Trinkwasserverband hat keinerlei Engpässe

Eisenach  Kleingärtner können auch nach längerer Periode der Trockenheit bedenkenlos mit Wasser aus der Leitung gießen.

Auf dem Friedhof hängen jetzt genug Kannen, nachdem diese zwischenzeitlich zur Mangelware geworden waren. Grabpfleger und Kleingärtner hatten schon befürchtet, dass sie Wasser sparen müssen. Doch der Trinkwasserverband gibt Entwarnung: alles im grünen Bereich.

Foto: Jensen Zlotowicz

Trockenheit und Hitzerekorde häufen sich. In der Folge könnte es zum Streit ums Wasser kommen, warnte dieser Tage das Bundesumweltamt. Angesichts solcher Meldungen fürchten Kleingärtner, dass es ihnen untersagt wird, Wasser aus dem öffentlichen Netz zu entnehmen, um ihre Kulturen zu bewässern.

Wie sieht die Situation in der Region aus? „Wir haben überhaupt keine Probleme“, gibt Peter Kahlenberg, Werkleiter im Trink- und Abwasserverband Eisenach-Erbstromtal (TAV), Entwarnung. Selbst im Sommer 2018, der besonders trocken und heiß gewesen ist, konnten die Kleingärtner ihre Refugien bewässern. Was aber nicht heißen soll, dass mit der Ressource Wasser nicht sparsam umgegangen werden muss: Niemand kann vorhersagen, wie sich die Situation entwickelt.

Der TAV betreibt 42 Wassergewinnungsanlagen, vorrangig Bohrbrunnen. Dazu kommen einige Quellen und ein Quellteich. Bei den Quellen, so sagt Karla Sachs, verantwortlich für die Qualität des Trinkwassers, kann es aufgrund der geringen Niederschläge in den letzten Wochen schon mal vorkommen, dass sie weniger Wasser ausschütten, aber auf die Bohrbrunnen ist Verlass. Sie reichen bis in eine Tiefe von 80 Metern. Und selbst wenn es eng werden sollte, gibt es laut Peter Kahlenberg noch Brunnen in Reserve, die in die Förderung von Wasser einbezogen werden können.

Wenn diese ein Jahr nicht betrieben worden sind, braucht es erneute Genehmigungen durch das Gesundheitsamt. Vorsorglich werde diese Betriebserlaubnis eingeholt. Aber noch ist der Verband nicht auf die eiserne Reserven angewiesen.

Verbrauch ist im Juni nicht angestiegen

Der Verbrauch an Wasser ist im Vergleich zum letzten heißen Sommer noch nicht auffällig gestiegen. Aber an den Kubikmetern, die der Verband fördert und in die Ortsnetze einspeist, lässt sich ganz gut ablesen, wie sich die Temperaturen und der Sommer entwickelt haben. 2017 beispielsweise ist ein hoher Wasserverbrauch bereits im April registriert worden. Zur Erinnerung: Dieser Monat war heiß, während ein kühler und feuchter Sommer folgte. Die Wasserhähne sind im Juni und Juli 2017 weniger aufgedreht worden.

Im letzten Jahr lag der Spitzenwert im März, und der Verbrauch bewegte sich in den Folgemonaten bis August auf einem hohen Niveau. Angesichts der subtropischen Temperaturen und Trockenheit im Juni diesen Jahres befürchteten schon viele, dass sich der Sommer 2018 wiederholen würde. Doch auch wenn diejenigen, die Gräber auf dem Friedhof pflegen, jeden Tag Kannen schleppen mussten – der Wasserverbrauch liegt deutlich unter dem Juni-Wert von 2018. Vermutlich greifen die Kleingärtner noch auf ihre Vorräte in Fässern zurück. Oder sie haben eigene Brunnen. Generell gilt: In der Stadt wird mehr Wasser verbraucht als auf dem Lande. Das war auch im letzten Jahr so. „2018 haben wir zwischen sieben und acht Prozent mehr Wasser verkauft, aber hauptsächlich in Eisenach“, so der Werkleiter. Einen Grund sieht er darin, dass in den ländlichen Gebieten mehr Bewohner über Regenwasserspeicher verfügen.

Brauchwasser kann man übrigens auch über den Verband beziehen, macht Kahlenberg aufmerksam. Das habe man im letzten Jahr beispielsweise freiwilligen Feuerwehren angeboten für den Fall, dass diese Gießaktionen für öffentliches Grün unterstützen. Wahrgenommen wurde das Angebot nicht.

Hingegen eine Gruppe von Bürgern, die im letzten Jahr auf eigenen Initiative Bäume in Eisenach gegossen haben, die Möglichkeit genutzt hat, ein Standrohr auszuleihen. In diesem Fall wird keine Gebühr fürs Abwasser erhoben – ansonsten gilt: Wasserverbrauch gleich Abwasser. Allerdings sind eine Kaution von 250 Euro und eine Leihgebühr von einem Euro pro Tag fällig. Sich solche Standrohre auszuleihen, ist weiter möglich. Hauptsächlich machen davon Baubetriebe Gebrauch, die Bauwasser benötigen. Trockenheit ist übrigens für die Wasserleitungen genauso schlimm wie Frost, weil der Boden „arbeitet“.

Im letzten Sommer hat es Leitungen regelrecht „gesprengt“. In diesem Jahr ist die Zahl der Rohrbrüche bisher im Rahmen geblieben: 35 bei einem über 500 Kilometer langen Leitungsnetz sind für den Werkleiter kein Anlass für Besorgnis.

1000 Liter kosten rund fünf Euro

Seit Donnerstagnachmittag regnet es – zur Freude aller, die auf Wasser angewiesen sind wie Kleingärtner, Landwirte und Forstleute. Die Aussichten auf Niederschläge bleiben in den kommenden Tagen gut. Juli und August müssen also abgewartet werden, um letztlich Aussagen treffen zu können.

Selbst wenn Kleingärtner aus der Leitung ihr Obst und Gemüse begießen: „1000 Liter Wasser sind 100 Gießkannen. Und mit rund fünf Euro für Wasser und Abwasser ist es erschwinglich“, rechnet Peter Kahlenberg vor. Das ist die andere Seite: Der Verband will natürlich so viel wie möglich Wasser verkaufen. Das ist gut für die eigene wirtschaftliche Situation.

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