Nach schwerem Unfall: „Es wird nichts mehr so, wie es mal war“

Heyerode  Das Leben der Peterseims aus Heyerode ändert sich in einer Sekunde: Ein Autofahrer kann die Spur nicht halten und fährt in den Gegenverkehr.

Maria-Anna und Horst Peterseim betrachten ein Bild von ihrer Rettungsaktion. An den Unfall haben sie bis heute keine Erinnerung.

Maria-Anna und Horst Peterseim betrachten ein Bild von ihrer Rettungsaktion. An den Unfall haben sie bis heute keine Erinnerung.

Foto: Daniel Volkmann

Nur noch mal schnell zum Tanken fahren. Das wollen Maria-Anna Peterseim, die im Dorf alle nur Marianne nennen, und ihr Mann Horst am 23. September des vergangenen Jahres. Erst ein halbes Jahr später, es ist mittlerweile Anfang März, kommt das Ehepaar aus Heyerode wieder nach Hause.

Es war im September auf dem Rückweg, in der Nähe von Felchta. Das Ehepaar wird in einen schweren Unfall verwickelt. Ein junger Mann im Gegenverkehr hat die Spur nicht halten können und ist frontal in das Auto der Heyeröder gekracht. Sie erleiden, wie auch der damals 21-jährige Unfallverursacher schwere Verletzungen.

Marianne Peterseim liegt acht Wochen lang in den Krankenhäusern in Eschwege und in Göttingen, sechs Wochen davon im Koma. An den Unfallhergang hat sie, die eine Woche zuvor 70 geworden war, genauso wenig Erinnerungen wie ihr Mann. „Ich muss im Krankenhaus in Eschwege immer wieder gesagt haben: ‚Wir müssen den Zahnarzttermin absagen, wir müssen den Termin absagen‘“, berichtet er von dieser Zeit.

Zahlreiche Brüche und eine Hirnblutung

Der Termin ist ein Zahnarztbesuch in Beuren im Landkreis Eichsfeld. Damit für die Fahrt der Tank voll ist, nur dafür sind sie am Abend vorher nach Mühlhausen zum Tanken gefahren. „Wir tanken immer dort, also kam für uns auch nicht infrage, es am nächsten Morgen auf dem Weg nach Beuren unterwegs zu erledigen“, sagt Horst Peterseim (67). Er ist an jenem 23. September der Beifahrer, seine Frau sitzt am Steuer.

Erst durch den Anruf des Eschweger Krankenhauses in der Zahnarztpraxis erfährt die Familie der Peterseims vom Unfall; die Schwiegertochter arbeitet dort.

Der Unfall trennt das Paar. Sie wird in Göttingen versorgt, er in Eisenach. Ende Oktober, zu ihrem 49. Hochzeitstag, sehen und sprechen sie sich erstmals wieder. Der Ehemann wird im Rollstuhl in das Krankenzimmer seiner Frau gefahren.

Die beiden Söhne und deren Familien pendeln die ganzen Zeit zwischen den Krankenhäusern – ein Leben zwischen Elternbesuchen, der eigenen Familie und der Arbeit.

Immer wieder geht es um Operationen der Eltern. Vor allem bei der Mutter müssen zahlreiche Brüche versorgt werden – Schulterblatt, 21 Rippen, Hand, Becken, Kniescheibe …

Dem Vater geht es kaum besser. Die Schulter ist lädiert, das Becken, der Darm, dazu eine Hirnblutung. Die braucht aber nicht operiert zu werden.

Dank an Rettungskräfte, Ärzte und Pfleger

„Es wird nichts mehr so, wie es mal war“, sagt Marianne Peterseim. Noch immer bereitet ihr das Laufen Probleme. Noch immer kann sie nicht über Kopf hantieren. Kürzlich waren die Fensterputzer im Haus. „Das erste Mal, dass ich das nicht selber gemacht habe; aber es geht nicht mehr.“

Es seien ihr eiserner Wille und ihre gute Konstitution gewesen, die sie haben überleben lassen. Das sagen ihr die Ärzte – und das weiß sie auch selbst.

„Ich habe größte Hochachtung vor den Ärzten und den Pflegern. Alle Technik nützt nichts, wenn sie nicht mit Herz dabei sind und ihr Handwerk beherrschen.“ In den Dank bezieht sie auch die Rettungskräfte ein. Die Feuerwehren aus Oberdorla, Niederdorla, Langula und aus Mühlhausen sind an jenem 23. September alarmiert worden. Sie mussten die Peterseims aus ihrem Auto befreien.

Ende Juni bekamen sie ihr neues Auto, dasselbe Modell wie jenes, in dem sie in den Unfall verwickelt wurden. Dass es ein stabiles Fahrzeug war, das hat sie wohl vor noch schwereren Verletzungen bewahrt.

Horst Peterseim sitzt bereits seit Anfang März wieder am Steuer, seitdem das Paar von seinem Reha-Aufenthalt in Bad Liebenstein zurück in Heyerode ist. Das Leben musste weitergehen. Fahrten zu Ärzten und zu Physiotherapeuten waren nötig. Die Gedanken ‚Was ist, wenn der im Gegenverkehr plötzlich auf meine Spur kommt‘, den kann er noch immer nicht ausblenden.

Auch Marianne Peterseim hat inzwischen ihre ersten Fahrkilometer hinter sich. „Schon in den ersten Stunden im Krankenhaus in Eschwege habe ich sofort nach meinem Führerschein geschaut, als sie mir meine persönlichen Sachen gebracht haben.“ Wieder Auto fahren zu können ist ihr wichtig.

Der Unfallverursacher wurde vor dem Amtsgericht zu 80 Tagessätzen á 10 Euro verurteilt. Drogen und Alkohol habe er vor dem Unfall nicht konsumiert. Was ihn derart abgelenkt hat, dass er die Kontrolle über seinen BMW verlor, das werden die Peterseims aber wohl nie erfahren.

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