Ki.Ka-Manager soll vier Millionen Euro veruntreut haben

Durchsuchung im Gebäude des Kinderkanals (Ki.Ka) von ARD und ZDF in Erfurt: Ein leitender Angestellter des Ki.Ka ist an seinem Arbeitsplatz von Ermittlern festgenommen worden. Der Manager steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter Verdacht, vier Millionen Euro veruntreut zu haben.

Der 43-jährige Ki.Ka-Mitarbeiter aus Erfurt wurde am Dienstagmorgen um 9 Uhr mit einem Haftbefehl an seinem Arbeitsplatz im Landesfunkhaus festgenommen. Foto: Sascha Fromm

Der 43-jährige Ki.Ka-Mitarbeiter aus Erfurt wurde am Dienstagmorgen um 9 Uhr mit einem Haftbefehl an seinem Arbeitsplatz im Landesfunkhaus festgenommen. Foto: Sascha Fromm

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Erfurt. Der Beschuldigte war maßgeblich verantwortlich für die Produktion des Ki.Ka-Programms. Zu seinen Aufgaben gehörte das Abzeichnen von Rechnungen. Diese Befugnis soll der Mann ausgenutzt haben: Seit dem 1. Dezember 2005 soll er für erfundene Dienstleistungen insgesamt 72 Rechnungen über eine Summe von vier Millionen Euro an eine Firma in Berlin bestätigt und die Zahlung des Geldes veranlasst haben. Der mitbeschuldigte Geschäftsführer der Berliner Firma soll dann zuerst jeweils 50 Prozent, später 60 Prozent an den Mitarbeiter des Kinderkanals ausgezahlt haben.

Der Kinderkanal unterstütze die Ermittlungen am Dienstag aktiv, um den Verdachtsfall umfassend aufzuklären, sagte Ki.Ka-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp. "Der betreffende Mitarbeiter ist am Dienstag von seinen Aufgaben entbunden worden und hat Hausverbot erhalten." Der 43-jährige Mann aus Erfurt wurde am Dienstagmorgen um 9 Uhr mit einem Haftbefehl an seinem Arbeitsplatz im Landesfunkhaus festgenommen und soll noch heute dem Haftrichter vorgeführt werden, der über eine Untersuchungshaft entscheiden wird.

Die interne Revision des MDR hatte nach Angaben des Senders zu dem suspendierten Mitarbeiter bereits eigene Recherchen angestellt. Allerdings hatte sie diese auf Bitten der Ermittlungsbehörden zurückgestellt. Der MDR kündigte an, diese internen Überprüfungen nun fortzusetzen. Dazu hat die ARD-Anstalt einen Antrag auf Akteneinsicht gestellt. Der verdächtige Ki.Ka-Manager hatte kein alleiniges Zeichnungsrecht für Rechnungen, sondern musste sie von einer zweiten Person bestätigen lassen, die jeweils wechselte. Es erscheint denkbar, dass eine dieser Personen Verdacht schöpfte und die Revision informierte.

Die Verdachtsmomente gegen den Ki.Ka-Mitarbeiter beruhen auf Angaben des geständigen Geschäftführers der Berliner Firma und der Auswertung der von diesem übergebenen Unterlagen. Der Mitbeschuldigte sich im Oktober 2010 bei der Staatsanwaltschaft Berlin selbst angezeigt.

Neben dem Gebäude des Kinderkanal sollen im Laufe des Dienstag auch die Privatadressen und Arbeitsplätze von Beschuldigten in Erfurt, Leipzig und Berlin durchsucht werden. Sollten sich die Verdachtsmomente gegen den Ki.Ka-Mitarbeiter bestätigten, könnten ihm wegen gewerbsmäßigen Betruges und gewerbsmäßiger Untreue eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren drohen.

Der Ki.Ka mit Sitz in Erfurt ist eine Gemeinschaftseinrichtung von ARD und ZDF unter Federführung des MDR.

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