Telefonforum: Wenn Nachbars Schornstein zu sehr qualmt

Erfurt.  Beim Telefonforum unserer Zeitung beantwortet die Thüringer Schornsteinfegerinnung Leserfragen.

Schornsteinfeger haben Fragen unserer Leser beantwortet. (Archivfoto)

Schornsteinfeger haben Fragen unserer Leser beantwortet. (Archivfoto)

Foto: Daniel Volkmann

Um Austauschfristen für Kaminöfen und Ölheizungen, störenden Rauch, den Umgang mit festen Brennstoffen sowie mit Gas- und Ölheizungen und viele andere Themen rund um Ofen, Heizung und Kamin ging es beim Telefonforum mit der Thüringer Schornsteinfegerinnung. Landesinnungsobermeister Marco Beierlein aus Greiz und Bezirksschornsteinfeger Rüdiger Speck aus Bad Langensalza beantworteten viele Fragen. Hier eine Auswahl ihrer Antworten:

Wie lange kann ich meinen Kohleofen noch betreiben?

Einzelraumfeuerungsanlagen für feste Brennstoffe haben in der Regel bis zu einem bestimmten Alter eine Zulassung mit dem Verweis auf die Einhaltung der Emissionswerte, bei älteren Geräten kann ein Nachweis vom Schornsteinfeger mittels Messung erbracht, ein Filter nachgerüstet oder die Feuerstätte ausgetauscht werden.

Dürfen Öfen in Kleingartenanlagen eingebaut und betrieben werden?

Wenn alle bau-, brand- und feuerungstechnischen Bedingungen erfüllt werden, ist das möglich. Allerdings ist es aufgrund der meist geringen Gebäudehöhen fraglich, ob ausreichend Unterdruck erzeugt werden kann. Hier ist ganz wichtig zu beachten, dass die Feuerstätten und auch die dazugehörigen Abgasanlagen die entsprechende Zulassung haben, damit einer Bauabnahme durch den zuständigen Schornsteinfeger nichts im Wege steht. Das klassische „Ofenrohr“ durch die Wand ist nicht zulässig und stellt sehr hohe Brandgefahr dar.

Wie oft muss meine Pelletheizung überprüft werden?

Zentralheizungen für feste Brennstoffe müssen nach 1.BimschV alle zwei Jahre auf ihren Staubgehalt und den Kohlenmonoxidausstoß von einem Schornsteinfeger gemessen werden. Der dazugehörige Schornstein und das Abgasrohr wird laut Kehr- und Überprüfungsordnung zweimal im Jahr gekehrt. Bei nachweislich geringem Rußansatz kann der bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger die Häufigkeit der Kehrung auf einmal pro Jahr heruntersetzen. Das wird im Feuerstättenbescheid festgehalten.

Darf der Schornsteinfeger, wenn er beim Nachbarn auf dem Dach steht, meinen Schornstein gleich mit fegen?

Unter Einhaltung aller Arbeitsschutzbedingungen und mit Absprache mit dem Nachbarn ist das möglich. Dies scheitert aber meistens daran, dass er dafür auf den Dachziegeln laufen müsste, hierbei Schäden am Dach entstehen können und er sich auch unnötig in Gefahr begibt. Schornsteine sowie Abgasanlagen müssen Einrichtungen haben, dass sie sicher und einfach überprüft beziehungsweise gereinigt werden können.

Ich habe einen Gaskessel GK21 aus DDR-Zeiten, welche Fristen gelten?

Insofern die Feuerstätte die aktuell geforderten Abgaswerte einhält, gibt es theoretisch keine Austauschpflicht. Bei diesen Anlagen ist aber darauf zu achten, dass sie laut Hersteller nicht mit Holz, sondern nur mit Kohle oder Koks betrieben werden dürfen. Außerdem ist fraglich, ob bei dieser Technik die Abgaswerte erfüllt werden können, da die Verbrennung nur über einen mechanischen Feuerzugregler gesteuert wird. Weiterhin haben moderne Feuerstätte wesentlich höhere Wirkungsgrade und man braucht um einiges weniger an Brennstoff.

Ich will einen Werkstattofen installieren. Worauf muss ich achten?

Bei einer Neuinstallation von Feuerstätten muss der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger vor Inbetriebnahme der Feuerstätte eine Bauabnahme durchführen. Hierbei begutachtet er die Zulassung der Feuerstätte (Emissionswerte, CE- oder Ü-Zeichen), Abstände zu brennbaren Baustoffen, Ableitbedingungen (keine Belästigung für das Umfeld), Schornsteinhöhe und den korrekten Einsatz der zulässigen Brennstoffe. Hierzu berät er und gibt nützliche Tipps und Hinweise. Falls bei der Planung einer solchen Feuerstätte Fragen auftreten, ist der Schornsteinfeger auch immer bereit Fragen zu beantworten.

Ich habe ständig Geruchsbelästigungen vom Schornstein meines Nachbarn. An wen soll ich mich wenden?

Im ersten Moment, um das Verhältnis mit dem Nachbarn nicht zu gefährden, sollte man sich mit ihm zusammensetzen. Falls das nicht geht oder weiterhilft, ist die einzige offizielle Instanz die untere Emissionsbehörde. Feuerstätten inklusive Brennstoffe werden zwar vom Schornsteinfeger bei der Feuerstättenschau geprüft und gegebenenfalls bemängelt, werden aber aus Datenschutzgründen nicht an dritte weitergeleitet, es sei denn die Frist für den Mangel läuft ab. Das Umweltamt erbittet sich dann die Hilfe des Schornsteinfegers und dieser prüft den Belästigungsbestand auf die Ursache.

Gibt es Austauschfristen für meine Ölheizung (Baujahr 1993)?

Wenn das Haus, in dem die Heizung steht, nicht verkauft wurde oder demnächst wird, besteht zunächst kein Handlungsbedarf. Der Schornsteinfeger stellt jährlich bei seiner Messung die Effizienz und den gefahrlosen Betrieb der Feuerstätte fest. Wenn aber das Haus verkauft wird und die Anlage das Alter von dreißig Jahren überschreitet, muss sie innerhalb der nächsten zwei Jahre ausgetauscht werden.

Ich beheize mein Haus mit einem Pellet-Holz-Kombikessel. Der Schornstein ist verrohrt. Wie und womit ist der Schornstein zu kehren?

Eine Reinigung ist vom Dach und auch vom Dachboden aus möglich. Hierfür muss der Anlagenbetreiber geeignete Arbeitsschutzvorkehrungen treffen. Auch eine Kehrung von der Schornsteinsohle ist möglich, wobei hier das Ausstauben wahrscheinlich ist. Verrohrte oder sanierte Abgasanlagen sollte möglichst nicht mit Stahlbesen und Eisenkugel gereinigt werden. Dafür gibt es Edelstahl- oder Kunsstoffeinlagen und für keramische Verrohrungen auch gummierte Kugeln.