Turm von Sankt Ulrich in Weberstedt ist wieder vollständig

Weberstedt  Die vergoldete Kugel wird am Samstag auf die Spitze der Kirche gesetzt. Von der Absicht, auch ein Mobiltelefon darin zu verwahren, wird Abstand genommen. Ein Jahr hat die Sanierung des Gotteshauses gedauert.

Viele Weberstedter beobachteten die Krönung ihres Kirchturms.

Viele Weberstedter beobachteten die Krönung ihres Kirchturms.

Foto: Friedemann Mertin

Exakt ein Jahr dauerten die Bauarbeiten am Turm der Kirche Sankt Ulrich in Weberstedt. Am 21. September 2018 begann die Sanierung der Turmspitze. Am vergangenen Samstag, 21. September, wurde die Turmkugel wieder an ihren angestammten Platz gesetzt. Mit einem Fest feierte die Kirchengemeinde die geglückten Reparaturarbeiten.

Dabei zeige ein Blick in die Vergangenheit, dass es sogar schneller gehen kann. 1913 fing der Turm durch einen Blitzeinschlag Feuer und brannte nieder. Der Wiederaufbau begann im Mai. Im Oktober stand der Turm wieder. Daran erinnerte am Samstag Heiko Lange. „Trotz all unserer modernen Technik haben wir länger gebraucht“, sagte er.

Dies war nicht als Kritik an den Baufirmen oder den anderen Beteiligten gemeint, eher als Hinweis, der zu denken geben sollte. Denn zugleich dürfe man nicht ausblenden, unter welchen Bedingungen die Arbeiten damals ausgeführt worden seien. Letztlich sei es der Zusammenhalt der Menschen gewesen, der die Reparatur möglich gemacht habe – damals wie heute, sagte Heiko Lange.

Der Blick in die Vergangenheit zog sich wie ein roter Faden durch den Festakt. Immerhin steht dieser Turm, oder genauer: ein Kirchturm seit bald 500 Jahren in Weberstedt und ist damit ein steinerner Zeuge des Lebens in dem Dorf.

„1522 wurde in Weberstedt die Kirche errichtet. Seit fast einem halben Jahrtausend steht sie hier. Wenn wir unserem Kirchturm Fragen stellen könnten, hätte er wohl einiges zu berichten. Er steht für die Geschichte, in die alle Weberstedter verwoben sind“, sagte Pfarrerin Annett Seeber.

Zeitungsartikel, Münzen und Fotos in der Kugel

Sie verglich den Kirchturm mit der Präsenz Gottes, der die Geschicke der Menschen im Ort begleitet. Er stehe nicht nur für die Vergangenheit, sondern gehe durch die Zeit und weise darüber hinaus.

Vergangenes ist es auch, womit traditionell die Zeitkapseln im Innern vieler Kirchturmknöpfe gefüllt werden. Als die Weberstedter Turmkugel abgenommen wurde, fanden sich darin Dokumente über die letzte Sanierung Mitte der 1980er-Jahre und Münzen aus der DDR-Zeit. „Ältere Gegenstände waren wegen des Brandes nicht mehr vorhanden. Wir haben Bilddokumente von den jetzigen Bauarbeiten, D-Mark und Euro-Münzen, eine Ortschronik und Zeitungsartikel hineingelegt“, verriet Heiko Lange. Kurz sei auch erwogen worden, ein Handy mit hinauf zu schicken, um zur nächsten Sanierung – die alle 30 bis 40 Jahre stattfinden dürfte – ein Kuriosum zu finden. Doch dürften mehrere Jahrzehnte Lagerung in einer Metallkugel bei winterlichem Frost und Sommerhitze dem Gerät den Rest geben. Daher wäre es letztlich unbrauchbar,

Mehrere Monate war der Weberstedter Kirchturm eingerüstet. Zuletzt war alles oberhalb der Laterne demontiert. „Im Januar 2018 hat der Sturm Friederike einige Teile der Schieferabdeckung weggerissen. Als der Schaden begutachtet wurde, fiel auf, dass die Holzkonstruktion der Turmspitze fault, die Balken waren morsch. Zudem saß der Turmknopf mit der Fahne schief“ , berichtete Heiko Lange bei einer Baustellenbegehung Anfang August im Gespräch mit dieser Zeitung.

Turmzwiebel wurde neu gezimmert

Knopf und Fahne wurden in Gräfentonna von der Firma Sichtig und Benesch wieder hergerichtet. Um die Holzkonstruktion der Turmspitze kümmerte sich das Unternehmen Denkmalplan aus Körner. Die Zimmerleute ersetzten unter anderem den Kaiserstiel, also jenen Balken, auf dem der Turmknopf ruht. Auch die sogenannten Schweifsparren wurden ausgetauscht. Acht Stück dieser flügelförmigen Bretter bilden gemeinsam die klassische Zwiebelform der Turmspitze.

„Auch dort ist Feuchtigkeit eingedrungen, das Holz ist nass geworden, die Nägel lockerten sich und fielen raus“ , beschrieb der Zimmerer Enrico Schulz vor einigen Wochen das Problem.

Das Aufsetzen der golden leuchtenden Turmkugel wurde am Samstag von vielen Weberstedtern begleitet und mit Fotos und Videos dokumentiert.

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