„Reichsbräu“ aus Südthüringen beschäftigt die Justiz

Kloster Veßra.  Ein „Reichsbräu“ mit Reichsadler und „Eisernem Kreuz“ auf dem Etikett. Die rechtsextreme Blase jubelt, die Politik zeigt sich alarmiert.

Im Juli 2019 wurden bei einem von Frenck organisierten Rechtsrockkonzert zahlreiche Bierfässer sichergestellt. Es gab ein Alkoholverbot für die Veranstaltung. Jetzt stieg der Rechtsextremist selbst in Bier-Geschäft ein.   

Im Juli 2019 wurden bei einem von Frenck organisierten Rechtsrockkonzert zahlreiche Bierfässer sichergestellt. Es gab ein Alkoholverbot für die Veranstaltung. Jetzt stieg der Rechtsextremist selbst in Bier-Geschäft ein.   

Foto: Foto: Kai Mudra

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Drei Wochen liegt seine Ankündigung zurück. Der südthüringer Neonazi Tommy Frenck erklärt über die Facebookseite seines Gasthauses, dass man mit einer Überraschung in das neue Jahr starten werde – einem Bier, dass sich „Reichsbräu“ nennt.

Wenige Tage gab es dieses Bier nun offenbar in einem Getränkemarkt in Bad Bibra (Sachsen-Anhalt). Wie die „Volksstimme“ berichtet hat die Getränkekette mittlerweile dem Franchise-Nehmer gekündigt, der das Bier vertreiben wollte und sich zuvor klar von rechtsextremem Gedankengut distanziert. Außerdem sei die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg involviert und prüfe eine strafrechtliche Relevanz, heißt es.

Kasten Bier soll 18,88 Euro kosten

Seit Freitag befassen sich die Thüringer Behörden ebenfalls mit dem Bier. Innenminister Georg Maier (SPD) selbst hatte auf Twitter geschrieben: „Wir kümmern uns darum.“ Zuvor hatte die Polizei erklärt, ebenfalls auf Twitter nach dem Hinweis eines Users, dass Thüringen zuständig sei.

Diese Zuständigkeit sieht auch das Innenministerium, das die Staatsanwaltschaft in Meiningen mit ins Boot holen will. „Es wird ein Verstoß gegen § 86 a geprüft“, bestätigte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage. Allerdings: Reichsadler und Eisernes Kreuz gelten in Deutschland nicht als Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Jedoch: Der § 86 a „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ sagt im Absatz zwei auch aus, dass dieses Kennzeichen solche gleichgestellt sind, „die ihnen zum verwechseln ähnlich sind“. Ob das hier der Fall ist, prüft nun die Justiz. Auf der Rückseite des Etiketts wird ebenfalls nicht mit deutlichen Zeichen gespart – so wird ein Schattensymbol eines Menschen mit Punkfrisur gezeigt, der durchgestrichen ist, was wohl andeuten soll, dass dieses Bier von politisch linken Menschen nicht getrunken werden sollte. Der Kasten Bier soll – was nicht anders zu erwarten war – 18,88 Euro kosten. Dahinter verbergen sich zwei in rechtsextremen Kreisen stets verwendete Zahlencodes. Die 1 steht für den ersten Buchstaben im Alphabet, die 8 für den achten Buchstaben. 18 steht entsprechend für Adolf Hitler und 88 für Heil Hitler. Frenck verwendet dieses Codes bei der Preisgestaltung regelmäßig, leugnet aber immer wieder, dass es den beschriebenen Zusammenhang gibt.

Innenminister verurteilt das Produkt

Derzeit bejubelt er auf Facebook unbeirrt, dass die Einführung des Biers ein Erfolg und die erste Charge bereits ausverkauft sei.

Thüringens Innenminister verurteilt das Produkt scharf. „Das Label ist so eindeutig, dass es keine Ausrede gibt. Wer solches Bier kauft oder verkauft, macht sich gemein mit den Neonazis“, schreibt Maier auf seiner Facebookseite. Unmittelbar danach wurden in seinem Haus am Freitag erste Schritte eingeleitet, die strafrechtliche Relevanz des Produkts zu prüfen.

Sachsen-Anhalt: Getränkemarkt verkauft Nazi-Bier Reichsbräu

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