Das Wunder von Jena

Jena.  Seit Zeiss 1925 in München das erste moderne Planetarium einweihte, hat das Jenaer Unternehmen weltweit 671 weitere installiert. Davon sind noch rund 500 in Betrieb.

Vor 100 Jahren entwickelte Walther Bauersfeld das moderne Planetarium: Prof. Dr. Walther Bauersfeld

Vor 100 Jahren entwickelte Walther Bauersfeld das moderne Planetarium: Prof. Dr. Walther Bauersfeld

Foto: Zeiss Archiv / ZEISS Archiv

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Dabei hatte Zeiss zunächst kein Interesse an Geräten zur Demonstration von Planetenläufen. Noch 1913 lehnte die Firma eine Entwicklungsanfrage von Oskar von Miller ab. Der Gründer des Deutschen Museums in München will seinerzeit den Besuchern das Weltall näher bringen. Dazu lässt er diverse Modelle, teils zimmergroße Konstruktionen, anfertigen. Von Miller träumt jedoch von einer Einrichtung, die den Lauf der Himmelskörper am irdischen Sternhimmel veranschaulicht.

Er lässt nicht locker, bis der genialische Ingenieur Walther Bauersfeld, der bereits 29-jährig in die Zeiss-Geschäftsleitung aufgestiegen war, vor 100 Jahren die Lösung findet. Noch 1914 liebäugelt Oskar von Miller mit einer rotierenden Kuppel, die mit kleinen Glühlämpchen hätte bestückt werden sollen. Eine solche Kuppelkonstruktion ist viel zu aufwendig. Drum schlagen Bauersfeld und sein Kollege in der Chefetage, Rudolf Straubel, vor, die Himmelskörper durch Projektionen entstehen zu lassen. Dazu bedürfe es nur „einer einfachen Konstruktion im Mittelpunkt der Kugel“. Völlig neu ist die Idee der Planetenprojektion nicht.

Schon im 19. Jahrhundert gelangen rudimentäre Vorführungen dank der „Laterna Magica“. Dennoch liegt das Jenaer Planetariums-Projekt erst einmal auf Eis. Der Erste Weltkrieg setzt andere Prioritäten. Nachdem das Vorhaben im Frühjahr 1919 erneut zu scheitern droht, entwirft Walther Bauersfeld sein Konzept des ersten modernen Projektionsplanetariums an einem einzigen Wochenende. Es braucht noch einmal sechs Jahre, bis das international gefeierte „Wunder von Jena“ offiziell in München eingeweiht wird. Die Meisterleistung deutscher Ingenieurskunst besteht aus zwei Teilen: der Sternenkugel mit 72 Projektoren und dem Planetengerüst mit nochmal neun Projektoren. Damit lassen sich 4500 Sterne, die Planeten unseres Sonnensystems sowie die Namen von Tierkreiszeichen abbilden. Schon die probeweise Demonstration von Oktober bis Dezember 1923 in München war ein grandioser Erfolg. Ab Sommer 1924 veranstaltet Zeiss in einer provisorisch errichteten 16-Meter-Kuppel auf dem Dach seines Jenaer Werkes Vorführungen. Diese locken bis 1926 80.000 Besucher an. In schneller Folge werden nach München Planetarien in Wuppertal, Leipzig und Düsseldorf eröffnet. Das heute dienstälteste Zeiss-Planetarium in Jena folgt im Sommer 1926. Das Zeitalter der Großraumplanetarien ist eingeläutet.

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