Alte Buchen sterben im Wald rund um die Wartburg

Eisenach  Lange Dürreperioden sind schuld. Bäume müssen wegen der Sicherheit der Besucher gefällt werden.

Der große Fällkran vom Thüringenforst ist im Einsatz an der Auffahrt zur Wartburg. Dort drohen, abgestorbene Bäume auf die Straße zu fallen. Die Bäume werden von oben abgesägt und stückweise abgetragen. In zwei Minuten ist selbst das größte Exemplar kurz und klein.

Foto: Birgit Schellbach

„Das Bild um die Wartburg wird sich dramatisch verändern“, sagt Revierleiter Stefan Wichmann voraus. Er und seine Fachkollegen von der Wartburg-Stiftung haben in nur wenigen Wochen zusehen müssen, wie stattliche Buchen absterben. Die Kronen verlieren ihre Blätter, an den Stämmen platzt die Rinde auf, Schädlinge dringen in diese Wunden ein.

Doch nicht nur Buchen sind betroffen. „Wir erleben ein Absterben in fast allen Baumarten“, sagt Wichmann. Schuld daran ist die lange Dürreperiode im letzten Sommer. In diesem Jahr hat es zwar im Mai stark geregnet, aber der Juni war auch schon wieder sehr trocken. Und selbst wenn es regnet, durchnässt es nur obere Schichten, das Grundwasser aber steigt nicht. Vor allem die alten Buchen brauchen Wasser, und sie sind es, die jetzt den Geist aufgeben. Während die jungen, in ihren Schatten aufwachsenden Bäume die Wasserknappheit verkraften. Noch. Der Revierleiter hofft, dass dies so bleibt.

Aber die kranken Bäume drohen, auf die Straße zu fallen, die als Zufahrt zur Wartburg dient, etwa an der Eselstation, wo die Mitarbeiter der Verkehrssicherung von Thüringenforst und weitere Waldarbeiter am Dienstag im Einsatz sind. Auch an den Parkplätzen neigen sich einige Bäume gefährlich. Aus Gründen der Verkehrssicherheit müssen diese gefällt werden.

Thüringenforst setzt einen 50-Tonner-Autokran ein. An diesen ist ein Ausleger mit Fällkopf angebaut. Bis zu 24 Meter weit reicht der Arm. Der Baum wird von oben nach unten durchsägt, Stück für Stück. Die Zange umgreift das abgesägte Teil und legt es in den Wald zurück. Keine zwei Minuten dauert es, und eine stattliche Buche liegt zerschnitten um. Sie wird verrotten und den Nährboden für neue Pflanzen- und Tierarten zu bilden. Das Holz wird nicht kommerziell verwertet.

Eventuell, wenn sich die Besucher am Anblick der vielen gefällten Stämme stören sollten, könnten Brennholzwerber eine Chance bekommen und Holz für den eigenen Gebrauch aufarbeiten. Aber das ist eine Entscheidung, die seitens der Warburg-Stiftung als Eigentümer getroffen werden muss. Diese beteiligt sich freiwillig an der Stilllegung ihres Waldes zur forstlichen Nutzung.

Auf der anderen Seite: Die Kosten für den Einsatz des Fällkrans waren bisher nicht im Budget eingeplant. Niemand hat geahnt, dass es so schlimm werden wird. Eigentlich ist Wichmann nur zweimal im Jahr auf Baumschau im Wartburgrevier. Doch in den letzten Wochen ist die Zahl der Gefahrenbäume an Straßen und Plätzen so schnell gestiegen, dass er permanent kontrolliert. Jeden Tag kommen neue Fälle hinzu. Zu Beginn der Arbeiten ist der Revierleiter noch von 200 Festmetern ausgegangen. Doch es ist deutlich mehr geworden. Auch am Mittwoch wird der Fällkran noch einmal im Einsatz sein – die Besucher der Wartburg müssen mit zeitweisen Sperrungen rechnen. Im Wald selber bleiben die sterbende Bäume stehen – der Wanderer sollte sich der Gefahr durch herabfallende Äste bewusst sein. „Die Äste brechen wie Glas“, beschreibt der Revierleiter. Er spricht von einer „Katastrophe“. Seit anderthalb Jahren würden sich die Forstleute im Ausnahmezustand befinden. Erst der Sturm Friederike, dann die Borkenkäfer-Plage. Waren zunächst hauptsächlich Fichten betroffen, so sind es jetzt Buchen. Und Buchen sind für den Wald der Wartburg prägend.

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