Eisenacher Altenpflege wappnet sich gegen Virus

Eisenach.  Die Eisenacher Altenpflege-Mitarbeiter gehen Schutz mit Struktur, Kreativität und Selbstinitiative an.

Die Pflegerinnen und ihre Chefin zeigen den selbst gebauten Gesichtsschutz (von links) Cornelia Weißenborn, Annette Seyferth (Leiterin), Silvia Habrecht, Jessica Schönzart.

Die Pflegerinnen und ihre Chefin zeigen den selbst gebauten Gesichtsschutz (von links) Cornelia Weißenborn, Annette Seyferth (Leiterin), Silvia Habrecht, Jessica Schönzart.

Foto: Jensen Zlotowicz

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Die Mitarbeiterinnen des Pflegedienstes von Schwester Annette in der Wohngemeinschaft in Madelungen haben freilich Angst, sagt Annette Seyferth. Angst, sich selbst und damit Patienten mit dem Corona-Virus anzustecken. Das treibt Beschäftigte in allen Pflegeeinrichtungen um. Seit geraumer Zeit dürfen Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie betreuten Wohngemeinschaften keinen Besuch im Haus empfangen. Das ist für alle Seiten eine Entbehrung. Das Team in Madelungen hat seinen Senioren eine Video-Funktion via Handy eingerichtet. Überhaupt erfordert die Situation in der Pflege enorme Kräfte, und Kreativität, fügte Annette Seyferth hinzu. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Zum Schutz ihres Pflegepersonals hat die Chefin eine Anregung aus dem Internet aufgenommen. Im Baumarkt kaufte sie das Material für den Bau von Plexiglas-Schutzmasken, die das Gesicht abschirmen. Gewerkelt haben die Fahrer des Pflegedienstes, für die es wegen der Regelungen kaum Arbeit gibt.

Um einen möglichen Übertragungsweg auszuschalten, lässt die Einrichtung in Madelungen das Essen auf Rädern vorerst pausieren. Nun wird in der Küche der verwaisten Tagespflege für die Bewohner gekocht. Eine Mitarbeiterin, sagt Annette Seyferth, gehe darin auf. Ein Essen, statt Wahlessen.

Das Virus nur nicht ins Haus lassen, dann nämlich wird es schwierig, weiß auch Clemens Roschka, Leiter der Pflegeeinrichtung St. Elisabeth in Eisenach. Die konventionellen Schutzmittel für die Mitarbeiter reichten noch einige Tage, dennoch habe man Initiative ergriffen. Im Umfeld der Mitarbeiter würde Mundschutz selber genäht. Das tut man auch bei Schwester Annette mit speziellem Filterstoff zwischen zwei herkömmlichen Mundschützern. Schutzkittel sind derzeit nicht zu bekommen. In Madelungen behilft man sich mit Regencapes.

Bei St. Elisabeth hat man einen Platz im Freien für Treffen mit Angehörigen abgesperrt. Mindestabstand zwei Meter, lautet dort die strikte Anweisung. Zudem gibt es seit Donnerstag die Möglichkeit für Heimbewohner, ihre Angehörigen per Videokonferenz zu sehen und sprechen. Kontakte, sagt Clemens Roschka, sind wichtig und müssen ermöglicht werden.

Auch in den Einrichtungen des Arbeiter-Samariter-Bundes steht die Prävention im Vordergrund, um das Infektionsrisiko zu mindern. Innerbetriebliche Abläufe würden unter dieser Maßgabe verändert, sagt Geschäftsführer Torsten Junge. Einen Mundschutz können die Mitarbeiter wohl nutzen, aber es seien nicht so viele vorrätig, dass das Tragen täglich möglich sei. „Die Bestellung ist raus, in 14 Tagen soll geliefert werden, allerdings ohne Garantie“, sagt der Südthüringen-Geschäftsführer.

Auf Lieferung wartet Mirko Richter aus der Geschäftsleitung des Pflege-Netzwerkes St. Annen seit Wochen. Zum Glück hatte er vor der Corona-Krise die Lager mit Schutz- und Desinfektionsmittel noch einmal aufgefüllt. Kontakt zu Heimbewohnern ist bei St. Annen derzeit ausschließlich telefonisch möglich. Richter, seit Januar, im Birkholz-Unternehmen tätig, will keinerlei Risiko hinsichtlich des Virus eingehen. Eine Ausnahme gibt es bei der Verabschiedung von Angehörigen im Sterbefall. Dafür werden Angehörigen in Vollschutz gehüllt, um an das Sterbebett treten zu können.

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