Eichsfelder Spaßband Kinkerlitzchen erzählt von Auftritt bei ARD-Show „Immer wieder sonntags“

Eichsfeld  Die beiden Musiker haben ihre erste CD im Handel und berichten von einem spektakulären Wochenende mit Fernsehauftritt im Europa-Park Rust.

Die Kinkerlitzchen sind für jeden Blödsinn zu haben.

Foto: Eckhard Jüngel

Die Eichsfelder Band Kinkerlitzchen hat zwei Markenzeichen: Sie hat Niels Thüne, der so herrlich doof gucken kann, und sie ist für jeden Blödsinn zu haben. Darauf sind Heiko Lendeckel und besagter Niels Thüne auch ein bisschen stolz.

Da juckt es sie kein bisschen, dass sie für eine nur eine Minute und 30 Sekunden dauernde Aktion mal schnell für Gieboldehausen im Untereichsfeld herhalten müssen und für die gleiche Aktion zwei Nächte mehr oder weniger auf Schlaf verzichten, dafür aber insgesamt 2000 Kilometer mit dem Auto schrubben. Aber von vorn...

Die Kinkerlitzchen sind seit einigen Jahren mit ihrer an Tiroler Bergstuben erinnernden Wirtshaus-Musik auf den hiesigen Bühnen unterwegs, unternehmen ab und an eine Welttournee durchs Eichsfeld.

Vor rund zwei Wochen erhielt Heiko Lendeckel, Sänger und Bandleader, kurz aufeinanderfolgend zwei Anrufe. Für die nächste Livesendung der ARD-Show „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross wurde mit einem Dartpfeil beim Deutschlandbingo auf die Karte geworfen. Der Pfeil landete in Gieboldehausen. Immer da, wo der Dartpfeil landet, wird eine Band gesucht, die bei der Show auftreten darf, die aber auch ins Konzept passen muss. Nur rund um Gieboldehausen im Untereichsfeld gab es nichts. „Oder es wollte keiner, ich weiß es nicht“, hebt Heiko Lendeckel die Arme. Die Verantwortlichen der Sendung telefonierten sich bis in die Heiligenstädter Tourist-Information durch. Von dort erhielten sie den Tipp: „Versucht‘s mal bei den Kinkerlitzchen.“

Für Heiko Lendeckel war sofort klar: „Untereichsfeld, Obereichsfeld, papperlapapp! Wir sind ein Eichsfeld. Natürlich kommen wir“, sagte er. Als kurz darauf noch mal das Telefon klingelte und eine andere Redakteurin dran war und sie fragte, ob sie zur Show kommen wollen, war Heiko Lendeckel erstmal verwundert. Dann fiel der Groschen. Sie hatte parallel ebenfalls nach einer Band im Internet gesucht. „Macht euch keine Sorgen, geht klar.“

2000 Kilometer für eine Minute und 30 Sekunden

Der Anruf kam am Donnerstag. „Die Proben waren schon am Samstag, die Livesendung am Sonntag“, erzählt Heiko Lendeckel. Sie hatten nur Zeit für ein Lied in der Sendung. Sie wählten den Titelsong ihrer gerade frisch aus dem Presswerk angekommenen CD „Landleben“. Dafür musste aber der Text schnell auf Gieboldehausen umgeschrieben und das ganze Ding noch auf eine Minute und 30 Sekunden gekürzt werden. Sofort musste Matthias Müller aus den Brehmer Sunrock Studios ran, der mit den Kinkerlitzchen die CD produzierte. Er musste fix noch eine Sequenz für den Live-Auftritt produzieren. „Zwischen zwei wichtigen Reisen war das der einzige Tag, an dem ich überhaupt da war“, sagt Müller mit einem Lächeln. „Tja..“

Das nächste Problem war, dass am besagten Samstagabend noch ein Auftritt der Band im südeichsfeldischen Diedorf geplant war. Den wollte man aber auf keinen Fall absagen. „Das macht man einfach nicht“, sagt Heiko Lendeckel. Er und Niels Thüne warfen sich in ihre Krachlederne und dann ins Auto und düsten am Freitag hinunter zum Europa-Park Rust kurz vor Freiburg im Breisgau – 500 Kilometer eine Strecke. Am Samstag absolvierten sie die Probe, rannten zum Auto und jagten zurück ins Eichsfeld, um pünktlich in Diedorf zu sein. Mitten in der Nacht, nach dem Auftritt, ging es direkt wieder auf die Autobahn zurück zum Europa-Park, um rechtzeitig bei der Livesendung zu sein. Erschöpft, aber glücklich waren die beiden am Abend wieder daheim.

