Aggressiver Hund von Ammern beißt bereits zum zweiten Mal zu

Ammern  Laut Auskunft der Amtstierärztin war das Tier eine Gefahr für Einsatzkräfte und Umfeld. Dabei hatte es vor der erneuten Attacke einen Wesenstest bestanden.

Nach dem Vorfall am Dienstag half die Mühlhäuser Tierrettung den Hund einzufangen. Er wurde eingeschläfert. Archiv-

Nach dem Vorfall am Dienstag half die Mühlhäuser Tierrettung den Hund einzufangen. Er wurde eingeschläfert. Archiv-

Foto: Daniel Volkmann

Der Belgische Schäferhund , der am Dienstag einen 69 Jahre alten ehrenamtlichen Helfer des Mühlhäuser Tierheims beim Gassigehen nahe Ammern attackiert und ihn schwer verletzt hat (diese Zeitung am 16. Oktober), hatte bereits zuvor zwei Menschen gebissen.

Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um denselben Hund, der bereits im Mai dieses Jahres einen 51-Jährigen und dessen 19 Jahre alten Sohn in Obermehler mit Bissen in den Arm so schwer verwundete, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Männer hatten den Hund von dessen Halterin kaufen wollen, als es zu dem Vorfall kam, wie die Polizei damals mitteilte.

Sie seien spazieren gegangen, um sich besser kennenzulernen. Dabei habe der Hund plötzlich den jüngeren Mann in den Arm gebissen, so die Polizei. Als der Vater seinem Sohn helfen wollte, attackierte das Tier auch ihn. Beiden Männern gelang es damals noch, den Hund bis zum Eintreffen der Besitzerin festzuhalten.

Am Dienstag dieser Woche war das anders. Nachdem der aggressive Schäferhund gegen Mittag den Tierheim-Helfer in Arm und Schulter gebissen hatte, lief er frei umher. Neben einem Rettungswagen für den Schwerverletzten musste deshalb auch die Tierrettung anrücken. Polizisten und Feuerwehrleute aus Ammern und Mühlhausen übernahmen die Suche.

Ein weiterer Spaziergänger und dessen Hund wurden im Auto der Feuerwehr in Sicherheit gebracht. Mit Betäubungsmittel im Futter gelang es schließlich der Tierrettung und einem Mitarbeiter des Tierheims, den Schäferhund anzulocken und in einer Schlinge zu fixieren. Der Hund wurde daraufhin von der Amtstierärztin des Unstrut-Hainich-Kreises, Judith Keidel, eingeschläfert. Die Entscheidung dazu sei aus der Gefahrenlage heraus gemeinsam mit Polizei und Tierrettung gefallen, erklärt Keidel. Der Hund sei nicht mehr zu handhaben gewesen, stellte eine Gefahr für die Mitarbeiter der Tierrettung dar, weil sich das aggressive Tier nicht beruhigen ließ.

Der Kadaver des Hundes wurde noch am Dienstag im Landesamt für Verbraucherschutz in Bad Langensalza auf Tollwut getestet. Am Mittwoch sollte die Sektion erfolgen, um möglicherweise körperliche Schäden, wie einen Tumor, als Ursache für das plötzliche aggressive Verhalten des Tieres zu ermitteln. Allerdings sei die Sektion nicht so kleingliedrig, dass man in jedem Fall organische Probleme als Ursache ausschließen könne, so Keidel. Tollwut sei eher unwahrscheinlich, werde nur der Vollständigkeit halber geprüft. Aber auch andere Tierseuchen, wie die Staupe, könnten Ursache für die plötzliche Aggressivität sein.

Am Freitag lag das Ergebnis vor. Tollwut hatte der Hund nicht. Er litt allerdings unter einem chronischen Nierenproblem, teilt die Amtstierärztin mit. Ob das die Ursache für das aggressive Verhalten ist, kann nicht geklärt werden.

Schon bei dem Vorfall im Mai in Obermehler soll die Amtstierärztin im Rahmen der Amtshilfe den Belgischen Schäferhund Hund betäubt haben, der offenbar anschließend ins Tierheim nach Mühlhausen kam. Den Wesenstest habe das Tier ohne Auffälligkeiten bestanden, heißt es vom Tierheim. Der verletzte ehrenamtliche Helfer befindet sich auf dem Weg der Genesung.

Die Fallzahlen, in denen das Veterinäramt einen Hund aufgrund seines Verhaltens einschläfern müsse, wenn keine direkte Gefährdung von ihm ausgeht, sind gering. „Höchstens einmal pro Jahr“, sagt die Amtstierärztin. Häufiger seien Betäubungen und Transporte aggressiver Tiere als Amtshilfe für die zuständigen Ordnungsämter in den jeweiligen Gemeinden

Nach einem ernsten Beißvorfall wird der Hund meist einem Wesenstest unterzogen. Besteht er diesen nicht, kann eine Kommission aus Veterinärbehörden und Ordnungsamt sowie Sachverständigen darüber entscheiden, ob das Tier eingeschläfert wird. Bei der Entscheidung spielen laut Keidel auch Tierschutzgründe eine Rolle. Den Hund für den Rest seines Lebens in einem Sicherheitszwinger zu halten, sei die Alternative.

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