Wasserstoffleitung vom Thüringer Becken nach Erfurt geplant

Bernd Jentsch
| Lesedauer: 3 Minuten
Praxistest: Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) überzeugt sich an der Wasserstofftankstelle der Firma Kumatec in Föritztal von der einfachen Handhabung beim Betanken des Brennstoffzellen-Fahrzeuges.

Praxistest: Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) überzeugt sich an der Wasserstofftankstelle der Firma Kumatec in Föritztal von der einfachen Handhabung beim Betanken des Brennstoffzellen-Fahrzeuges.

Foto: Bernd JentscH

Erfurt.  Eine Leitung vom Erzeuger nach Erfurt soll Thüringen ein Anschluss an das europäische Wasserstoffnetz ermöglichen. Auch die regionale Wertschöpfung steht im Fokus.

Im Thüringer Becken erzeugter Wasserstoff soll über eine rund 40 Kilometer lange Leitung nach Erfurt transportiert werden. „Wir sind überzeugt, dass die Region um Mühlhausen und Bad Langensalza günstige Bedingungen für die Erzeugung von grünem Wasserstoff bietet“, erklärte Dieter Bochmann, Geschäftsführer der Ferngasnetzgesellschaft beim 4. Erfurter Panoramagespräch auf der Messe.

Über eine bereits bestehende Leitung werde der Wasserstoff dann in die Landeshauptstadt transportiert. An diesem Pilotprojekt sind neben seiner Firma auch die Stadtwerke Erfurt beteiligt, so Bochmann. Es gehe einerseits darum, regionale Wertschöpfung zu ermöglichen, andererseits aber auch um einen Anschluss von Thüringen an das europäische Wasserstoffnetz.

Umstellung auch bei der Wärmeerzeugung

Wasserstoff als Energieträger sei bei der angestrebten Treibhausgasneutralität für Thüringen bis zum Jahr 2045 unerlässlich, versicherte Matthias Sturm von der Thüringer Energie AG. Dabei gehe es allerdings nicht nur um Strom, der gerade einmal ein Fünftel des gesamten Energieverbrauches im Freistaat ausmache.

„Wir müssen auf das Thema Wärme schauen und perspektivisch Erdgas durch Wasserstoff ersetzen“, sagte Sturm. Dabei solle auch der bestehende Kraftwerksparks mit der Kraft-Wärme-Kopplung einbezogen werden, so Sturm. Gaskraftwerke seien sichere Leitungsgaranten, wenn Wind und Sonne keine Energie liefern.

Er habe bereits im Jahr 2006 in Leipzig eine Wasserstoffinitiative ins Leben gerufen, berichtete Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Seither seien unzählige Projekte mit Millioneninvestitionen vorangebracht worden. Dennoch gebe es noch immer Herausforderungen bei den Themen Erzeugung, Transport und vor allem Speicherung von Wasserstoff zu lösen.

Mehrere Pilotprojekte erhalten Fördergelder

Thüringen ist aus Sicht von Tiefensee bei diesem Zukunftsthema gut aufgestellt. Er verwies als Beleg auf das Konsortium „h2-well“, das unter Thüringer Führung gerade 7,5 Millionen Fördermittel des Bundes erringen konnte, auf das neue Institut „Hyson“ in Sonneberg, die Batterieforschung am Erfurter Kreuz sowie Forschungen in Hermsdorf, an der Bauhaus-Universität in Weimar und der Fachhochschule in Nordhausen.

Technologieoffenheit als Schlüssel bei der Energiewende mahnte Ralph Bahnke, Geschäftsführer der Ontras Gastransportgesellschaft an. Man dürfe die Debatten beim Wasserstoff nicht auf die Mobilität begrenzen. Ohne weitere Förderung sei der Markthochlauf allerdings nicht zu erreichen, zeigte sich der Manager überzeugt. Für die angestrebte Klimaneutralität Deutschlands sei der Wasserstoff als fester Bestandteil der künftigen Energiewelt unverzichtbar.

Nach mehr als eineinhalb Jahren coronabedingter Unterbrechungen sei er erfreut darüber, die Erfurter Panoramagespräche endlich wieder fortsetzen zu können, zeigte sich der Geschäftsführer der Erfurter Messe Michael Kynast erleichtert. Dabei habe man für die Neuauflage ein Thema gewählt, „dass auch unsere Kinder und Enkel in den nächsten Jahren noch begleiten wird“,sagte Kynast.