Wildernde Hunde haben Schafe totgebissen und gefressen

Schwabhausen. Es waren Hunde – und nicht die Wölfin –, die vor vier Wochen bei Schwabhausen eine mit Stromzaun geschützte Schafherde angegriffen haben, einige Tiere totgebissen und ein Schaf halb auffraßen.

Schafzüchter Gerd Steuding, dessen 585 Tiere zählende Herde attackiert wurde, rechnete seinerzeit mit Wiederholungsangriffen: „Der Wolf weiß jetzt, dass unter der Wolle auch leckeres Fleisch ist.“ Foto: Dirk Bernkopf

Schafzüchter Gerd Steuding, dessen 585 Tiere zählende Herde attackiert wurde, rechnete seinerzeit mit Wiederholungsangriffen: „Der Wolf weiß jetzt, dass unter der Wolle auch leckeres Fleisch ist.“ Foto: Dirk Bernkopf

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Der Gentest liegt vor und ist eindeutig. Die Analyse des Senckenberg-Instituts im hessischen Gelnhausen habe zweifelsfrei ergeben, dass Hunde die Schafe gerissen hätten, teilte die Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) am Mittwoch mit. Unklar sei, ob ein Hund oder mehrere Hunde die Schafe getötet haben.

Zunächst wurde vermutet, Thüringens einzige Wölfin habe den Schutzzaun untergraben. Schafzüchter Gerd Steuding, dessen 585 Tiere zählende Herde attackiert wurde, rechnete seinerzeit mit Wiederholungsangriffen: „Der Wolf weiß jetzt, dass unter der Wolle auch leckeres Fleisch ist.“

Jetzt wissen das die Hunde. Der Beutetrieb stecke auch bei Hunden in den Genen, ist TLUG-Sprecher Lutz Baseler überzeugt. Es bestehe die Gefahr, dass sich nun Hunde ihr Fressen dort holten, wo sie schon einmal erfolgreich waren.

Ein gesicherter Nachweis, dass die Wölfin von Ohrdruf ein Schaf, ein Kalb oder ein anderes Nutztier gerissen hätte, steht damit weiterhin aus. Möglicherweise ernährt sich das Jungtier, das im Mai 2014 erstmals auf dem Bundeswehrübungsplatz Ohrdruf gesehen wurde, nur von Wildtieren.

Thüringens erstes Wolfgebiet ist inzwischen ausgewiesen. Es ist 53 mal 53 Kilometer groß und erstreckt sich um den Übungsplatz Ohrdruf. Züchter, die auf dieser Fläche Landschaftspflege betreiben, erhalten staatliche Zuschüsse, wenn sie ihre Schafe vor dem Wolf schützen.

„Der Schutz des Wolfes kann nur gelingen“, sagt Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne), „wenn die Gesellschaft bereit ist, dessen Anwesenheit in der Kulturlandschaft zu akzeptieren.“

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