Ein Schreibtisch aus dem Hühnerstall

Neunheilingen  Die Besitzer von Schloss Neunheilingen laden ein – und hunderte Besucher besichtigen den Herrensitz.

Die Kunst- und Antiquitätenhändler Holger, Kerstin und Tobias Kahl (von rechts) waren in Neunheilingen viel gefragte Gesprächspartner beim ersten Schautag seit vielen Jahren in Schloss Neunheilingen.

Die Kunst- und Antiquitätenhändler Holger, Kerstin und Tobias Kahl (von rechts) waren in Neunheilingen viel gefragte Gesprächspartner beim ersten Schautag seit vielen Jahren in Schloss Neunheilingen.

Foto: Reiner Schmalzl

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Hunderte Neugierige strömten am Samstag in das langsam aus dem Dornröschenschlaf erwachende barocke Herrenhaus in Neunheilingen. Zum Schlossfest hatten nämlich die Schlossbesitzer Petra und Uilke Bergsma die Pforten des vor 300 Jahren erbauten Gemäuers erstmals nach langer Zeit weit geöffnet.

Es brauchte gar nicht allzu viel Phantasie, um sich in etwa vorstellen zu können, wie es in dem von Stuckdecken und Wandmalereien verzierten hohen Räumen um 1716 ausgesehen hatte. Damals war auch der Dichter Johann Wolfgang von Goethe hier ein- und ausgegangen, wie in Neunheilingens Chronik belegt ist.

Dass die Bausubstanz die Jahrhunderte und die verschiedenartigste Nutzung nahezu unversehrt überstanden hat, begeistert vor allem Holger Kahl. „Das Haus besticht durch seine Originalität und seine relativ gute Erhaltung.“ Kahl machte als Sachverständiger und Kunstliebhaber bei seinen Führungen durch das Schloss auf dessen wenig bekannte Schätze aufmerksam. Besichtigt werden konnte erstmals das künftige Goethezimmer mit einem zeitgenössischen Schreibsekretär, der in einem Hühnerstall beim Schloss gestanden hatte. Laut Holger Kahl handelt es sich um das wertvollste Inventar, an dem möglicherweise Goethe selbst gesessen haben könnte.

Eine Seltenheit seien die beiden erhalten gebliebenen Gesinderäume im Treppenhaus, in denen damals das Personal untergebracht war, um für die Herrschaften auf Abruf sein zu können.

Weil Holger Kahl seit 20 Jahren selbst Schlossherr ist, weiß er nur allzu gut, wovon er spricht. Denn er hat mit seiner Familie das Schloss Brandenstein bei Ranis ab 2000 gerettet und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Nun stehe man dem befreundeten und aus Holland stammenden Ehepaar Petra und Uilke Bergsma mit Rat und Tat zur Seite.

Weil Holger Kahl, seine Frau Kerstin und Sohn Tobias auch als Kunst- und Antiquitätenhändler einen Namen haben, konnten die ins Schloss Neunheilingen gekommenen Besucher ihre mitgebrachten Raritäten schätzen lassen. Schließlich sensibilisiert der seit Jahren in der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ Furore machende Sohn Fabian Kahl für die Wiederentdeckung und Bewahrung von Kultur- und Kunstgegenständen.

In Neunheilingen zeigten sich die Kahls beispielsweise von einem mitgebrachten Degen fasziniert. Es handelte sich dabei immerhin um die Arbeit des bekannten Waffen- und Klingenschmieds Antonio Picinio aus Italien aus dem 16. Jahrhundert. Die Klinge muss später überarbeitet und dann in einem Spazierstock als Waffe versteckt worden sein, erläuterte der Experte dem verblüfften Publikum.

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