Über Hornochsen und Ost-Erfahrungen: Langensalzaer Talkshow mit Gysi, Mohring und „junger Ärztin“

Bad Langensalza  Die elfte Ausgabe der Talkshow „Krause höchstpersönlich“ in Bad Langensalza legte den Fokus auf 30 Jahre Mauerfall.

In der Talkshow „Krause höchstpersönlich“ von Hardy Krause (Mitte) waren der CDU-Politiker Mike Mohring (links), die Schauspielerin Sanam Afrashteh (2. von links) sowie der Rechtsanwalt Gregor Gysi (2. von rechts) und die Handballerin Emily Bölk (rechts) zu Gast.

In der Talkshow „Krause höchstpersönlich“ von Hardy Krause (Mitte) waren der CDU-Politiker Mike Mohring (links), die Schauspielerin Sanam Afrashteh (2. von links) sowie der Rechtsanwalt Gregor Gysi (2. von rechts) und die Handballerin Emily Bölk (rechts) zu Gast.

Foto: Reiner Schmalzl

Dass Geschichten klug und differenziert erzählt werden mögen, wünscht sich Sanam Afrashteh, die in der ARD-Fernsehserie „Die jungen Ärzte“ die Rolle von Doktor Leyla Sherbaz spielt. Alles finde in der Serie statt, ohne vordergründig wichtig zu sein. Darauf verwies die deutsche Schauspielerin iranischer Herkunft am Freitagabend als Stargast der Talkshow „Krause höchstpersönlich“ mit Moderator und Sportlehrer Hardy Krause vor über 400 Besuchern im Kultur- und Kongresszentrum in Bad Langensalza. Allerdings sei das gesellschaftliche Miteinander inzwischen so komplex und heikel und werde nicht immer gut gehändelt, schränkte die 42-Jährige ein.

„Ein Stück leiden wir auch darunter, dass wird die Diskussionsfreudigkeit verloren haben. Uns fehlt so das Brückenbauen in der Gesellschaft“, bedauerte Mike Mohring, der CDU-Spitzenkandidat für die Thüringer Landtagswahl im Oktober. Als Mitbegründer des Neuen Forums im Wendeherbst 1989 in Apolda sehne er sich nach der Aufbruchsstimmung, die damals unter einer Mehrzahl von Menschen geherrscht hätte.

Sechs Punkte, die der Einheit geholfen hätten

Dazu applaudierte das Publikum ebenso, als Gregor Gysi, Ex-Fraktionschef der Linksfraktion im Bundestag, aus seiner Sicht kritische Punkte innerhalb des deutschen Einigungsprozesses anführte. „Wenn man sechs Sachen von der DDR übernommen hätte, wäre das Selbstbewusstsein im Osten gestiegen, und es hätte sich in sechs Punkten die Lebensqualität der Westdeutschen verbessert.“

Mike Mohring wiederum erinnerte an das Leiden der aus dem einstigen DDR-Grenzgebiet Zwangsausgesiedelten. Diejenigen, die wirklich in die Opfersituation hineingeraten seien, würden es bleiben.

Für die in Berlin wohnende und zu den Dreharbeiten nach Erfurt pendelnde Sanam Afrashteh habe der Mauerfall allerdings erst im Rückblick Bedeutung bekommen. Denn die erste Berührung mit dem Osten hatte sie im Jahr 1997, als sie ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig begann.

Erst mit 16, 17 Jahren und dann in Leipzig habe die inzwischen sehr erfolgreiche Schauspielerin und Synchronsprecherin gespürt, „was in diesem Land passiert und dass wir so wenig voneinander wussten“. Man müsse sich unbedingt gegenseitig kennenlernen, um zu wissen, dass man zusammengehöre, ergänzte Mohring.

Klare Worte würde Gysi immer an die Adresse von Flüchtlingen richten: „Ihr dürft niemals die Kultur unseres Landes einschränken. Aber der Versuch der Erweiterung ist zulässig.“ Wieder gab es zustimmenden Applaus. Einig war sich die Runde darin, als er erklärte, dass die Antwort nicht die AfD sein könne. So hat der charismatische Gysi auf seine ehrliche, authentische und amüsante Weise über weite Strecken die dreieinhalbstündige, aber sehr kurzweilige Talkrunde geprägt.

Auf die Frage des Moderators, ob ihm nun Unstrut-Hainich oder Eichsfeld lieber wären, plädierte Gregor Gysi klar für das Eichsfeld. Und dies, obwohl er dort zunächst immer am schlechtesten behandelt worden sei.

Weil er dort seinen „schwierigsten Anerkennungsprozess“ hatte, stimme er für das Eichsfeld. Schließlich habe er als gelernter Facharbeiter für Rinderzucht die besten Voraussetzungen gehabt, um in die Politik zu gehen und meinte lakonisch: „Ich konnte ausmisten, melken -- und damit Steuern eintreiben –, künstlich besamen und mit Hornochsen umgehen.“

Als Überraschungsgast der elften Ausgabe seiner beliebten Talkshow konnte Hardy Krause im Laufe des Abends dann noch Emily Bölk vom Thüringer Handball-Club begrüßen. Die 21-Jährige stieß im Vorjahr vom Buxtehuder SV zum THC und ist als Hoffnungsträgerin sehr gespannt auf die Rieth-Sporthalle in Erfurt und auf die neue Salza-Halle.

Neben dem Fokus auf die Bundesliga und den Pokal, träumt Emily nun davon, am 15. Dezember bei der Handball-WM in Japan mit auf dem obersten Treppchen stehen zu können.

Passen musste die Handballerin jedoch bei der Frage, welcher Thüringer Radsportler kürzlich seinen Rücktritt verkündet hatte. Marcel Kittel scheint demnach unbemerkt an der Handballerin vorbei gesprintet zu sein. Dass sie selber wenig versteht von dem, was sie sagt, gab Sanam Afrashteh für ihre Rolle als Serien-Ärztin schmunzelnd zu. Und wenn sie auf der Straße oder in der Bahn erkannt würde, werde sie auch nichts Medizinisches gefragt. Warum? „Weil das Publikum schlau ist!“

Passend musikalisch aufgeheitert wurden Hardy Krauses Gäste diesmal von dere Band „Die Vierzylinder“ in der Besetzung Thomas Seifert, Fred Lindner und Andreas Deiseroth. Sie stimmten gleichzeitig auf die nächste Talkshow am 1. November ein.

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