Creuzburg: „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen“

Amt Creuzburg.  Der Stadtrat vom Amt Creuzburg verabschiedet einstimmig Stellungnahme gegen Fortführung der Entsorgungspraxis von K+S.

Rainer Lämmerhirt (von links), Lutz Kromke und Klaus Reinhardt vor der Tafel, die der inzwischen verstorbene Matthias Salzmann vor mehr als zehn Jahren zum Thema angefertigt hatte.

Rainer Lämmerhirt (von links), Lutz Kromke und Klaus Reinhardt vor der Tafel, die der inzwischen verstorbene Matthias Salzmann vor mehr als zehn Jahren zum Thema angefertigt hatte.

Foto: Norman Meißner

„Es ist ein Kampf gegen Windmühlen – K+S ist nicht gewillt, auf technische Veränderungen einzugehen, um die Salzlast in der Werra zu verringern“, leitet der Bürgermeister des Amts Creuzburg, Rainer Lämmerhirt (UWG), zur zweiten Sitzung des neuen Stadtrats den Tagesordnungspunkt 8 ein.

Einstimmig verabschieden die stimmberechtigten Stadträte in diesem Punkt eine ablehnende Stellungnahme bezüglich einer wasserrechtlichen Erlaubnis zur Einleitung von Salzabwässern, um die das Regierungspräsidium Kassel alle Anrainerkommunen des Grenzflusses zwischen Hessen und Thüringen bittet. Der Düngemittelhersteller beantragt in Kassel, weiter unvermindert Laugenabwässer bis Ende des Jahres 2027 in die Werra spülen zu können.

„Es ist ein Spiel auf Zeit. Bisher hat K+S immer alles genehmigt bekommen – wir hatten bislang keinen Erfolg“, betont der Vorsitzende der Bürgerinitiative Für ein lebenswertes Werratal, Klaus Reinhardt, der in der Sitzung Rederecht erhielt. Seit 14 Jahren kämpft die Initiative gegen die Entsorgungspraxis des Düngemittelherstellers.

„In den zwei Stunden, die der Stadtrat tagt, fließen hier in der Werra 360 Tonnen Salz vorbei – das sind zwölf Lkw-Ladungen“, legt der Gast bei seiner Berechnung die aktuelle Fließgeschwindigkeit zugrunde. Er ärgert sich, dass an dem im Kriegsjahr 1942 festgelegten Chlorid-Wert nicht gerüttelt werde.

„Unsere Brunnen sind schon seit Anfang der 1970er Jahre versalzen“, sagt Klaus Reinhardt (Freie Wähler), erster Beigeordneter der Stadt Werra-Suhl-Tal. Neben der Laugenverpressung ins Erdreich leidet seine Heimatregion auch unter den weißen Halden. „Von den Salzbergen regnet es jährlich 3,5 Millionen Kubikmeter herab“, fährt er fort.

Eine Haldenabdeckung sei ein vages Unterfangen, ebenso der Vorschlag, den Schacht in Springen mit Salzabwässern zu fluten. Unklar sei, ob das Wasser nicht die stehengelassenen Pfeiler angreife, was zu Gebirgsschlägen führen könne. Vom Abbau verwendet K+S 15 Prozent – 85 Prozent gehen in die Werra, auf die Halde in die Höhe oder verpresst in die Unterwelt. „Die Herausforderungen für die Kommunen zur Sicherstellung sauberen Trinkwassers sind mit viel Aufwand verbunden und die Trinkwasserknappheit in Deutschland hat sich dieses Jahr an der einen oder anderen Stelle schon ergeben – wir wissen alle nicht, wer wann noch betroffen sein könnte“, gibt Stadtrat Lutz Kromke (SPD) zu bedenken. Er wirkte am Entwurf der Stellungnahme als Vizevorsitzender des Vereins der Freunde des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal mit.

„Landwirte müssen breitere Randstreifen zu Gewässern anlegen, Abwasserverbände müssen Klärschlamm verbrennen und Kleineinleiter müssen Biokläranlagen errichten, nur K+S muss nichts und darf nach Belieben alles entsorgen“, ärgert sich Kromke. Ein „weiter so“ sei nicht mehr hinnehmbar.

Salz beschleunigt Korrosionan Brückenpfeilern

Der Meinung ist auch Stadtrat Fred Leise (FDP). „Das sind Industrieabwässer, jeder andere muss seine Abwässer aufbereiten, wenn er sie in Flüsse abgeben will“, sagt er. Länger sei nicht hinzunehmen, dass K+S die Werra als Abwasserkanal benutzt. „Das ist kein Salz, das ins Wattenmeer gehört – damit ist das Unesco-Weltnaturerbe zum Tode verurteilt“, bekräftigt Leise.

Seines Wissens wollte der Düngemittelhersteller schon seit langer Zeit jährlich 300 Millionen Euro in technische Entsorgungslösungen investieren, nur Ergebnisse seien hierzulande nicht zu spüren. „An anderen K+S-Standorten, wie Kanada, Chile oder Indien sind Kalihalden komischerweise nicht zu sehen“, sagt Leise, der auch die Fischereigenossenschaft vertritt.

Das Salz sorge auch für Probleme an Brücken, so Lämmerhirt, es beschleunige Korrosion. Zudem hat er auch die FFH-Gebiete entlang der Werra im Blick.