Mehr Imker, weniger Bienen: Imkertag zieht in Ohrdruf Bilanz

Ohrdruf. Immerhin, eine erste Biene habe er in diesem Jahr schon gesehen, versicherte Manfred Ständer. Die Beobachtung des Ohrdrufer Urgesteins passte ganz gut zum Datum des Thüringer Imkertages am Sonnabend auf Schloss Ehrenstein.

Eine Kostprobe nahmen nicht nur die Ehrengäste des Tages mit nach Hause. Foto: Lutz Ebhardt

Eine Kostprobe nahmen nicht nur die Ehrengäste des Tages mit nach Hause. Foto: Lutz Ebhardt

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Als die Jagdbläser vom Auftakt kündeten, schien die Sonne - der Frühling war angekommen.

Auch von Imkern und Bienen wird der Saisonstart sehnsüchtig erwartet. "Wir werden wohl dennoch ein bisschen hinterherhinken", vermutet Achim Krause, einer der Goldgewinner dieses Jahres. Seine Rechnung: Die Natur wird den Rückstand in den kommenden Wochen vermutlich schnell aufholen. Doch die Bienen, die jetzt zu brüten beginnen, können am zeitlichen Weg vom Ei zum Insekt natürlich nichts einsparen.

Der lange Winter forderte seinen Tribut. Auch Krause verlor einige seiner Völker. Etwa 70 mit jeweils rund 45 000 Bienen betreut er an vier Standorten zwischen Jena und seinem Heimatort Eckolstädt im Weimarer Land. Dennoch hofft er auf ein gutes Honigjahr. "Bienenvölker sind meist schlauer als der Imker", sagt er lächelnd.

Und so fiel die Bilanz des Imkertages, zu der rund 200 der mehr als 2000 Thüringer Imker gekommen waren, zwiespältig aus. Zwar sei die Zahl der Imker leicht gestiegen, doch dafür die der Bienenvölker gesunken. Und daran trägt nicht nur der lange Winter Schuld.

Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund verwies auf die bekannte und auch hier akute Problematik der durch Pflanzenschutzmittel verursachten Bienenkrankheiten und generell fehlender Nahrung. Ihr Vorschlag an die Gemeinden: "Eine wilde Blumenwiese ist oftmals preiswerter als grüner Rasen."

Dass die Thüringer dennoch vorzüglichen Honig produzieren, zeigte die lange Reihe der prämierten Honiggläser im Ohrdrufer Bürgersaal. Neben Achim Krause erhielt Elke-Martina Jung die Höchstnote 5,0. Und wie Krause kommt auch sie vom Jenaer Verein. "Man könnte sagen, der Honig von der Saale-Ilm-Platte ist der beste", lachte Krause, der sich oft mit seiner Imker-Kollegin austauscht. Ihm selbst gelänge übrigens der Rapshonig immer am besten, sagte er.

Eine Kostprobe nahmen nicht nur die Ehrengäste des Tages mit nach Hause. Steffen Klippstein vom ausrichtenden Ohrdrufer Imkerverein übergab die rund 100 Gläser an prämierten Honigen an den hiesigen Kirchenladen "MannaManna", der sie an Bedürftige verteilen wird.

Ein paar Geschenke gab’s aber auch für die Imker. Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz übergab einen Förderbescheid von 28.000 Euro an Frank Reichardt vom Thüringer Verband. Landrat Konrad Gießmann brachte für den Ohrdrufer Verein 1500 Euro aus dem Fördertopf der Sparkasse mit, die Bürgermeisterin Marion Hopf (alle CDU) spontan noch um 150 Euro aufstockte.

Losglück unter zahlreichen Bewerbern hatten die Hansen-Grundschule in Gotha und die Grundschule Friemar. Mit Unterstützung des Imkerverbandes bauen die Schüler demnächst ein Insektenhotel für den Unterricht. Dazu dürfen sie auf Exkursionen den Imkern über die Schulter schauen. Und Honig kosten sicherlich auch.

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