Zwischen Grubenhäusern und Grabstätten

Ammern  Bis Ende August graben Archäologen bei Ammern an der geplanten Ortsumfahrung. Wir haben den Experten über die Schulter geschaut.

Viele Skelette (hier der Umriss eines Schädels) wurden durch Feldpflug oder auf dem Feld eingesetzte Chemie stark beschädigt.

Viele Skelette (hier der Umriss eines Schädels) wurden durch Feldpflug oder auf dem Feld eingesetzte Chemie stark beschädigt.

Foto: Daniel Volkmann

Die Schaufel des Baggers gleitet behutsam über die Erde. Schicht für Schicht trägt Baggerfahrer Rainer Etzel den Mutterboden ab. Archäologin Katrin Züfle steht ein paar Meter entfernt und sucht die Erde nach Auffälligkeiten ab. An welchen Stellen hat die Erde eine andere Farbe, wo liegen vielleicht mehrere Tonscherben? Das alles können Indizien sein, dass im Boden Relikte vergangener Zeit liegen.

Sobald Züfle etwas entdeckt, muss der Bagger noch präziser arbeiten. Nicht mehr als zehn Zentimeter dick darf die Schicht dann sein, die abgetragen wird. Seit etwa zwei Jahren graben die Archäologen entlang der geplanten Umgehungsstraße bei Ammern.

Baggerfahrer Etzel hat bereits acht Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den Archäologen. Er wird regelmäßig vom archäologischen Landesamt samt Bagger „gemietet“. Die Grabungen unterscheiden sich grundsätzlich zu dem, was er gelernt hat. „Bei Abrissarbeiten kann man mit der Schaufel richtig drauf hauen. Hier geht es aber um Fingerspitzengefühl.“

„Da ist etwas“, ruft Katrin Züfle und deutet auf eine Stelle vor dem Bagger. Der Boden ist etwas dunkler als der drumherum. Die Grabungsleiterin hebt einige Gegenstände auf, die auf den ersten Blick wie Steine aussehen. Nachdem Züfle die Erde abgewischt hat, ist erkennbar, dass es Scherben sind.

Züfle freut sich über diesen Fund. Denn die Scherben – vermutlich von zerbrochenen Aufbewahrungsgefäßen – verraten ihr, dass es sich um eine etwa 4000 Jahre alte Siedlungsgrube aus der Bronzezeit handeln könnte. „Aus dieser Epoche haben wir vor allem Gräber gefunden, nur wenig Siedlungsreste.“ Bevor die Grube allerdings ausgehoben werden kann, muss der Umriss der Fundstelle Zentimeter für Zentimeter vermessen und fotografiert werden.

Etwa 300 Meter vom Bagger entfernt arbeitet Grabungshelferin Manuela Komma an einer weiteren Fundstelle. Deren Umrisse wurden bereits dokumentiert. Komma teilt die nicht allzu große Stelle zunächst mit einem gelben Band in zwei Hälften. Dann lockert sie mit einer Kelle die Erde, durchsucht sie und schmeißt sie dann in einen Eimer. „Das ist wohl auch ein Grab“, sagt Komma. Das erkenne sie an der wannenartigen Form.

Damit später rekonstruiert werden kann, wie die Grube vor 4000 Jahren angelegt wurde, wird zunächst nur eine Hälfte freigelegt. Erst wenn das Profil gezeichnet, fotografiert und beschrieben ist, wird die zweite Hälfte ausgehoben.

„Da ist er ja“, ruft Heiko Radewald, der an einer Fundstelle gegenüber arbeitet. Schnell nimmt er Pinsel und Holzstab zur Hand und legt gelblich schimmernde Knochen frei. „Sieht aus wie ein Oberschenkel“, meint der Grabungshelfer. Gut erhalten, aber recht klein. Daraus schließt Radewald, dass das wohl ein Kind gewesen sein muss.

Dass die Knochen so gut erhalten sind, ist keine Selbstverständlichkeit. Viele wurden durch die Feldbewirtschaftung stark beschädigt. Über 30 Gräber haben die Archäologen bei Ammern schon gefunden. Die meisten Skelette lagen bisher in einfachen Erdgräbern. Aber auch zwei Steinkammern waren dabei. Beerdigt wurden die Menschen vor 4000 Jahren fast immer gleich: Angehockt, auf der Seite liegend – den Kopf immer nach Süden ausgerichtet. „Warum so bestattet wurde, wissen wir leider nicht“, sagt Radewald.

Grabungshelfer Mario Röhner ist mit den Arbeiten an einem Grubenhaus, etwa zehn Meter von den Gräbern entfernt, fast fertig. Mit einem Spaten kratzt er auf dem Boden der Grube. „Hier wird die Erde härter und auch wieder heller“, ruft er seinen Kollegen zu. Das bedeutet, dass der Boden erreicht ist, auf dem die Menschen vor etwa 2000 Jahren arbeiteten und schliefen.

Die Grubenhäuser aus der Eisenzeit waren wannenförmig, bis zu zwei Meter tief in die Erde eingelassen und mit einem flachen Dach bedeckt. Neben Wohnhäusern fanden die Forscher eine alte Schmiede, erzählt Grabungsleiterin Katrin Züfle. Dort waren Reste eines Ofens erhalten. Auch Ascheablagerungen und Metallfunde haben die Archäologen gefunden. Gaben die Menschen ihre Häuser auf, schütteten sie sie häufig mit Schlachtabfällen und Keramikresten zu.

Zwischen Grubenhäusern und Grabstätten

Ausstellung

Besondere Fundstücke werden im Kulturhistorischen Museum in Mühlhausen am Kristanplatz gezeigt.

Die Ausstellung wird am Tag des offenen Denkmals, 8. September, eröffnet.

Die Ausstellung kann bis zum 22. September besucht werden, dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr.

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