Hilfe für den Mühlhäuser Stadtwald

Mühlhausen  Nach der Fichte kommen nun Weißtanne, Esskastanie und Stieleiche. Mehrere tausend Setzlinge werden benötigt. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und ein regionales Bankhaus unterstützen den Waldumbau.

Fachdienstleiter Jörg Willner, Revierförster Peter Thoms und Sparkassenchef Christian Blechschmidt (von links) machen sich ein Bild vom Waldzustand.

Fachdienstleiter Jörg Willner, Revierförster Peter Thoms und Sparkassenchef Christian Blechschmidt (von links) machen sich ein Bild vom Waldzustand.

Foto: Alexander Volkmann

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Das vergangene Jahr war mit seiner Trockenheit und der folgenden Borkenkäfer-Invasion wegweisend für Thüringens Wälder. Die Fichtenbestände sind in weiten Teilen zunichte gemacht und auch die Buche steht nicht besonders gut da.

Noch immer konnte der Feuchtigkeitsmangel des vergangenen Jahres in den tiefen Bodenschichten nicht ausgeglichen werden. Die Folge ist ein Waldumbau, der nun schneller als geplant umgesetzt werden muss und zukünftig auf Baumarten setzt, die robuster sind und Trockenheit und Hitze eher ertragen können als die Fichte.

Auch im Mühlhäuser Stadtwald ist von den 200 Hektar Fichtenanteil nicht mehr viel übrig, sagt Jörg Willner, der Fachdienstleiter für Forst- und Landschaftspflege. „Im Stadtwald sind im letzten Jahr fast alle Fichten umgestürzt oder abgebrochen, manche vereinzelt, aber auch gruppenweise. 4000 Festmeter wurden bereits im Frühjahr aufgearbeitet und abgefahren. Das ist doppelt so viel wie in einem normalen Einschlagsjahr. Insbesondere auf dem Forstberg, am Landgraben und nördlich vom Peterhof sind die größten Verluste zu beklagen“, erzählt er.

An den Wirtschaftswegen stapeln sich die Nadelholz-Stämme. Die Kahlschlag-Flächen müssen jetzt wieder aufgeforstet werden – eine Aufgabe, die angesichts der Größenordnung die derzeitigen Kapazitäten des städtischen Forstbetriebes übersteigt.

Doch es gibt Hilfe. Die Stadt wird seit Jahren durch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) unterstützt, es finden regelmäßig gemeinsame Pflanzaktionen statt. Im Stadtwald nahe Eigenrode gab es im März bereits erstmals eine gemeinsame große Aufforstungsaktion. 44 Schüler der Regelschule „Unstruttal“ beteiligten sich anlässlich des „Internationalen Tages des Waldes“ an ei­nem Projekt zur Aufforstung.

Schutzgemeinschaft pflanzt gut 3000 Bäume

Dadurch sollen Thüringer Schüler auf das Thema Wiederbewaldung nach Schadereignissen aufmerksam gemacht und ihnen so auf praktische Art der Wald, seine nachhaltige Bewirtschaftung und die Zusammenhänge im Ökosystem Wald vermittelt werden. Mehr als 3000 Bäumchen wurden unter fachkundiger Anleitung gepflanzt.

Auch die Sparkasse Unstrut-Hainich will mit einer Aktion die Wiederaufforstung im Stadtwald unterstützen. „Ein Baum für jedes neue Girokonto“, lautet das Versprechen. Für alle ab diesem Jahr eröffneten Girokonten will die Bank je einen Baum spenden. Nachhaltigkeit sei schon länger Thema bei der Sparkasse, meint deren Vorstandsvorsitzender Christian Blechschmidt. In einer Umweltaktion pflanzten die Mitarbeiter bereits 2011 mehr als 100 Kirschbäume. Außerdem gibt es eine Mitarbeiterfibel, die praktische und leicht umzusetzende Maßnahmen für energieeffizientes und umweltbewusstes Arbeiten enthält.

„Natürlich haben uns auch die Auswirkungen des Hitzesommers 2018 bestärkt, weiter in diese Richtung zu handeln und einen nachhaltigen Beitrag vor Ort zu leisten“, sagt Blechschmidt. Mit dem Fachdienst Forst- und Landschaftspflege der Stadtverwaltung habe man mit der Idee offene Türen eingerannt. Fachdienstleiter Willner unterstützt das Projekt fachlich.

Mit etwa 3100 Hektar ist die Stadt Mühlhausen Thüringens größter kommunaler Waldbesitzer. 3100 Hektar sind etwas mehr als 3100 Fußballfelder. Bisher wurden zwischen fünf und 15 Hektar pro Jahr nachgepflanzt, das entsprach zwischen 5000 und 10.000 Setzlingen. Nun müssten es deutlich mehr sein – und nicht mehr nur partiell, sondern auf großer Fläche. Die städtische Forstverwaltung will die entstandenen Freiflächen so schnell wie möglich wieder füllen, um eine stabilere und an das Klima und den Standort besser angepasste Waldgeneration als die bisherige Fichtenmonokultur zu etablieren. Esskastanie, Weißtanne und Stieleiche nennt Revierleiter Peter Thoms. „Die kommen mit Wärme und Trockenheit relativ gut klar.“ Die Eiche wurzelt tief, Esskastanie und Weißtanne kommen aus südlicheren Gefilden.

Mit der vorgesehenen Pflanzaktion können zwei ehemals mit Fichten bestockte Flächen wieder aufgeforstet werden. Begonnen werden soll am Waldstück „Am Ziegenfraß“ auf einer Fläche von einem Hektar. Der Sparkassenchef schätzt, dass zwischen 1500 und 2000 neue Bäume gepflanzt werden können. „Unsere Kunden leisten damit einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz“, so Blechschmidt.

Erste Pflanzaktion für Herbst vorgesehen

Im Herbst dieses Jahres soll die erste Pflanzaktion am Stadtwald stattfinden. Kunden können dann ihren Setzling selbst in die Erde bringen, wenn sie möchten. Die Bäumchen sollen durch einen Zaun um die Fläche sowie mit Wuchshülsen geschützt werden. „Etwa 80 bis 90 Prozent der Bäumchen kommen durch, wenn das Wetter mitspielt“, meint Förster Peter Thoms.

Der hat übrigens noch einen Tipp für Besitzer von Holzheizungen und Kaminen: Die Fichte sei derzeit als Brennholz zum halben Preis der Buche zu haben und habe einen Heizwert von 70 Prozent von Buche. „Wer rechnen kann, merkt, dass sich das lohnt.“ Thoms verweist auf viele andere Regionen in Deutschland, wo fast ausschließlich mit Nadelholz geheizt werde. Dass die Buche hier traditionell so beliebt sei, habe damit zu tun, dass sie hier heimisch ist.

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