Die Tochter kam 1992 zur Welt. Mittlerweile ist Germana Alberti vom Hofe seit neun Jahren mit Bodo Ramelow verheiratet, hat ihm im vergangenen Jahr sogar in der Waldenser-Kirche von Parma kirchlich "Ja" gesagt. Dabei ist er evangelisch und sie Agnostikerin - aber eben nicht Atheistin. Vor der Religion anderer habe sie hohen Respekt, wisse aber von sich, dass sie nicht sagen könne, ob es Gott gebe, erklärt sie. Toleranz gegenüber Gläubigen hat sie schon im Elternhaus gelernt. Auch dort war niemand Christ - aber der Vater bat die Franziskaner, die in der Weihnachtszeit von Haus zu Haus gingen, auf ein Glas Wein herein.

Familiengeschichte prägt: Der Großvater väterlicherseits hatte als junger Mann in Parma geholfen, Barrikaden zu bauen, als die italienischen Faschisten gen Rom marschierten. Die Familie mütterlicherseits, die aus den nahen Bergen stammt, war im Widerstand gegen die deutschen Nazis und die italienischen Faschisten. Noch gilt es zu erforschen, was es mit dem Urgroßvater auf sich hatte, der auf einer Auswandererliste nach New York unter den jüdischen Passagieren stand. Darüber, sagt Germana Alberti vom Hofe, sei in der Familie nie gesprochen worden. Eine Affinität zum jüdischen Leben hat sie - über ihren Beruf als Kommunikationstrainerin sowie Supervisorin auch für das Abraham Geiger Kolleg in Potsdam und durch die Freundschaft mit Professor Walter Homolka, der jüngst auch im Landtag war, als Bodo Ramelow zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. In diesem Bereich kann sie sich ein ehrenamtliches Engagement vorstellen - und auch in der Flüchtlingshilfe, die ihr schon bisher wichtig war. Sie will authentisch bleiben.

Talent für Sprachen

Für Bodo Ramelow ist es die dritte Ehe, für sie die zweite. Er hat zwei erwachsene Söhne aus erster Ehe, sie eine Tochter - der Nachwuchs versteht sich gut. Das passt zum familiären Harmoniebedürfnis. Die Eheleute sind augenscheinlich glücklich, weil sie sich ähnlich sind und doch jeder ganz eigenständig ist. Sie mag seine Stimme - und war von Anfang an von seinen Augen und seinem Blick fasziniert. Das liegt daran, dass sich eine Pupille, wie sie später feststellte, weiter öffnet als die andere.

In den frühen 1980ern hat Germana Alberti italienische Sprache und Literatur studiert und nebenher mit erwachsenen Schwerbehinderten gearbeitet. Die ersten 27 Jahre verbrachte sie in Parma. War dort in der Kommunistischen Jugend engagiert. Es waren Zeiten des Aufbruchs - und des Terrors. Die italienischen Kommunisten hatten zeitweilig fast so viele Stimmen wie die Christdemokraten. Womöglich hätte vieles anders werden können, wenn nicht der Christdemokrat Aldo Moro 1978 von den "Roten Brigaden" ermordet worden wäre, sinniert sie.

Und wenn wir beim "Vielleicht" sind: Vielleicht wäre Germana Alberti Lehrerin in ihrer italienischen Heimat geworden und hätte Thüringen nie kennengelernt, wenn sie nicht zu ihrem ersten Mann nach Deutschland gezogen wäre... Sie kam in Frankfurt/Main an, ohne Deutsch zu können. Doch als Sprachwissenschaftlerin fiel ihr es nicht schwer, sich im Deutschen bald zu Hause zu fühlen. Sie lernte die Sprache und unterrichtete währenddessen schon an der Volkshochschule und in privaten Sprachschulen.

Kennenlernen bei der PDS

Die deutsche Staatsbürgerschaft hat sie seit 2003. Damals waren die Regeln noch so, dass sie ihre italienische Staatsbürgerschaft abgeben musste, um Deutsche zu werden. Inzwischen ist das anders - aber für ihren Fall ist die doppelte Staatsbürgerschaft nicht vorgesehen. Sie müsste ein ganzes Jahr in Italien leben, um wieder Italienerin werden zu dürfen, sagt sie - und ein Bedauern schwingt mit.

