Wie Erfurt hitzerobuster werden soll

Erfurt.  Forscher erarbeiten Strategien, wie man Erfurt hitzerobuster machen kann. Die Corona-Krise hat das Projekt jedoch erst mal ausgebremst.

Ein kühlender Springbrunnen am Leipziger Platz in Erfurt.

Ein kühlender Springbrunnen am Leipziger Platz in Erfurt.

Foto: Hanno Müller

Die Corona-Pandemie hat Projekte, die auf die Mitverantwortung von Bürgern setzen, ausgebremst. Forscher sprechen bereits von einem verlorenen Jahr in Sachen Bürgerbeteiligung. Die Absagen von Veranstaltungen könnten sich demnach auch in Zukunft noch negativ auswirken, so das Institut für Partizipation in einer aktuellen Studie. Betroffen ist auch ein Projekt in Erfurt.

Zu spüren bekommt das auch das Wissenschaftlerteam des ISP – Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt, das mit dem Dresdner Leibnitz-Institut für ökologische Raumentwicklung und kommunalen Partnern seit dem Jahr 2017 an Strategien gegen die Hitze in Innenstädten arbeitet.

Das vom Bund mit 2,5 Millionen Euro geförderten „HeatResilientCity-Projekt“ (hitzerobuste Städte – HRC) betrachtet dafür stellvertretend das Gründerzeitquartier der Erfurter Oststadt mit dem bekannten Leipziger Platz sowie die Plattenbausiedlung Gorbitz in Dresden eingehender. Eine großangelegte Beteiligungsaktion zur Anpassung an Hitzemaßnahmen am Leipziger Platz musste wegen Corona ausfallen, alternativ soll es eine Online-Beteiligung geben.

Pilotprojekt soll nun im Herbst starten

Das geplante Erfurter Pilotprojekt zur Erstpflanzung von klimaangepassten Bäumen und Sträuchern, für das im Februar noch Standort-Begehungen stattfanden, soll nun im Herbst starten.

In Dresden setzt man aktuell auf eine Online-Befragung zu hitzerobusten Straßenbahn- und Bus-Haltestellen, da diese bislang in Hitzephasen keinen Schutz bieten. Gefragt wird zu Varianten von Schatten spendender Begrünung oder Sitzgelegenheiten. „Die digitale Beteiligung in Zeiten von Corona ist wichtiger als zuvor.

Bewohner haben die Möglichkeit die Entwürfe zu bewerten, Ideen einzubringen und auch Rückfragen zu stellen“, sagt die Erfurter Professorin für Stadtplanung und Teamleiterin Heidi Sinning. Bereits 2018 war in Deutschland der zweitheißeste Sommer seit der Wetteraufzeichnung 1881. 2019 stand dem kaum nach. Durch die extreme Hitze kam es europaweit zu Tausenden Todesfällen. Nach ersten Prognosen muss auch in diesem Jahr mit extremen Temperaturen gerechnet werden.

Wegen von einem hitzebelasteten zu einem hitzeangepassten Leben

In der Ausstellung „Eine Stadt kühlt runter“ thematisierten die Forscher im vergangen Sommer Auswirkungen auf Stadtbewohner. Arbeitswege würden zur Tortur. Vor allem Ältere fühlen sich kraftlos und verlassen kaum noch das Haus. Viele Menschen schlafen schlecht.

„Bei über 30 Grad empfinden die meisten Menschen die Situation in der Innenstadt und auf unbeschatteten Plätzen als unerträglich“, sagt Sinning. Gemeinsam mit Bewohnern vor Ort suche das HRC-Projekt nach Wegen von einem hitzebelasteten zu einem hitzeangepassten Leben.

Sinnvolle Gegenmaßnahmen sehen die Forscher etwa in mehr Parks, Fassaden- und Dachbegrünung sowie Wasserelementen, die kühlend wirken. Durch die Installation von Verschattungssystemen könne die Hitze besser aus Wohnungen heraus gehalten werden. Kommunaler Projektpartner in der Landeshauptstadt ist das Umwelt- und Naturschutzamt.

Dabei ist auch das Garten- und Friedhofsamt, das rund 2000 der 90.000 Bäumen bewässert, 300 davon mit eigens entwickelten Wassersäcken.

Noch keine Förderzusage für Folgeprojekt

Aus gegebenem Anlass habe der HRC-Forschungsverbund Anfang der Woche den Antrag auf ein Folgeprojekt HeatResilientCity II gestellt, so Sinning. Gemeinsam mit den Praxis-Akteuren aus Kommunen, Wohnungswirtschaft und Bürgerschaft sollen Anpassungsmaßnahmen an die Hitze weiter nachhaltig forciert und das Thema Gesundheit noch stärker einbezogen werden.

Neue Forschungsziele seien etwa ein präventives Gesundheitsnetzwerk sowie die Entwicklung gemeinschaftlich nutzbarer Hitze-Infrastrukturen, wie gekühlte Gemeinschaftsräume oder begrünte und beschattete Innenhöfe in Wohnquartieren.

Wieder soll es dazu Befragungen unter Bewohnern und Workshops geben. Mit einer Förderzusage des Bundesforschungsministerium sei aber nicht vor Herbst 2020 zu rechnen.