„Es hat Spaß gemacht, das mal zu erleben“, sagt Niels Thüne. Vor allem, als sich hinterher herausstellte, dass viele Eichsfelder davon Wind gekriegt hatten und Sonntagvormittag vor dem Fernseher saßen. Mit den Kinkerlitzchen waren unter anderem Maite Kelly und Cathy Kelly, Ben Zucker, die Zillertaler, Mara Kayser und Comedian Ingo Oschmann in der Maske und auf der Bühne.

Matthias Müller erinnert sich, dass er selbst gerade die Band anrufen wollte, als ihn der Hilferuf ereilte. Auch er hatte eine große Neuigkeit zu verkünden. Innerhalb nur weniger Tage nach der Veröffentlichung zweier Songs der fertigen CD schossen beide in einschlägigen Internet-Hitlisten nicht nur in die Top 100, sondern sogar in die Top 30. Der Titelsong Landleben schaffte es auf die 30, „Jeder liebt sein Weib“ auf Platz 29. „Das ist richtig gut“, sagt Müller.

Die Kinkerlitzchen bleiben nach der ersten großen Freude gelassen. Das sei einfach ein schöner Lohn für ein Dreivierteljahr Arbeit an der ersten CD. Lange hatten sie über die Songauswahl beraten, was kommt drauf, was nicht. 15 Stücke sind es geworden. „Ich habe schon während der Aufnahmen gesagt, dass für mich diese Musik schon ein bisschen Rock‘n‘Roll ist“, sagt Müller. „Wir haben in die Produktion auch guten Aufwand gelegt.“ Zum Beispiel musste Heiko Lendeckels Sohn Henrik mit ran. „Der spielt unter anderem ein hervorragendes Rock-Schlagzeug“, ist Müller begeistert. „Auch Salsa-Rhythmen sind mit drin.“ Sogar eine Tuba kam zum Einsatz. „Das war für mich auch recht neu. Ich musste mich erst einmal belesen, wie man im Studio eine Tuba richtig mikrofoniert.“ Nicht zuletzt musste zudem noch ein zünftiges Waschbrett mit Mikrofonen versehen werden. „Wir haben richtig viel gelacht.“

„Das Wichtigste bei der Arbeit an dem Album aber war, dass das Markante der Texte nicht ins Seichte abgleitet“, sagt Heiko Lendeckel. „Wir müssen auch nüchtern dahinter stehen.“ Denn Wirtshausmusik ist lustig, kann auch derb sein, aber immer mit einer Nuance Spott und Humor. Matthias Müller hat alle Liebe nicht nur in die Produktion und die Aufnahmen der Songs gelegt, sondern auch ins Erscheinungsbild des Albums. Im Inlay gibt es die Texte der 15 Lieder zum Mitsingen, gespickt mit Fotos der Kinkerlitzchen, bei denen Niels Thüne erneut beweist, wie doof er gucken kann. Und die CD selbst ist wie eine alte Vinylschallplatte gestaltet; selbst die Abspiel-Seite ist schwarz. „Es hat einfach Spaß gemacht, von Anfang an“, sagen Band und Produzent.

Zu haben ist die Kinkerlitzchen- CD „Landleben“ beim Verkehrsverband Heiligenstadt im Bürgerbüro, bei Expert Herfag in Leinefelde und bei Amazon. Sie kostet 15 Euro. Natürlich gibt es die Songs auch in den einschlägigen Musikportalen zum Download.

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