Frauen im Unstrut-Hainich-Kreis

Landkreis  Gleichstellungsbeauftragte porträtiert in neuer Broschüre 20 Frauen, die die Region über die Jahrhunderte mit geprägt haben

Dorothea Lemke, Gleichstellungsbeauftragte des Unstrut-Hainich-Kreises, hat die Broschüre „Frauen-Orte“ mit 20 Frauenporträts erstellt, die im Unstrut-Hainich-Kreis an herausragender Stelle wirkten.

Dorothea Lemke, Gleichstellungsbeauftragte des Unstrut-Hainich-Kreises, hat die Broschüre „Frauen-Orte“ mit 20 Frauenporträts erstellt, die im Unstrut-Hainich-Kreis an herausragender Stelle wirkten.

Foto: Klaus Wuggazer

Eine erfolgreiche Groß-Unternehmerin im Bad Langensalza des 19. Jahrhunderts; eine wehrhafte Äbtissin in Anrode, die Martin Luther und die Reformation unterstützt; die Gründerin eines Kinderschutzhauses in Mühlhausen; eine unermüdliche Gemeindeschwester in Lengefeld – das sind Frauen, die den heutigen Unstrut-Hainich-Kreis über die Jahrhunderte mit prägten und die doch heute oft kaum mehr im Gedächtnis sind.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Dorothea Lemke, will das ändern. Darum hielt sie die Geschichten von 20 Frauen in einer Broschüre fest, die nun erhältlich ist. „Frauen-Orte“ ist der Titel des Heftchens, das zur Zeit in einer Auflage von 2000 Stück in die Gemeindeverwaltungen ausgeliefert, bei Veranstaltungen verteilt wird oder im Landratsamt kostenlos zu bekommen ist.

Gemeinsam mit Ute Helbing und Michael Zeng vom Kreisarchiv, mit Ortschronisten, Archivaren und Heimatvereinen hat Lemke die Fakten für die Porträts zusammengetragen. Zum Beispiel über Dorothea Graeser, die bis 1825 in Bad Langensalza erfolgreich ein Textilunternehmen von Weltruf aufbaute und führte. Oder Anna von Hanstein, Äbtissin im Kloster Anrode, die ihren evangelischen Glauben gegen den katholischen Adel verteidigte. Und die legendäre „Schwester Anka“ – eigentlich Aranka Constanza Wago – die in Lengefeld mit der Schwalbe zu ihren Patienten fuhr und hochgeehrt 2008 starb.

Die Frauen, die Lemke in der Broschüre würdigt, wirkten quer durch die Epochen, gesellschaftlichen Schichten und in allen Bereichen. Frauen in der Feuerwehr? In Blankenburg wurde 1962 die erste reine Frauenlöschgruppe im Kreis gegründet. Auch das sonst männlich geprägte Amt des Türmers in Bad Tennstedt wurde zeitweilig von Frauen ausgeübt.

Käthe Franke machte als Leiterin das Archiv des Kreises Mühlhausen von 1954 bis 1978 zu einem der besten im Bezirk Erfurt – es zehrt bis heute von ihrer Arbeit. Die Kinderbewahranstalt Mühlhausen, 1828 von Julie Lutteroth gegründet, ist heute der evangelische Kindergarten Elisabeth von Thüringen.

Frauen haben Bleibendes geschaffen oder ihr Werk lebt fort. So bewahrt die Anni-Berger-Stiftung bis heute das Andenken an die einzige anerkannte deutsche Rosenzüchterin, die in Bad Langensalza lebte. Ruth Pannicke, Lyrikerin und Lehrerin in der Vogtei, hinterließ hunderte Gedichte und Texte, die im Stadtarchiv ihres letzten Wohnorts Mühlhausen lagern. Von manchen gibt es dagegen heute nur noch wenige Spuren. An Christine Spiering etwa, die 1658 als hexerische „Mäusemacherin“ in Mülverstedt verbrannt wurde, erinnert nur noch ein Gedenkstein auf dem Anger.

Das Heft habe keinen wissenschaftlichen Anspruch. Vielmehr wolle sie neugierig machen, sagt Dorothea Lemke: „Es wird zu wenig beachtet, welche Rolle die Frauen in der Geschichte spielen“. Der männliche Blick dominiere. Auch bei der Benennung von Straßen, für die die Broschüre Anregungen geben könne, oder bei Auszeichnungen kämen meist Männer zum Zug. Zwar stünden viele der Frauen auch in vorhandener Literatur, aber so geballt und kurzweilig gebe es den weiblichen Blick in die Regionalgeschichte bisher nirgends.

Das Heft soll zudem zur Identifikation der Menschen mit ihrem Landkreis beitragen. Schon seit längerem habe sie die Idee dazu gehabt, sei aber im Alltagsgeschäft nur langsam vorangekommen, weil dazu viele Gespräche, Orts- und Recherchetermine nötig gewesen seien .

Sie sei selbst überrascht gewesen, wie viele spannende und oft wenig bekannte Frauengeschichten es auch im Landkreis gebe: „Das würde noch für weitere Broschüren reichen“, sagt Dorothea Lemke.

Zu den Kommentaren