Der Skandal als vorlauter Bote

Weimar  Start einer dreiteiligen Vortrags- und Diskussionsreihe mit Hannes Heer am Sonntag im Bauhaus-Museum Weimar

Die Frage nach der Schuld an den Verbrechen des Zweiten Weltkrieges wurde in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft weithin unterdrückt. Man entschied sich für eine Politik der Amnestie und Amnesie. In Weimars Bauhaus-Museum beleuchtet nun die Reihe „Der Skandal als vorlauter Bote“ anhand dreier Beispiele die Geschichte der Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen in Deutschland. Die Reihe ist von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung und der Klassik-Stiftung Weimar initiiert.

Vortragender ist der Hamburger Historiker, Publizist und Ausstellungsmacher Hannes Heer, Jahrgang 1941. Aufgrund seiner Aktivität im Sozialistischen Studentenbund bekam er keine Zulassung als Referendar für den Schuldienst. In den 90er-Jahren leitete er das Ausstellungsprojekt „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“. Seine Ausstellung „Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der Juden aus der Oper 1933 bis 1945“ ist heute dauerhaft auf dem Festspielhügel in Bayreuth zu sehen.

Der erste Vortrag am kommenden Sonntag, 14. Juli, um 19 Uhr thematisiert die Konfrontation mit dem Massenmord an den Juden – über die 1979 in den Dritten Programmen der ARD ausgestrahlte US-Fernsehserie „Holocaust“. Sie erzählt die Geschichte zweier deutscher Familien: Im Schicksal der Familie des jüdischen Arztes Josef Weiss konnte man alle Stationen der „Endlösung“ nachvollziehen. Die Gegenfigur des Erik Dorf zeigt einen Juristen, der als Vollstrecker des Völkermordes Karriere macht. Die Serie wurde ein „Straßenfeger“ und wirkte auf die Gesellschaft wie ein Schock. Der Holocaust war in deutschen Wohnzimmern angekommen: Aus einer abstrakten Opferzahl wurden Menschen mit Gesicht und Namen. Die Serie markierte in der BRD den Beginn der Erforschung des Holocaust und einer Kultur der Erinnerung.

Dei beiden anderen Vorträge „Die Wehrmachtsausstellung oder die Rückkehr der Täter (1996-1999)“ sowie „Der Brandstifter. Martin Walsers Rede in der Frankfurter Paulskirche (1998)“ folgen am 21. und 28. Juli.

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