Weimar verführt mit Klatsch und Tratsch aus Jahrhunderten

Weimar  Jürgen Bens und Verleger Steffen Knabe bieten mit „Der Stadtverführer“ amüsanten Wegweiser durch die Kulturstadt

Jürgen Bens und Steffen Knabe zeigen stolz den neuen „Stadtverführer“ für Weimar, der in dieser Woche ausgeliefert wurde.

Jürgen Bens und Steffen Knabe zeigen stolz den neuen „Stadtverführer“ für Weimar, der in dieser Woche ausgeliefert wurde.

Foto: Miriam Schröder

Schon Goethe wusste: „Das Höchste, wozu der Mensch gelangen kann, ist das Erstaunen.“ Anlass zum Staunen bietet die Lektüre des neuen „Stadtverführers“ von Jürgen Bens mehr als genug. Mit seinem alternativen Reiseführer, der jetzt im Weimarer Tourist-Verlag erschienen ist, lädt der langjährige Stadtguide zu einem durchaus ungewöhnlichen Spaziergang durch Weimar ein. Es sind nicht gewichtige historische Ereignisse, sondern Anekdoten und lustige Geschichten, die den Leser durch Weimar begleiten.

Der Rundgang scheint zunächst recht gewöhnlich: Nach Marktplatz, Residenzschloss, Ilm-Park oder Goethes Wohnhaus endet die Tour an der Jakobskirche. Aber der „Stadtverführer“ zeigt eben nicht nur den Weg zu den Orten – er will den Leser verführen: „Bens lädt zu einer kleinen Zeitreise durch verschiedene Epochen ein. Mal findet man sich wie erwartet in der Weimarer Klassik, mal springt man in DDR-Zeiten oder in die Gegenwart“, erzählt Verleger Steffen Knabe.

Der „Stadtverführer“ ist das dritte Werk, das im Tourist-Verlag seit der Übernahme durch den Knabe-Verlag veröffentlicht wird. Aber das Buch richtet sich nicht nur an Touristen. Auch Weimarer werden immer wieder ins Staunen geraten.

Wer hätte zum Beispiel gewusst, warum am 24. September 1983 die Volkspolizei an Goethes Gartenhaus klopfte? Tatsächlich hatte nämlich ein junges Paar auf Wanderschaft bei Einbruch der Nacht hier Unterschlupf gesucht und sich im schmalen Bett des Dichters einquartiert. Sie wussten nicht einmal, wessen Bett das war. Auf die verärgerte Frage eines Volkspolizisten kam zurück: „Goethe? Nie gehört.“

Genau solche Geschichten hat Jürgen Bens gesammelt und nun zu Papier gebracht. Auch sonst ist der „Stadtverführer“ kein klassischer Reiseführer. „Wir wollten keinen kurzlebigen Hit landen, sondern etwas Zeitloses schaffen“, sagt Knabe. Deswegen wurde auch gezielt auf bunte Fotos verzichtet. So wurde Verlagsmitarbeiterin Anja Puse nicht nur Lektorin für den „Stadtverführer“. Sie illus-trierte ihn auch mit SchwarzWeiß-Zeichnungen. Die Farben sollen im Kopf entstehen, so Knabe. Schließlich gehe es genau darum beim „Stadtverführer“: eine gute Geschichte zu genießen. Ob man sie auch glaubt, ist jedem selbst überlassen – unterhaltsam bleibt sie so oder so.