Experiment in der Schule in Struth: Eine Woche ohne Handy

Struth (Unstrut-Hainich-Kreis). Nur ein Mädchen entschied sich dagegen. Wie die Klassenkameraden eine Woche lang auf das Handy zu verzichten, das konnte sich die Faulungerin nicht vorstellen. Sie wollte erreichbar sein - vor allem für den Freund.

Die Achtklässler aus Rodeberg verzichten schweren Herzens eine Woche lang auf ihr Handy. Foto: Claudia Bachmann

Die Achtklässler aus Rodeberg verzichten schweren Herzens eine Woche lang auf ihr Handy. Foto: Claudia Bachmann

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Am Freitag, als für die anderen Achtklässler der Gemeinschaftsschule Rodeberg in Struth das Experiment "Eine Woche ohne Handy" endete, zog auch sie Bilanz, zückte das Handy und addierte: Das Ergebnis ist ebenso faszinierend wie ernüchternd und alarmierend: 517 SMS-Nachrichten vom Freund seit Sonntagnachmittag, dazu noch 58 von anderen - der Mutter, der Jugendfeuerwehr und Freunden. Die Zahl der Anrufe ist dagegen überschaubar: 18 zählte die Achtklässlerin.

Nicht eine der Nachrichten, sagt sie, komme ihr überflüssig vor, auf keine wolle sie, die schon als Grundschülerin ein Handy besaß, verzichten.

Nicht alle Schüler seien sofort Feuer und Flamme von der Idee der Deutschlehrerin Beatrix Günther gewesen. Die hatte ihre achte Klasse aufgefordert, zum Schulfest am vergangenen Sonntag die Telefone abzugeben. "Manche haben sie mir sofort entgegen gehalten, als ich das Experiment vorgestellt habe, andere mussten erst überzeugt werden." Das Experiment solle dazu beitragen, über einen sinnvollen Umgang mit dem Handy nachzudenken.

Auch die Lehrerin selbst machte mit: Schwer sei es ihr nicht gefallen. "Ich könnte noch eine Woche. Das Mobiltelefon nutze ich generell nur in der Freizeit. Meine Schwester hat in der Woche kritisiert, dass ich schlechter zu erreichen sei. Aber ansonsten gibt es ja auch noch das Festnetz zum Telefonieren. Nur dass ich meine Freunde nicht mehr schnell mal über eine Nachricht erreichen konnte, hat mich schon gestört."

Die Schüler vermissten weitaus mehr: Die Nachrichten der Freunde über Chat und soziale Netzwerke, schnellen Kontakt, um einen Treffpunkt abzustimmen. Die Erkenntnisse aber waren faszinierend: "Ich hatte ja plötzlich nichts mehr zu tun, viel freie Zeit und habe angefangen, unser Haus zu putzen und zu bügeln", erzählt Kassandra.

Viele der Achtklässler spürten, ruhiger geworden zu sein. Und die Eltern hätten sich gefreut, dass neben dem Abendbrotsteller mal nichts lag, dass dauernd vibrierte oder klingelte.

Andere vermissten die zusätzlichen Funktionen des Telefons, das schon lange nicht bloß ein Telefon ist. Wie soll man aufstehen, ohne den Handywecker?, fragte sich Sarah. Habe ich eigentlich noch eine andere Uhr als die auf dem Telefon? Und wie sollen wir jetzt die Erinnerungen an unseren Projekttag fotografisch festhalten?

Das bewegte auch Beatrix Günther, die mit einem Sommerfest ihre neunte Klasse schon vorab in die Ferien verabschieden wollte. "Es ging weniger darum, dass ich mich nicht mit einem Fotoapparat behängen wollte, als darum, den Eltern meiner Klasse gleich ein paar Schnappschüsse zukommen zu lassen. Das ist eben mit einem Smartphone einfacher, als die Fotos erst von der Speicherkarte auf den Rechner zu ziehen und von dort zu mailen."

Als die Schüler am Freitagvormittag ihre Telefone wieder anschalteten, variierte die Zahl der Nachrichten, die seit Sonntag eingegangen waren - zwischen einer Hand voll und 200.

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