Nach zwölf Jahren im Amt tritt Jürgen Gött nicht mehr zur Bürgermeisterwahl an

Ammern  Wahl 2019: Zehn Millionen Euro wurden in zwölf Jahren in der Gemeinde Ammern investiert. Zwei Kandidaten bewerben sich am 27. Oktober um die Nachfolge.

Jürgen Gött ist seit 2007 Bürgermeister in Unstruttal. Ende Oktober wird sein Nachfolger gewählt. Es gibt zwei Bewerber. Nächste Woche entscheidet der Wahlausausschuss über ihre Zulassung. 

Jürgen Gött ist seit 2007 Bürgermeister in Unstruttal. Ende Oktober wird sein Nachfolger gewählt. Es gibt zwei Bewerber. Nächste Woche entscheidet der Wahlausausschuss über ihre Zulassung. 

Foto: Claudia Bachmann

Unstruttal bekommt einen neuen Bürgermeister. Der Amtsinhaber, Jürgen Gött (63), tritt nicht noch einmal an. Um seine Nachfolge ringen am 27. Oktober zwei parteilose Bewerber: Marco Fongern aus Reiser und Michael Hartung aus Ammern stellen sich der Wahl. Der Kämmerer der Gemeinde wird von der Bürgerinitiative Ammern 90 ins Rennen geschickt, die mit Mario Vockrodt auch den amtierenden Ortsbürgermeister von Ammern stellt. Fongern, langjähriger Chef des Brauhauses zum Löwen in Mühlhausen, tritt für die SPD an. War die Kandidatur von Hartung erwartet worden, so kam die Bewerbung von Fongern eher überraschend.

Der Horsmarer Gött amtierte zwölf Jahre. Die Bilanz des Bürgermeisters ohne Parteibuch fällt positiv aus. „Ich gehe zufrieden nach Hause.“ Er habe 2007 eine funktionierende Verwaltung übernommen. Das habe den Start erleichtert. Heute sei man „personell und finanziell gut aufgestellt“. „Als ich vor zwölf Jahren hier angefangen habe, war ich so ziemlich der Jüngste, mittlerweile bin ich der Älteste.“ Nur zwei Mitarbeiterinnen des Jahres 2007 seien noch im Dienst, alles andere: seien jüngere Leute.

Gemeinde will in drei Jahren schuldenfrei sein

Er sei immer gern Bürgermeister gewesen, sagt Gött und verweist auf das, was in seiner Amtszeit geschaffen wurde. 10 Millionen Euro wurden in Unstruttal investiert, „dabei waren wir immer darauf bedacht, alle Ortsteile einzubeziehen“. Trotz der Investitionen sei es gelungen, Schulden abzubauen. 2007 seien es 3,5 Millionen Euro gewesen, aktuell 700.000, „und 2021 wird Unstruttal schuldenfrei sein.“

Gött, der bis Ende November im Amt sein wird, verbucht es als Erfolg, dass die Gemeinde nie auf eine Bedarfszuweisung angewiesen war und man auch nie einen Kredit brauchte, um seine Pläne umzusetzen. Dennoch: „Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger.“

Auch wenn sich Jürgen Gött in der Debatte um die Gebietsreform stets vehement gegen eine Eingliederung nach Mühlhausen und für die Selbstständigkeit ausgesprochen hat, ist er Realist genug, um zu wissen: Auf Dauer werden die Dörfer der 1995 gegründeten Gemeinde Unstruttal finanziell nicht alleine klarkommen. „Was die privaten und wirtschaftlichen Beziehungen unserer Menschen angeht, so führt der Weg nach Mühlhausen.“

Die wichtigste Aufgabe der kommenden Jahre werde es sein, das Geschaffene zu erhalten. Es gehe darum, der sich ändernden Einwohnerstruktur und der sinkenden Einwohnerzahl entgegenzuwirken. In ausnahmslos allen Orten würde die Zahl zurückgehen. „Selbst in Ammern, wo es nicht eine freie Wohnung gibt.“ Bauplätze gebe es in der gesamten Gemeinde Unstruttal nicht.

Viel Geld nötig für den Gemeindewald

Der neue Bürgermeister soll Anfang 2020 den Haushalt in den Rat einbringen. „Er wird aber nicht umhin kommen, viel Geld für den Gemeindewald einzustellen“, weiß Gött. Etwa 100.000 Euro werde es brauchen, um die von Trockenheit und Borkenkäfer betroffenen Bäume zu fällen und anschließend nachzupflanzen.

Eine „erhebliche Summe“ werde in den nächsten Jahren auch die Pflege von Gewässern zweiter Ordnung verschlingen. Die habe man in den vergangenen Jahren eher vernachlässigt: „Anderes war wichtiger.“

Zum Beispiel der Ausbau des Radwegenetzes und die Sanierung der Kindergärten in Horsmar und Ammern. Mehr als eine Million Euro ist in beide Häuser geflossen. „Ein zentraler Neubau wäre uns letztlich wohl billiger gekommen“, sagt Bürgermeister Gött. Und er hätte wohl auch Diskussionen erspart. Spielende Kinder sind mitten im Dorf nicht immer gut gelitten. Das trifft nicht nur auf den Kindergarten in Ammern zu, sondern auch auf den neuen dortigen Spielplatz.

Die Kindergärten sind auch in diesem Jahr Investitionsschwerpunkt. 250.000 Euro fließen in den Brandschutz des Hauses in Horsmar und die Umgestaltung des Eingangs in den Kindergarten in Ammern. 90 Prozent davon trägt aber der Bund über ein Förderprogramm. Als Erfolg verbucht er, dass es gelang,, Baurecht für einen neuen Lebensmitteldiscounter in Ammern zu schaffen. „Wir haben fünf Jahre lang darum gekämpft.“ Noch in diesem Monat sollen die Arbeiten beginnen, der Discounter soll im Herbst 2020 öffnen.

Gött bleibt Kreistagsabgeordneter für die SPD. Langeweile in seinem Ruhestand befürchtet er nicht. „Um meinen Tagesablauf mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist.“

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