Holzverkauf bringt Mühlhausen 150.000 Euro weniger ein

Mühlhausen  Gefällt wird 80 Prozent dessen, was im Jahr nachwächst. Der Risikobaum Fichte stellt nur einen geringen Anteil im Stadtwald

Krank und gesund nebeneinander – der Stadtwald und die Parkanlagen in Mühlhausen bieten mancherorts einen traurigen Anblick.

Krank und gesund nebeneinander – der Stadtwald und die Parkanlagen in Mühlhausen bieten mancherorts einen traurigen Anblick.

Foto: Daniel Volkmann

Rund 150.000 Euro weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre erlöst die Stadt Mühlhausen in diesem Jahr aus dem Holzverkauf im Stadtwald. Der Grund dafür ist die große Trockenheit.

Wie Holger Neid, der Fachbereichsleiter für Grün- und Verkehrsflächen bei der Stadtverwaltung, in der Antwort auf eine Anfrage der Fraktion Grüne/Linke im Stadtrat sagte, werde 2019 durch zurückgehende Holzpreise und den zusammengebrochenen Absatz von Nadelholz weit weniger erlöst als in den Vorjahren.

Zwischen 2009 und 2018 seien 161.000 Festmeter Holz im Wald geschlagen und vermarktet worden. Die Menge resultiert aus einem Stadtratsbeschluss, in dem es heißt: 80 Prozent des tatsächlichen Jahreszuwachses könnten geerntet werden.

Dieser Wert ist laut Holger Neid leicht unterboten worden. Im vergangenen Jahrzehnt sei – bis auf das Jahr 2009 – jährlich ein positiver Betriebsertrag erwirtschaftet und an die Stadtkasse abgeführt worden. Bei Gesamteinnahmen von rund 9,8 Millionen Euro und Gesamtausgaben von 8,3 Millionen flossen so aus der Waldbewirtschaftung rund 1,5 Millionen Euro Reinerlös in den Mühlhäuser Haushalt.

„Die Schäden sind lokal sehr unterschiedlich, abhängig vom Boden, vom Relief und von der Wasserverfügbarkeit im Untergrund, von den Baumarten, den Mischungsanteilen und der Begründungsart“, so Holger Neid.

Wie sich die Waldschäden entwickeln, das sei nicht vorhersehbar und hänge vom Witterungsverlauf ab. „Bei ausreichenden Winterniederschlägen und einem nicht so trockenen Sommer im kommenden Jahr wird davon ausgegangen, dass sich die Bäume erholen. Bei einem dritten Trockenjahr in Folge und einem weiterhin nicht durchfeuchteten Boden ist mit weiteren Schäden zu rechnen.“ Holger Neid spricht von einer bisher nicht dagewesen Situation.

Am stärksten betroffen sind die Fichten, die durch den Wassermangel den Borkenkäfern keine Gegenwehr mehr leisten konnten und bereits fast zur Hälfte abgestorben sind. „Glücklicherweise ist der Fichtenanteil im Stadtwald mit acht Prozent relativ gering. Für diese Baumart besteht in Nordthüringen keine günstige Prognose, es ist mit weiteren gravierenden Ausfällen zu rechnen.“

Erstmals traten in diesem Sommer gravierende Trockenschäden bei Buchen auf (unsere Zeitung vom 18. September), die sich in verzögertem Austrieb, kleineren Blättern, lichten Kronen bis zum kompletten Absterben von Altbuchen äußerten. Je trockener die Standorte, umso mehr Buchen sind abgestorben. Was den Stadtwald angeht, seien es derzeit fünf Prozent. Als Sekundärschaden werden immer öfter Buchenrinden-Nekrosen beobachtet, die ebenfalls dazu führen, dass die Bäume zu schlechten Preisen zu verkaufen sind.

Für 2020 ist mit einem weiteren Ertragsrückgang zu rechnen, weil der Holzmarkt in ganz Europa von Schadholz überschwemmt wird. Gleichzeitig steigen die Kosten für die Verkehrssicherungspflicht. Der Holzeinschlag wird sich also vorrangig auf die Bergung des geschädigten Holzes aller Baumarten konzentrieren und sich an den Absatzmöglichkeiten orientieren. Ein großer Teil des abgestorbenen Holzes wird laut Neid aber in den Beständen liegen bleiben und stellt einen betriebswirtschaftlichen Vermögensverlust dar.

Stadtbäume seien nicht kränker als in den vergangenen Jahren, meint Neid. „Diese Bäume sind durch ihren Standort ohnehin dauerhaft unnatürlichem Stress ausgesetzt.“ Stressfaktoren sind ein dauerhaft verminderter und verdichteter Wurzelraum, Wasserdefizit, Wärmestrahlung, wiederholte bautechnisch bedingte Störungen durch Leitungen und Aufgrabungen, Versiegelung, Streusalzeintrag, Abgase, Verunreinigungen, Beschädigungen sowie zunehmend Parasiten.

„Wegen der im Mühlhäuser Stadtgebiet bestehenden Altersstruktur der Stadtbäume erhöhen sich die Aufwendungen für die Baumpflege und Bestandssicherung kontinuierlich.“

Neu-, Ersatz- und Nachpflanzungen werden immer wichtiger, die Bäume müssen betreut werden bis zum sicheren Anwachsen, danach folgt die „Unterhaltungspflege“ zum langfristigen Erhalt. Seit 2010 seien etwa 800 Bäume im Stadtgebiet gepflanzt worden. Um die Kosten dafür zu stemmen, werden Patenschaften und Sponsoring immer wichtiger. Zu einem wesentlichen Partner sei die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald geworden.

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