Streit und Einigung sind fester Bestandteil der SPD-Geschichte

Eisenach  Die „Partei der Weltverbesserer“ erinnerte an den Eisenacher Kongress vor 150 Jahren im Gasthaus „Goldener Löwe“. Schon damals war der Meinungsstreit sehr heftig.

Die SPD erinnert mit „150 Jahre Sozialdemokratische Arbeiterpartei“ an den Eisenacher Kongress im Jahr 1869. Michael Roth (links), Staatsminister im Auswärtigen Amt und Bewerber um den Vorsitz der Bundes-SPD, hielt die Festrede.

Die SPD erinnert mit „150 Jahre Sozialdemokratische Arbeiterpartei“ an den Eisenacher Kongress im Jahr 1869. Michael Roth (links), Staatsminister im Auswärtigen Amt und Bewerber um den Vorsitz der Bundes-SPD, hielt die Festrede.

Foto: Peter Rossbach

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Klar war es auch ein wenig Wahlkampf in eigener Sache. Aber Michael Roth (SPD), Staatsminister im Auswärtigen Amt, meisterte den Spagat elegant. Der Mann aus dem benachbarten hessischen Heringen hat sich um den Vorsitz der SPD beworben und bewältigte die Herausforderung aus einer kämpferischen Wahlrede dafür und der würdigen Erinnerung an den Anlass seines Besuchs in Eisenach mehr als elegant.

Er hielt eine der beiden Festreden zur Feier „150 Jahre Sozialdemokratische Arbeiterpartei“. Diese Geschichte hat ihre Wurzel 1869 im „Goldenen Löwen“ in Eisenach und dem Kongress zur Gründung der SDAP, der Vorläuferpartei der SPD. Logischerweise fand die Feierlichkeit in der Gedenkstätte „Goldener Löwe“ statt.

Turbulente Tage

In seiner Begrüßung tauchte Michael Klostermann (SPD), Vorsitzender der August-Bebel-Gesellschaft und somit Hausherr im „Löwen“, in die Zeit des „Eisenacher Kongresses“ ein. Er nahm die Gäste, darunter auch Landes- und Bundespolitiker, mit in diese turbulenten Tage, in denen mit dem „Eisenacher Programm“, auch das erste ausgereifte Parteiprogramm der Sozialdemokratie entstand.

Auch Ursula Bitzegeio vom Mitorganisator Friedrich-Ebert-Stiftung, erinnerte an die heftigen Auseinadersetzungen während des Kongresses. „Einigung und Streit“ seien, so Bitzegeio von Beginn an fester Bestandteil der Geschichte der SPD. Daran habe sich über 150 Jahre nichts geändert. Dies sei aber auch logisch, weil es der SPD eben nicht um Machtoptionen gehe, sondern darum, das Leben der Menschen zu verbessern.

„Da gehört das demokratische Verhandeln von Politik, das Aushandeln von Kompromissen in einer Partei dazu. Das kann manchmal schmerzvoll sein. Das braucht es aber, um pragmatische Lösungen und neue Utopien zu entwickeln“.

Emotionalen Zugang wieder aufbauen

Kulturell sorgte Daniel Gracz für die Musik, die Schauspieler Kristine Stahl und Ronald Mernitz ließen im Stück „Wann wir streiten Seit an Seit“ von Kabarettist Ulf Annel August Bebel lebendig werden.

Für Festrednerin Babette Winter (SPD), Staatssekretärin in Erfurt, ist die SPD als Fortschrittspartei entstanden und sei dies über 150 Jahre lang geblieben. Das sieht Michael Roth genauso. „Die Geschichte der SPD ist die Geschichte der Weltverbesserer“. Der SPD fehlten derzeit nicht die richtigen rationalen Lösungen, um das Leben der Menschen zu verbessern. „Wir müssen aber unseren emotionalen Zugang zu den Menschen wieder aufbauen, den wir verloren haben.“ Die SPD habe allen Grund, selbstbewusst zu sein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren