Polizist rät bei Trickbetrügern: „Seien Sie misstrauisch“

Bad Langensalza  Im Awo-Familienzentrum Bad Langensalza informierte Kriminalhauptkommissar Hartmut Speiser über die miesen Maschen der Trickbetrüger.

Hartmut Speiser ist vorbeugend unterwegs. Nach seinem Vortrag verteilte er Broschüren mit Tipps.

Hartmut Speiser ist vorbeugend unterwegs. Nach seinem Vortrag verteilte er Broschüren mit Tipps.

Foto: Sabine Spitzer

Bei Gerhard Pikoske schrillten die Alarmglocken. Der 68-Jährige aus Bad Langensalza hatte dem Mann geöffnet, der gerade an der Tür klingelte und sich als Telekom-Mitarbeiter ausgab. Als der sich am Hauseigentümer vorbeidrängte, packte ihn Pikoske am Kragen und warf ihn vor die Tür. Und damit hatte der Bad Langensalzaer vermutlich einen Diebstahl verhindert.

Diesen Fall schilderte Pikoske im Familienzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Bad Langensalza. „Sehen Sie, es kann jedem passieren“, sagte Kriminal- hauptkommissar­ Hartmut Speiser. Er arbeitet in der Beratungsstelle der Landespolizeiinspektion Nordhausen und war in der Kurstadt im Dienst der Prävention unterwegs und informierte, wie man sich vor Trickbetrügern schützen kann. Etwa 25 Seniorinnen und Senioren waren gekommen. „Das Thema brennt mir auf der Seele, weil es jeden Tag passiert“, sagte Speiser.

Meist seien jüngere Menschen Opfer von Betrügern. Doch es gebe auch Täter, die wissen, dass Senioren eine gute Zielgruppe seien. Auf der Straße, an der Haus- oder Wohnungstür oder am Telefon - Betrüger haben verschiedene Maschen. In der Region Nordthüringen waren Trickbetrüger zum Glück zuletzt meist erfolglos. In Erfurt allerdings erbeuteten sie 400.000 Euro. Die Anonymität der Großstadt komme dem Täter zugute, erklärte Speiser. So sei beispielsweise eine Frau aufgefordert worden, Geld an der Mülltonne zu platzieren. „Wir wissen nicht einmal, wann die Betrüger die Beute abgeholt haben“, erzählte der Kriminalhauptkommissar.

Türen an Hauseingängen immer geschlossen halten

„Unbekannte haben in Ihrer Wohnung nichts verloren“, mahnte Speiser. Er riet, die Tür nicht zu öffnen, bevor sie wissen, wer draußen sei und was er wolle. Ein Türspion oder eine Türkette würden hier gute Dienste leisten. Aber es sei auch nicht unhöflich, durch die geschlossene Tür zu fragen.

„Pizza oder Paket, das sind die Zauberformeln von heute“, sagte Hartmut Speiser. Es gab schon Fälle, wo sich Diebe als getarnte Paketboten Zugang zur Wohnung verschafften.

Beliebt sind laut Speiser auch der Wasser- oder der Stift-Trick. Heißt: Die Täter bitten um ein Glas Wasser oder um einen Stift und sobald sich der Wohnungseigentümer umdrehe, seien die Betrüger in der Wohnung.

Immer Dienstausweis zeigen lassen

In Mehrfamilienhäusern sollten unbedingt die Türen der Hauseingänge geschlossen sein. Dass diese meist geöffnet seien, mache es den Trickbetrügern leicht. „Und falls es doch mal einen Notfall gibt, sind die Sanitäter kräftig genug, um die Tür einzutreten“, erklärte der Kriminalhauptkommissar.

Aber auch als Polizisten oder Behörden-Mitarbeiter tarnen sich Betrüger. Wie Hartmut Speiser erklärte, solle man sich daher immer den Dienstausweis zeigen lassen. Da selbst der gefälscht sein könnte, könne man noch nach dem Personalausweis oder dem Führerschein frage. „Denn ich habe es noch nie erlebt, dass die Täter zwei Dokumente fälschen“, sagte Speiser. Allerdings seien Polizisten nicht dazu verpflichtet, auch ihren Personalausweis zu zeigen.

Handwerker niemals in bar bezahlen

Sein nächster Tipp: Nur Handwerker, die man selbst oder der Vermieter bestellt hat, sollte man in die Wohnung lassen. Jedes Jahr ziehen etwa Dachdecker- oder Asphaltierer-Kolonnen durch die Region, die vermeintliche Schnäppchen anbieten und Vorschuss verlangen. Handwerker sollte man auch generell niemals in bar bezahlen. „Jeder seriöse Handwerker ist Ihnen nicht böse, wenn Sie die Rechnung überweisen“, so Speiser. Zu den schlimmsten Betrügern zählen seiner Ansicht nach die Schlüsseldienste. Betrüger verlangen bis zu 1500 Euro für einen Einsatz. „Seriöse Schlüsseldienste verlangen maximal zwischen 150 und 180 Euro“, erklärte der Polizist.

„Seien Sie misstrauisch“, riet Hartmut Speiser. Dabei sollte man aber darauf achten, dass es ein gesundes Misstrauen ist. Denn bei zu viel Argwohn leide die Lebensqualität.

Aktueller Fall

Erneut waren Betrüger in Nordthüringen. Wie die Polizei informiert, wurden einem Mann in Oberorschel von einem etwa 45-jährigen Mann und einem Jugendlichen am Mittwochvormittag gebrauchte Gegenstände und Bestecke angeboten. Der Einheimische informierte die Polizei. Die erhielt auch aus Dingelstädt diesbezüglich einen Anruf. In beiden Fällen waren die Männer in Autos mit niederländischen Nummernschildern unterwegs. Die Polizei ermittelt.

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