Afrikanische Schweinepest

Abwehr der Schweinepest: Umstrittene Tötungsmethode setzt sich in Thüringen durch

Erfurt.  In Thüringen sind bereits sieben Saufänge installiert. Das Interesse steigt. Das Schwarzwild-Kompetenzzentrum erklärt: „Der Saufang ist tierschutzgerecht möglich.

Wildschweinen geht es in Deutschland sehr gut, besonders im waldreichen Thüringen. Die Reproduktionsrate liegt bundesweit bei 300 Prozent. Wenn die Afrikanische Schweinepest ausbricht, ist das ein Riesenproblem.

Wildschweinen geht es in Deutschland sehr gut, besonders im waldreichen Thüringen. Die Reproduktionsrate liegt bundesweit bei 300 Prozent. Wenn die Afrikanische Schweinepest ausbricht, ist das ein Riesenproblem.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

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Zur Abwehr der Afrikanischen Schweinepest, die aus Polen heranrückt, setzt Thüringen verstärkt auf eine umstrittene Tötungspraktik für Wildschweine, sogenannte Saufänge.

Sieben solcher vier bis 100 Quadratmeter großen Anlagen, in denen Schwarzwild rottenweise gefangen und aus nächster Nähe erschossen werden soll, seien momentan im Freistaat installiert, sagte der Leiter des Schwarzwild-Kompetenzzentrums Thüringen, Andreas Brauer, unserer Zeitung. Tendenz steigend: Etwa 20 weitere Jägerschaften hätten sich wegen Saufängen bereits beraten lassen. Vor einem Jahr gab es nur eine Testanlage in Nordthüringen. Bilanz aller hiesigen Saufänge: bisher nicht ein gefangenes Schwein.

Saufänge dienen der Seuchenprävention

Saufänge dienen zunächst der Seuchenprävention. Die Idee: Je weniger Sauen es gibt, desto geringer ist die Verbreitungsgefahr der für Schweine tödlichen Pest. Bricht sie aus, sind in einem definierten Krisengebiet alle Wild -und Hausschweine zu töten. In Thüringen könnten 780.000 Hausschweine betroffen sein. Laut Gesundheitsministerium gibt es in Thüringen etwa 5000 Schweinehalter, darunter Betriebe mit bis zu 20.000 Tieren.

Das Risiko des Ausbruchs der Schweinepest, die 1957 in Portugal Europa erreichte, wächst von Jahr zu Jahr - allein auf Grund der Bestandszunahme, ablesbar an der Zahl erlegter Sauen: 1936 waren es 40.000, im Jagdjahr 2017/18 knapp 840.000.

Klimaerwärmung bringt Wildschweinen häufiger mehr Nahrung. Die Tiere wachsen schneller, sind fixer fortpflanzungsfähig. Die Reproduktionsrate liegt aktuell bei 300 Prozent. Das heißt, mit den Worten von Zoologie-Professor Hans-Dieter Pfannenstiel: „Wenn man am Jahresanfang hundert Tiere hat, sind es am Jahresende 400.“

Tierschützern sind Anlagen ein Graus

Tierschützern sind Saufänge dennoch ein Graus. Auch Jäger wie Pfannenstiel sagen: „Die Begleitumstände sind unter Tierschutzaspekten zumindest fragwürdig. Aber es ist eine Methode, mit der man die Sauen wirklich reduzieren kann.“

Beim Kompetenzzentrum heißt es, gestützt auf Studien: „Der Saufang ist tierschutzgerecht möglich.“

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