Mühlhausen: 200 Bäume auf dem Friedhof sind nicht zu retten

Mühlhausen  Die Schäden durch Trockenheit und Käferfraß in Mühlhausen weiten sich aus. Die Eingangsallee auf dem Friedhof ist ebenfalls betroffen. Ab Donnerstag beginnen Fällungen im Stadtwald.

Peter Weiland ist in Mühlhausen der oberste Stadtgärtner. Er weiß: Weitere 150 Nadelbäume werden auf dem Neuen Friedhof gefällt. Sie haben die Trockenheit und den Angriff der Borkenkäfer nicht verkraftet. Bereits im Sommer wurden 50 Bäume gefällt.

Peter Weiland ist in Mühlhausen der oberste Stadtgärtner. Er weiß: Weitere 150 Nadelbäume werden auf dem Neuen Friedhof gefällt. Sie haben die Trockenheit und den Angriff der Borkenkäfer nicht verkraftet. Bereits im Sommer wurden 50 Bäume gefällt.

Foto: Daniel Volkmann

Der Schaden ist größer als noch vor einem Vierteljahr angenommen. 50 Nadelbäume, die auf dem Mühlhäuser Friedhof durch Borkenkäfer und Trockenheit starben, sind bereits gefällt. Weitere 150 sind in den letzten Wochen vertrocknet. Damit hat in etwa jeder zehnte Nadelbaum das Jahr nicht überlebt, sagt Peter Weiland, der Leiter der Stadtgärtnerei. Wie schnell die Bäume sterben, überrascht ihn. Innerhalb von zwei Wochen ändert sich das Bild, wird aus Grün Braun.

Nicht jeder tote Baum wird umgesägt

Auf dem Mühlhäuser Friedhof seien ausnahmslos alle Fichtenbestände betroffen. Die Schäden finden sich nicht nur, wie im Sommer bilanziert, im Grüngürtel. Betroffen ist auch der repräsentative Eingang, die Allee zur Friedhofskapelle.

Die säumen etwa 30 Serbische Fichten, die mit ihrem hängenden Wuchs ein markantes Bild zeichnen. Sieben von ihnen sind bereits vom Borkenkäfer befallen. Auch sie leiden unter der Trockenheit und den hohen Temperaturen der vergangenen Jahre. In den vergangenen Wochen wurde das Grün ihrer Nadeln stumpfer. Das Wasserdefizit hat dazu geführt, dass sich die Bäume nicht mehr gegen den Schädling zur Wehr setzen können. Um zu verhindern, dass der Borkenkäferbefall weiter um sich greift, werden die betroffenen Bäume noch im September gefällt und abtransportiert. Geplant ist, an der Eingangsallee wieder neu zu pflanzen.

Schlank wachsende Bäume gesucht

Was dort aber gepflanzt wird, das sei noch nicht entschieden, sagt Jörg Willner, Fachdienstleiter für Forst und Landschaftspflege. Man müsse die Aspekte des Denkmalschutzes, unter denen der Friedhof steht, ebenso betrachten wie ökologische und wirtschaftliche Aspekte. Man werde sich umsehen nach schlank wachsenden Bäumen, die einen ähnlichen Blick wie bisher ermöglichen. Ob dort erneut Nadelbäume wachsen, oder ob Laubbäume den Weg säumen, das sei noch nicht entschieden.

Die 50 vertrockneten Bäume im Grüngürtel, die nur in Ausnahmefällen ersetzt werden, seien mittlerweile gefällt. Keine leichte Aufgabe, zu der die Stadtverwaltung die Hilfe von Spezialfirmen, selbst von Baumkletterern benötigte. Denn Grabfelder können nicht befahren werden. Willner erwartet: „Die Kosten für die Verkehrssicherung für Mühlhausen werden in diesem Jahr explodieren.“

Dazu tragen auch die Fällungen bei, die ab Donnerstag im Kringel an der Bundesstraße zwischen Mühlhausen und Eigenrieden anstehen. Auch dort ist der Zustand der Fichten miserabel. Auch Buchen sind trocken. Zwei Tage sind für die Fällungen angesetzt, man werde dabei versuchen, die Bäume „nach hinten wegzuziehen“, das heißt: Die Fällungen sollen den Verkehr auf der Bundesstraße möglichst wenig beeinträchtigen. „Alles, was eine Säge halten kann“, so Willner, werde aus dem Bereich Grün- und Verkehrsflächen der Stadtverwaltung in die Arbeiten integriert.

Trotz der zahlreichen Fällungen sollen im Stadtwald aber nicht mehr Bäume fallen als in anderen Jahren auch – 5 Kubikmeter pro Hektar sollen entnommen werden.

Tote Bäume an Wegen kommen zuerst dran

Zuerst würden Bäume in jenen Bereichen gefällt, für die der Stadt die Verkehrssicherheitspflicht obliegt – das heißt an Straßen und an privaten Grundstücken. Dennoch ist laut Willner die Sicherheit der Bäume an den am stärksten frequentierten Wanderwegen überprüft worden.

André Pompe vom Fachbereich für Grün- und Verkehrsflächen, weist dennoch darauf hin: Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr. Genauso wie das Betreten des Rieseninger Parks. Dort ist mindestens jede zehnte Buche abgestorben. Sie zu fällen, das genieße derzeit aber keine Priorität.

Auch der Einsatz von Feuerwehrleuten werde nicht in Betracht gezogen. Die übten zwar letztes Jahr am Rieseninger das Bäumefällen. „Dabei ging es aber um das Fällen gesunder Bäume. Kranke Bäume können nur Fachleute fällen“, sagt Willner. Denn es sei nicht vorhersehbar, wohin ein kranker Baum umstürzt.

Nicht jeder abgestorbene Baum wird aus Stadtwald und Rieseninger Park entfernt. Viele sollen stehenbleiben. „Tote Bäume gehören zum Ökosystem. Wir werden viel mehr Licht in den Wald bekommen, eine neue Waldgeneration und Insekten, die im und mit dem Totholz leben“, sagt Willner.

Hitze und Trockenheit zum Trotz haben sich die 400 Jungbäume im Stadtgebiet gut entwickelt. Laut Pompe wolle man sie künftig nicht mehr nur drei Jahre lang bewässern, sondern fünf. „98 Prozent der Jungbäume kommen durch; den größten Schaden haben wir nicht durch Trockenheit, sondern durch Vandalismus“, sagt Weiland.

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