Auch in der Krise auf den ersten Arbeitsmarkt

Eisenach.  Eigens eingerichtete Beratungsräume machen auch persönliche Termine im Jobcenter in Ausnahmefällen wieder möglich.

Auch in der Krise setzt sich der Trend fort, dass die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Eisenacher Jobcenter sinkt.

Auch in der Krise setzt sich der Trend fort, dass die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Eisenacher Jobcenter sinkt.

Foto: Grafik: Jobcenter Eisenach/Andreas Wetzel

Was nach Corona kommt, wenn die Landes- und Bundeshilfen für die Firmen und die derzeit geltenden Kurzarbeiterregelungen auslaufen, darüber will Roland Mahler, Chef des Eisenacher Jobcenters nicht spekulieren. Im Moment blickt er auf aus seiner Sicht beherrschbare Entwicklungen in der Zuständigkeit des Jobcenters. Zwar ist die Zahl der Menschen, die in Eisenach vom Jobcenter unterstützt werden, im Vergleich zum Vorjahr um etwa zwei Prozent auf 3910 angestiegen, aber die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist weiter leicht gesunken.

1146 Einzelpersonen und 1993 Bedarfsgemeinschaften mit mehreren Personen gibt es in Eisenach. Mahler: „Dies ist für mich der Beweis, dass alle anderen Hilfen gut ankommen und wirken.“

Was Mahler positiv empfindet ist, dass auch im Krisenjahr 2020 die Zahl der Menschen, die vorher Leistungen des Jobcenters erhielten und dann eine Arbeit aufnahmen, mit 453 weiter auf hohem Niveau liegt. „Dies sind etwa ein Viertel weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, aber mit Blick auf herrschenden krisenhaften Rahmenbedingungen halte ich die Menge der Arbeitsaufnahmen für bemerkenswert. Allein im Oktober fingen 55 Kunden des Jobcenters wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt an, zur Mitte des Novembers sind bereits wieder knapp 40“.

Dies zeige nicht nur, dass der Arbeitsmarkt in der Region in der Krise weiter sehr aufnahmefähig sei und dass im Jobcenter auch in der Vermittlung sehr gute Arbeit geleistet werde. „Es bestätigt für mich zudem, dass die vielfach verbreiteten Vorurteile gegenüber den Jobcenter-Kunden völlig an der Realität vorbeigehen. Das sind Menschen, die arbeiten wollen und ihre Chancen nutzen – auch in der Krise“, so Mahler.

Diese Arbeitsaufnahmen erfolgen zum Teil über Zeitarbeit in ganz unterschiedlichen Berufen, jedoch auch direkt in Unternehmen in der Industrie, im Handwerk, der Pflege und im Handel. Das reicht von Lagerwirtschaft über Qualitätskontrolle, Montierer, Gabelstaplerfahrer, Metallbauer, Textilverarbeitung bis zu Maschinenreinigung, Zimmerer, Stellen im Gastgewerbe, Reinigung, Pflegehelfer, Verkauf, Büro, Hausmeister, Kraftfahrer, einer Lehrkraft und Zimmermädchen, Fliesenleger, Polsterer, Schweißer und mehr.

Zudem sei es gelungen, dass knapp 70 Prozent aller geplanten Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die dabei helfen sollen, die Menschen wieder auf den ersten Arbeitsmarkt zu bringen, trotz Corona stattgefunden hätten. „Da haben die Bildungsträger professionell gearbeitet und sich ganz viel einfallen lassen, entweder virtuell oder telefonisch oder auf noch anderem Wege. Das ist auf hohem Niveau weitergelaufen“, so Mahler.

Eines funktioniere, so Mahler, trotz der besonderen Situation gut – der Kontakt zwischen Jobcenter und Jobcenter-Kunden. Im ersten Lockdown war das Haus komplett geschlossen, persönliche Termine nicht möglich. Das hat sich wieder geändert, aber nicht wie vor dem Lockdown. Vieles läuft über Anrufe, Mail, Briefe oder die Online-Möglichkeiten, die das Jobcenter (www.jobcenter-eisenach@jobcenter.de oder www.jobcenter.digital) mittlerweile bietet.

„Bis zu 40 Prozent aller Veränderungsmitteilungen etwa laufen bei uns digital. Damit liegen wir ziemlich weit vorn im Vergleich der Jobcenter“, freut sich Roland Mahler.

Die neue Eingangshalle des Jobcentergebäudes liegt allerdings weiterhin verwaist da. Es gibt nun eine Art Pförtnersystem. An einem Seitenfenster kann sich der Jobcenter-Kunde bei einem Mitarbeiter (Kombination aus Pförtner und Sicherheitsdienst) melden, der die Frage, das Problem, den Wunsch aufnimmt und an die entsprechenden Mitarbeiter im Haus weitergibt. „Der Kunde kann dann wieder nach Hause gehen und erhält binnen eines Tages einen Rückruf oder einen persönlichen Termin.“

In ganz dringenden Fällen wie sozialen Notlagen, wenn für Arbeitsaufnahmen Bescheinigungen schnell benötigt werden oder bei Aufnahme von Weiterbildungsmaßnahmen für Neukunden oder bei telefonischen Kommunikationsproblemen sind auch persönliche Beratungsgespräche möglich. Dafür sind nun fünf Beratungsräume im Erdgeschoss für Kunden aus der Stadt Eisenach und dem Nordkreis eingerichtet mit Spuckschutz und allem, was heute so dazu gehört.

Der Kunde betritt natürlich mit Maske das Gebäude, dort wird Fieber gemessen, werden die Daten aufgenommen und er wird in das Beratungszimmer geführt. „Wer seine Maske vergessen hat, bekommt eine von uns“, so Mahler. Auf dem Platz im Beratungsraum angekommen, darf die Maske abgenommen werden. Der Rest des großen Jobcenter-Gebäudes ist für Nichtmitarbeiter tabu.

Aber auch die 64 Mitarbeiter sind nicht mehr vollzählig am Arbeitsplatz in der Thälmannstraße. Aus allen Teams ist jeweils mindestens ein Drittel im mobilen Arbeiten zu Hause, schon um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren und so alle Bereiche immer arbeitsfähig zu erhalten. Es gibt ausreichend Masken für die Mitarbeiter, auch die speziellen FFP-2-Masken. Roland Mahler: „Wir haben die Verantwortung für unsere Mitarbeiter und gleichzeitig die Verantwortung für unsere Kunden, die ihnen zustehenden Leistungen auch sicher und pünktlich bereit zu stellen.“