Breitensport in Eisenach braucht Greifbares

Eisenach  Vereine erhöhen mit Forderungskatalog Druck auf Eisenacher Verwaltung und Rat, die Zustände in den Sporthallen schnell zu verbessern

Die Werner-Aßmann-Halle steht am Sportkomplex „Katzenaue“.

Die Werner-Aßmann-Halle steht am Sportkomplex „Katzenaue“.

Foto: Norman Meißner

„Das ist keine Kriegserklärung, sonder ein lauter Weckruf in Richtung Verwaltung und das Versprechen, dass wir Sportvereine uns auch weiter deutlich für unsere berechtigten Interessen einsetzen werden“. Volker Schrader, ist nicht nur Chef von Eintracht Eisenach, sondern auch der Vorsitzende des Kreissportbundes (KSB). 27 der 43 Vereine haben den vom KSB erstellten Forderungs-Katalog unterschrieben und streiten gegenüber Verwaltung und Stadtrat damit im Namen von 5339 Sportlern für bessere Trainings- und Wettkampfbedingungen.

Steffi Schwartze, Trainerin beim mitgliederstärksten Eisenacher Verein, beschreibt die Situation bei der Freien Turnerschaft. „Seit Jahren wandern wir von einer Übergangslösung zur nächsten“. Und die Hallen, in denen man nun trainiere, seien zumeist nicht für die Belange des Turnsports ausgelegt. „Mittlerweile machen wir unsere Trainingslager außerhalb von Eisenach und werden auch 2020 die Thüringer Meisterschaft wieder in Wutha ausrichten müssen“.

Schwartze sieht nicht nur für den eigenen Verein die Gefahr, dass sich Sportler und Trainer nach Vereinen im Umland umschauen. „Das kann nicht im Interesse der Stadt sein, zumal dabei die Kinder und Jugendlichen auf der Strecke bleiben, die sich die Fahrten zum Training ins Umland nicht leisten können.“

Für Michael Klostermann (SPD) und Michael Schneider vom SV Wartburgstadt sind die Sorgen noch näher. „Wir können nur hoffen, dass die Versprechungen, die der Bürgermeister Uwe Möller in Bezug auf die Jahnhalle gemacht hat, auch eingehalten werden“, so Klostermann. Dort sind die Duschen und Sanitäranlagen nicht nutzbar. Nur wenn tatsächlich bis Ende Oktober die versprochenen Dusch-Container stehen, wird es auch eine befristete Ausnahmegenehmigung für den Spielbetrieb darin geben. „Wenn nicht, wäre das eine Katastrophe“, so Schneider, der dann um den weiblichen Nachwuchs-Handball des SVW fürchtet.

„Man hat manchmal das Gefühl, dass mancher den Ernst der Lage noch nicht erkannt hat“, sagt Klostermann. Das zögerliche Agieren des zuständigen Bürgermeisters, sei es in der Frage des Projektes „O1“ oder eben auch in Bezug auf die Jahnhalle, könne er nicht nachvollziehen. Die Sportvereine wenden sich deshalb mit sechs konkreten Forderungen an die Stadt, die der Kreissportbund (KSB) in einem Katalog gebündelt hat.

Zum einen fordern sie die konsequente Umsetzung der Spiel- und Sportstättenleitplanung, vor allem bei der Optimierung der Hallenbelegungszeiten sowie die Erstellung eines Finanzierungskonzept für alle Sporthallen und -räume. Kurzfristig soll die Stadt Alternativen zum Projekt „O1“ prüfen, vor allem die Sanierung/Erweiterung der Aßmannhalle und den Neubau einer Dreifelderhalle am Petersberg, die vorrangig den Ballsportarten zur Verfügung stehen sollte. Die Finanzierbarkeit des jetzigen „O1“-Projekts halten die Vereine für nicht realisierbar.

Unhaltbaren Zustand schnell ändern

Spätestens Ende Oktober soll der Stadtrat eine Grundsatzentscheidung über die Fortführung diese Projekte treffen, sonst gingen die Fördermittel verloren. Klostermann: „Dann hätten wir nach drei Jahren Planung nichts mehr.“ Die Sportstätten Palmental und Petersberg dürften in keinem Fall geschlossen werden, weil sie dringend für Training und Wettkampfbetrieb gebraucht würden. Zudem fordern die Vereine, dass die Stadt schnell die Voraussetzungen schafft, um an Fördermittel für die Erweiterung der Jahnhalle zu kommen, für den Bau des Sozialtraktes, der dann 2021 stehen sollte. Ebenso müssten die Voraussetzung geschaffen werden, um im Anschluss daran die Goethehalle zu erweitern.

Außerdem wollen die Sportler auf der Grundlage des nötigen Finanzierungskonzeptes eine „zeitlich verbindliche Investitionsplanung für die Eisenacher Sportstätten, so dass der noch vorhandene Investitionsstau spätestens nach der Fusion der Stadt Eisenach mit dem Wartburgkreis innerhalb von 5 Jahren vollständig beseitigt wird“, heißt es im Katalog

Die Stadt Eisenach verfügt derzeit über neun Turn- und Sporthallen, Sporträume sowie diverse Sondersportanlagen, wie etwa das Sportbad. Das sagt die genannte Spiel- und Sportstätten-Leitplanung aus 2018 aus. Damit weist die Stadt schon einen erheblichen Mangel an solchen Hallenflächen, der sich auf rechnerisch bezogen auf die Einwohnerzahl auf etwa 2115 Quadratmeter Hallen- und Sportraumflächen summiert. Das, so heißt es in der Planung, entspreche in etwa der Fläche einer Dreifelderhalle und einer Zweifelderhalle.

Hinzu kommt aus Sicht der Vereine, wie am aktuellen Beispiel Jahnhalle erlebbar, dass aufgrund des maroden Zustandes zahlreicher Sportstätten sogar Einschränkungen für den Wettkampfbetrieb zu verzeichnen sind. Schrader: „Einige Vereine erhalten lediglich Ausnahmegenehmigungen durch die Thüringer Sportfachverbände mit der Aussicht, den Spielbetrieb einstellen zu müssen, insofern keine dringend notwendigen Sanierungen vorgenommen werden. Dies ist ein unhaltbarer Zustand, der schnellstmöglich geändert werden muss“.

Die Eisenacher Sportvereine stünden geschlossen hinter der Aussage „Ohne Spitzensport kein Breitensport, aber ohne Breitensport kein Spitzensport“. Es spreche nichts gegen eine erstbundesligataugliche Sporthalle, aber nicht „zum Leidwesen des Breitensports, denn dieser steht in der Stadt Eisenach ganz klar an erster Stelle und sollte auch dementsprechend behandelt werden.“

KSB-Chef Schrader hofft, das sich nun was bewegt. „Wir brauchen keine Lippenbekenntnisse mehr und keine Planungen, sondern etwas Greifbares.“

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