Bad Langensalza: Demonstrationen vor 30 Jahren

Bad Langensalza  30 Jahre Wende Die Leipziger Montagsdemos stehen in den Geschichtsbüchern. Doch auch in Bad Langensalza regt sich im Herbst 1989 Widerstand

Rolf Matthäs engagierte sich in der Basisdemokratischen Gruppe und war von 1990 bis -94 Bürgermeister von Bad Langensalza.

Rolf Matthäs engagierte sich in der Basisdemokratischen Gruppe und war von 1990 bis -94 Bürgermeister von Bad Langensalza.

Foto: Daniel Volkmann

Es begann im Zwiegespräch, mit Unterhaltungen in kleinen Gruppen. Es rumorte im Land, das blieb auch den Menschen in Bad Langensalza 1989 nicht verborgen. In Leipzig, Dresden, Rostock und anderen Städten gingen die Menschen gegen das DDR-Regime auf die Straße. „Diese Stimmung hat sich wie ein unterirdischer Fluss fortgesetzt. Auf Arbeit haben wir uns ausgetauscht. Viele waren unzufrieden“, erinnert sich Rolf Matthäs.

Er war Mitbegründer der Demokratischen Basisgruppe Bad Langensalza. Eine von drei Gruppierungen, neben dem Neuen Forum und dem Demokratischen Aufbruch, die auch in der Kurstadt Veränderungen erreichen wollten.

„Wir begannen damit, vieles zu hinterfragen. Kirchlich gebundene Mitglieder der Gruppe fuhren zu Veranstaltungen nach Erfurt und brachten Material mit. Wir diskutierten über die Situation im Land und über die Schlussakte von Helsinki“, so Rolf Matthäs.

Diese war das Ergebnis der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, wo sich die Staaten des Ostblocks und des Westens über ein geregeltes Miteinander verständigten. Neben der Anerkennung der Staatsgrenzen ging es auch um die Wahrung der Menschenrechte. Die DDR unterzeichnete die Akte 1975, Menschenrechte werden weiterhin ignoriert.

Die Zusammenkünfte wuchsen. Ende Oktober 1989 gab es die erste Demonstration in Bad Langensalza. Es folgten Aussprachen und Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister Horst Krieger, dem SED-Kreissekretär Jürgen Timplan und dem Vorsitzenden vom Rat des Kreises Jürgen Schwehr. Diese Gespräche hätten aber zu nichts geführt, das sei schnell klar gewesen. Die Stadtoberen hätten Probleme bagatellisiert und nur vage, fadenscheinige Auskünfte gegeben. Dies habe er von Mitstreitern erfahren, da er selbst an den Gesprächen nicht teilnahm.

„Auch deshalb hat sich die Bewegung weiter aufgebaut. Wir wollten die DDR reformieren. Niemand hat zu diesem Zeitpunkt an Wiedervereinigung gedacht. Wir hatten es satt, bevormundet zu werden und unser Leben nicht steuern zu können. Wir wollten Gleichberechtigung, wollten reisen, mehr Ehrlichkeit, mehr Offenheit“, sagt Rolf Matthäs. Auch in Bad Langensalza sei es um die großen Fragen gegangen. Man habe Solidarität mit den großen Städten zeigen wollen.

Dass immer mehr Menschen offen ihre Unzufriedenheit äußerten, habe ihm Mut gemacht. „Was die anderen empfunden haben, kann ich nicht beurteilen. Ich hatte in erster Linie Angst. Zuhause stand ein gepackter Koffer für den Fall, dass sie mich abholen. Aber ich merkte, ich war nicht alleine. Auch andere litten unter der Gängelung.“

Euphorie darüber, dass etwas vorangeht, habe sich erst später eingestellt. Denn im September und Oktober sei die Situation ungewiss gewesen. Auf dem Betriebsgelände der Futtermittel- und Transport (Futtra) hätten Betonpfosten und Stacheldraht gelegen, um im Ernstfall ein Lager einzurichten.

Ein Höhepunkt der Wendezeit in Bad Langensalza war eine Informationsveranstaltung in der Bergkirche. Am 2. November 1989, eine Woche vor dem Mauerfall, versammelten sich 2000 Menschen in dem Gotteshaus. Die Demokratische Basisgruppe, das Neue Forum und der Demokratische Aufbruch hatten gemeinsam eingeladen.

Am 5. Dezember 1989, einem Dienstag, fand das erste Friedensgebet in der Marktkirche statt. Dort wurden Gespräche geführt und Forderungen öffentlich gemacht. Die Gruppen seien bestrebt gewesen, die aktuellen Themen der Montagsdemonstrationen aufzugreifen. Rolf Matthäs fasst zusammen; „Wir wollten keinen Materialismus und Kapitalismus. Letztendlich ging es uns um Freiheit.“

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