Unstrut-Hainich-Kreis: Krank meist wegen Rücken und Knie

Landkreis  Krankenstand unter den Versicherten der DAK im Unstrut-Hainich-Kreis steigt und liegt über dem Landesschnitt. Andere Kassen melden ähnliches

Der Krankenstand im Kreis steigt und das überwiegend wegen Problemen mit Knie und Rücken.

Der Krankenstand im Kreis steigt und das überwiegend wegen Problemen mit Knie und Rücken.

Foto: Maurizio Gambarini

Schäden an den Bandscheiben, Rückenschmerzen, Knieprobleme und andere Erkrankungen am Muskel-Skelett-System führten im vergangenen Jahr zu den meisten Fehltagen im Unstrut-Hainich-Kreis. Mehr als jeder fünfte Krankheitstag wurde dadurch verursacht. Das geht aus dem Gesundheitsreport 2019 der Krankenkasse DAK hervor.

In der Liste folgen danach Atemwegserkrankungen wie Erkältungen, Bronchitis oder Mandelentzündungen sowie Verletzungen, etwa durch Unfälle, und psychische Erkrankungen (siehe Tabelle).

Dieser Report bezieht sich nur auf die Versicherten dieser Kasse. Diese schätzt Jörn Sola, Regional-Chef in Mühlhausen, also auf etwa 7000-8000 Menschen. Gemeinsam mit dem Eichsfeldkreis seien es dan schon 10.000 Versicherte.

Doch die Erkenntnisse der Krankenversicherung decken sich zum großen Teil mit Statistiken anderer Krankenkassen für diese Region. So führten auch unter den Versicherten der AOK Erkrankungen an Muskeln und Skelett zu den meisten Fehltagen, gefolgt von Atemwegsproblemen, psychischen Leiden und Verletzungen. Auch eine Studie der Barmer, die im September vorgestellt wurde, verweist auf seelische Leiden, Atemwegserkrankungen und Rückenprobleme als Hauptursachen für Fehltage (diese Zeitung berichtete am 5. September).

Diese Reihenfolge der häufigsten Krankheitsarten im Unstrut-Hainich-Kreis entspricht der Rangfolge auf Landesebene.

Demografie schlägt sich in Statistik nieder

Der DAK-Report liefert weitere Zahlen. Auffällig ist, dass Fehltage aufgrund von Verletzungen im Vergleich zu 2017 um mehr als die Hälfte zugenommen haben. Damit sind Verstauchungen, Verrenkungen, Schnittwunden sowie alle Arten von Unfällen gemeint. „Das ist ein statistischer Ausreißer. Es hatten nicht mehr Menschen im Unstrut-Hainich-Kreis Unfälle. Die Fallzahlen haben sich nicht erhöht. Aber einige laborierten länger an schweren Verletzungen und produzierten so mehr Fehltage“, erklärt Jörn Sola.

Dass psychische Erkrankungen wie schon seit Jahren weiter unter den häufigsten Krankheitsarten rangieren, hängt laut Jörn Sola auch damit zusammen, dass Ärzte mittlerweile „diagnosefreudiger“ sind als in der Vergangenheit. Ob es hierzulande tatsächlich mehr Menschen mit psychischen Leiden gibt als früher, sei aus den Statistiken nicht zweifelsfrei abzulesen. Fakt sei, dass Ärzte psychische Erkrankungen häufiger dokumentierten als früher. Dazu zählen unter anderem Depressionen, Neurosen und Angststörungen.

Bezogen auf die generelle Gesundheit der Arbeitnehmer im Unstrut-Hainich-Kreis gibt es laut dem Report eine deutliche Tendenz: Der Krankenstand nimmt zu. 2018 lag dieser unter den Versicherten bei sechs Prozent. Das sind 0,7 Prozentpunkte mehr als 2017. Die Zahl bedeutet, dass an jedem Arbeitstag im Unstrut-Hainich-Kreis sechs von 100 Angestellten krankheitsbedingt fehlten.

Die Fehltage im Landkreis liegen leicht über dem Landesschnitt von 5,3 Prozent und deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 4,2 Prozent. Dass der Krankenstand hier höher ist als in anderen Teilen Deutschlands, bestätigt auch die Barmer. In ihrer Studie wurde festgestellt, dass der Unstrut-Hainich-Kreis im Jahr 2018 zu den drei Landkreisen in Deutschland gehörte, bei denen Barmer-Versicherte am meisten krankheitsbedingt fehlten.

Pressesprecher Patrick Krug ordnete die Zahlen beim Gespräch mit dieser Zeitung im September in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang ein: Noch immer gebe es deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Demnach arbeiteten die Menschen in Thüringen je Arbeitnehmer jährlich 75 Stunden mehr als jene in den alten Bundesländern. Das seien rund zwei Arbeitswochen mehr also. In den alten Bundesländern arbeiten rund acht Prozent der Beschäftigten 40 Stunden die Woche, in den neuen 40 Prozent.

Jörn Sola sagt dazu, dass die erwerbstätigen Menschen im Unstrut-Hainich-Kreis durchschnittlich älter seien. Damit steige das Risiko für gesundheitliche Probleme. Generell seien ländliche Regionen vom demografischen Wandel und dessen Auswirkungen stärker betroffen. In den großen Städten mit mehr jungen Erwerbstätigen lag der Krankenstand 2018 laut DAK unter fünf Prozent.

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