Ein US-Wahlkämpfer in Bad Langensalza

Bad Langensalza.  Der Amerikaner Michael Luick-Thrams lebt seit Kurzem in Bad Langensalza und beobachtet von hier den US-Wahlkampf. 2016 war er selbst ein Kandidat.

Michael Luick-Thrams während des Wahlkampfes zum US-Senat 2016 in Iowa. Er trat als unabhängiger Kandidat an.

Michael Luick-Thrams während des Wahlkampfes zum US-Senat 2016 in Iowa. Er trat als unabhängiger Kandidat an.

Foto: Jim Yates / Michael Luick-Thrams

„Es ist eine merkwürdige Umkehr der Verhältnisse. Ich bin ein Amerikaner, bin aus den Vereinigten Staaten ausgewandert und suche nun in Bad Langensalza mein Glück. Meine Vorfahren sind aus den gleichen Gründen aus Europa nach Amerika gereist“, sagt Michael Luick-Thrams.

Bad Langensalza und Thüringen erinnern an Iowa

Seit einigen Wochen ist der Historiker in der Kurstadt omnipräsent. Sein Projekt zur Erforschung der Thüringer Identität stößt auf großes Interesse der Bad Langensalzaer. Er wiederum zieht nun von Erfurt in die Kleinstadt. Das Thüringer Becken erinnere ihn an seine Heimat Iowa, den ländlich geprägten Bundesstaat im Mittleren Westen der USA.

In seinem Heimatland läuft derzeit die heiße Phase des Wahlkampfs. Nicht nur um das Amt des Präsidenten wird gerungen, auch das Repräsentantenhaus und ein Drittel der Sitze im Senat werden neu besetzt. Was viele Europäer nur aus den Medien kennen, hat Michael Luick-Thrams hautnah erlebt. 2016 trat er in Iowa als unabhängiger Kandidat für den Senat an. Er unterlag dem Republikaner Chuck Grassley. Das ist jener Mann, der aktuell die Anhörung der designierten Richterin für den Obersten Gerichtshof leitet.

Kandidaten, die nicht einer der beiden dominierenden Parteien angehören, den Demokraten oder den Republikanern, sind im Wahlsystem der Vereinigten Staaten praktisch chancenlos. Michael Luick-Thrams erhielt weniger als ein Prozent der Stimmen.

Tiefe Spaltung der amerikanischen Gesellschaft

„Als ich antrat wusste ich, dass ich nicht gewinnen würde. Es ging mir darum, die Fehler in unserem politischen System zu offenbaren. Ich wollte mit den Menschen darüber ins Gespräch kommen, was Politik heißt, wie Macht entsteht, wie das Volk diese Macht verteilt und welche Alternativen zu diesem Verfahren es gibt“, sagt er.

Diesen recht akademischen Ansatz, wie er es selbst nennt, versuchte er den Wählern zu vermitteln. Er reiste durchs Land, trat auf Jahrmärkten auf, hielt Reden und verbreitete seine Ansichten im Radio. „Die Demokraten und die Republikaner beachteten mich und die anderen unabhängigen Kandidaten nicht, wir existierten nicht. Es gab keine direkte Begegnung zwischen uns“, berichtet er. Während sich Chuck Grassley und seine Herausforderin Patty Judge einstündige Debatten im Fernsehen lieferten, habe das Radio ihm 90 Sekunden Sendezeit gestattet.

Kritik am Zwei-Parteien-System

Hierin liegt aus seiner Sicht einer der wesentlichen Gründe für die Spaltung der US-amerikanischen Gesellschaft. Das Zwei-Parteien-System sauge alles auf. Man sei entweder Demokrat oder Republikaner. Dieses Gruppendenken zwischen liberaler und konservativer Weltsicht pralle aufeinander und lähme den Fortschritt.

Iowas Senator Chuck Grassley sei das beste Beispiel für das starre System. Seit 1981 hat der heute 87-Jährige das Amt inne. „Damals war ich ein Teenager, heute bin ich ein alter Sack“, frotzelt Michael Luick-Thrams.

Es brauche ein grundlegendes Umdenken in den Vereinigten Staaten, neue Impulse für die Gesellschaft, andere Perspektiven in der Politik. „Wir sind eine der ältesten Demokratien der Welt, aber nun gelangen wir an die Grenzen unserer Geschichte. 200 Jahre Sklaverei sind bis heute nicht aufgearbeitet. Trump rüttelt an den Säulen der Demokratie“, sagt er.

Der Glaube an den amerikanischen Traum halte nur so lange, wie die Wirtschaft wachse.