Germana Alberti vom Hofe ist ein Job-Wunder: Sie ist nicht bei der Sprachvermittlung geblieben, sondern hat sich in Buchhaltung fit gemacht und dann bei der italienischen Handelskammer in Frankfurt verdingt. Als Marlene zur Welt kam, blieb sie eine Weile zu Hause - und lernte an der Uni Spanisch und Portugiesisch, was ihr später bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung dienlich war, als es darum ging, Projekte in Südamerika zu betreuen. Nach der Trennung von ihrem ersten Mann fand sie eine Anstellung als Assistentin der Geschäftsführung im Verkaufsbüro eines italienischen Kartonherstellers in Bad Homburg. Um einfache Schachteln ging es da nicht, die Firma bot hochwertige Verpackungen an. Sieben Jahre war sie dort. Mittlerweile hatte Germana Alberti 2002 begonnen, sich bei der PDS zu engagieren, wurde Kreisvorsitzende und baute ab 2004 dann in ihrem neuen Job das europäische Büro der Partei auf und leitete es auch. Sie war Chefin und einzige Beschäftigte. In diesem Zusammenhang begegnete sie erstmals Bodo Ramelow, wurde dann zu einer Veranstaltung der PDS nach Erfurt eingeladen. Dass sie zusammengehören, war schnell klar.

Aus der PDS wurde durch den Zusammenschluss mit der WASG die Linke. Ramelow hatte daran maßgeblichen Anteil. Und für die Linke zog der vormalige Thüringer Landespolitiker in den Bundestag ein. Sie zog mit ihm: Bald nach dem Kennenlernen richteten sie sich ihr erstes Heim in Berlin ein. 2009 ging es nach Erfurt. Schon damals hätte Ramelow beinahe der Ministerpräsident von Rot-Rot-Grün werden können. Der Plan scheiterte. Die Eheleute lebten unweit des Landtags in einer Mietwohnung. Dann der Hauskauf, der Umbau der Räume unter dem Dach. Hier hat sie - wie schon zuvor - eine offene Küche. Germana Alberti vom Hofe kocht gern, ist aber kein Heimchen am Herd.

"Von Männern wird das nicht erwartet"

Sie hat ihre Aufgabe bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung, derzeit als Halbtagsjob, und ist mittlerweile als Therapeutin selbstständig. Das, was sie macht, nennt sie "Knoten lösen mit System". Als Systemische Supervisorin und Psychodramatikerin ist sie Beraterin für Organisationen. Sie könnte sich aber auch vorstellen, als Geschäftsführerin zu arbeiten. Die Idee, sich als Migrations- und Integrationsbeauftragte in ihrer Wahlheimat Erfurt nützlich zu machen, hat sie schnell aufgegeben, als sie merkte, mit welcher Häme da debattiert wurde hinter vorgehaltener Hand. Als sei sie ein Versorgungsfall, das Anhängsel eines Politikers...

Bisher hat Germana Alberti vom Hofe schon öfter ihren Mann begleitet - zu Terminen, bei denen das erwünscht war und wenn es ihre Zeit erlaubte. Nun wird sie in der Rolle der "First Lady" bisweilen das Damenprogramm bestreiten müssen. "Von Männern wird das nicht erwartet", sagt sie mit Blick auf Professor Joachim Sauer, der mit Angela Merkel verheiratet ist, und Martin Lieberknecht, den Gatten der vormaligen Ministerpräsidentin. Sie werde die ihr zugedachte Rolle annehmen "und mit Leben füllen, so wie es meine Art ist". Was genau auf die Eheleute zukommt, wollen sie nächste Woche besprechen. In Venedig. Dorthin geht es jährlich einmal mit Freunden und Familie für ein paar Tage rund um ihren Geburtstag. Weihnachten wird dann ganz traditionell gefeiert, zu Hause - mit gefüllten Nudeln, so wie sie in Parma gemacht werden. Dann ist bald 2015. Was wünscht sie sich? Für ihr eigenes Geschäft einen erweiterten Kundenkreis. Und für Thüringen, dass die neue Regierung stabil bleibt. Und dass ihr Mann und seine Mitstreiter das Vertrauen jener Menschen erwerben können, die ihm derzeit noch sehr reserviert und mit vielen Vorbehalten gegenüberstehen. Bis dahin aber sind noch einige Knoten zu lösen...

Paulas Welt (157): Attila, der Staatshund

Ministerpräsident Ramelow: 'Ich will versöhnen statt spalten'

'Bodo ist auch nur ein Mensch' - Hitzige Facebook-Debatte über Ramelows Urlaub

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.