Fledermäuse verirren sich in Wohnungen – das ist zu tun

Erfurt  Derzeit können sich vermehrt Fledermäuse in Wohnungen verirren. Experten geben Tipps, was dann zu tun ist.

Fledermäuse – hier ein Großes Mausohr – sind in diesen Wochen besonders aktiv. Bei ihrer Suche nach neuen Quartieren können die Tiere auch in Wohnungen gelangen.

Fledermäuse – hier ein Großes Mausohr – sind in diesen Wochen besonders aktiv. Bei ihrer Suche nach neuen Quartieren können die Tiere auch in Wohnungen gelangen.

Foto: Otto Schäfer/Nabu/Archiv

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Bei Tanja Witt klingelt das Telefon in diesen Tagen wieder häufiger. Die Biologin betreut den Fledermaus-Notruf der Stiftung Fledermaus mit Sitz in Erfurt. Hier können sich Thüringer melden, die einen der Nachtschwärmer in ihrem Haus oder ihrer Wohnung finden. Die insgesamt 13 Mitarbeiter der Stiftung geben Auskunft, was in solchen Fällen zu tun ist.

20 Fledermausarten gibt es in Thüringen, insbesondere Zwergfledermäuse, Abendsegler und Große Mausohren sind verbreitet. Die Säugetiere haben Ende Juni Nachwuchs bekommen und die Jungtiere verlassen nun die Wochenstuben. Je nach Art erkunden sie in einem Umkreis von bis zu zehn Kilometern die Umgebung auf der Suche nach eigenen Quartieren.

„Die jungen Fledermäuse suchen sich bevorzugt Spalten als Verstecke“, sagt Tanja Witt. Gekippte Fenster seien dabei ein verlockendes Ziel und der Grund dafür, dass in den kommenden Wochen wieder vermehrt Fledermäuse den Weg in Thüringer Wohnungen finden. „Ist eine Fledermaus in der Wohnung, können auch mehrere Tiere nachfolgen. Im vergangenen Jahr hatte ein Mann bei sich zu Hause gleich 35 Fledermäuse entdeckt“, so die 33-jährige Biologin.

Jungtiere fällt es schwer, wieder den Weg aus den Wohnungen zu finden

Solche Fälle seien aber die Ausnahme. Hingegen haben es die Jungtiere schwer, wieder den Weg aus den Wohnungen zu finden. „Das liegt an dem Winkel, in dem die Fenster gekippt sind. In die Wohnung hinein können die Fledermäuse über das Fenster krabbeln, den Weg nach draußen können sie mit ihrer Echoortung aber nicht wieder finden“, sagt Tanja Witt. Findet man eine Fledermaus in den heimischen vier Wänden, ist der Rat der Stiftungs-Mitarbeiter daher stets gleich: Die Fledermaus in Ruhe lassen, das Fenster ganz öffnen und bis zum Abend warten. Dann finden die Tiere meist allein wieder nach draußen.

Klappt das nicht, rücken die Mitarbeiter der Stiftung oder ehrenamtliche Helfer aus, um die Tiere abzuholen. Ebenso geben sie Tipps, wie mit Fledermäusen umzugehen ist, die hilflos am Boden liegen. „Ist die Fledermaus verletzt, etwa durch eine Katze, sollte man einen Tierarzt aufsuchen. Ansonsten gilt dieses Vorgehen: Die Fledermaus mit einem Handschuh aufheben und ihr beispielsweise mit einer Pipette Wasser geben. Dann die Fledermaus auf ein Fensterbrett setzen und daneben eine Flasche stellen, über die eine Socke gezogen ist. Daran können die Tiere hochklettern und dann losfliegen “, sagt Tanja Witt.

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Zu den Fledermauseinflügen kann es indes in ganz Thüringen kommen. „Je mehr Menschen an einem Ort leben, desto mehr Anrufe bekommen wir von dort“, sagt die Stiftungsmitarbeiterin. Zugleich will sie Ängste vor den Tieren nehmen. Entgegen der Befürchtungen mancher Anrufer würden Fledermäuse nicht die Tollwut über ihren Speichel übertragen. Und dass sich hiesige Fledermäuse wie im Film auf schlafende Bewohner stürzen, um deren Blut auszusaugen, sei ausgeschlossen, so Tanja Witt.

Fledermaus-Notruf Tel. 0361/26559898

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