Das fürchterliche Schicksal der Familie Ochs

Eisenach.  Serie „Stolpersteine“. Nur drei der neun Familienmitglieder aus der Eisenacher Stolzestraße überlebten den Holocaust.

Diese jüdischen Grabsteine stehen auf dem Eisenacher Hauptfriedhof.

Diese jüdischen Grabsteine stehen auf dem Eisenacher Hauptfriedhof.

Foto: Fotostudio Göpel

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Hundert Stolpersteine wurden in der Erinnerung an einstige Mitbürgerinnen und Mitbürger in Eisenach, die unter der Naziherrschaft bis 1945 verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, in den Jahren 2009 bis 2019 im Eisenacher Stadtgebiet verlegt.

Auf Initiative des Bündnisses gegen Rechts gehört Eisenach damit zur großen Zahl an deutschen Städten, in denen mit diesen Steinen des Künstlers Gunter Demnig an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird. Unsere Zeitung veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen in einer Serie die Biografien dieser Menschen. Zusammengetragen hat die Informationen der Eisenach Frank Rothe. Er hat auch die Stolpersteine fotografiert.

In der heutigen Folge geht es um das Schicksal der Familie Ochs. Karl Ochs war der Sohn von Peritz und Eleanore Ochs und wurde am 23. Februar 1877 in Eisenach geboren. Nach dem Schulbesuch erlernte Karl einen kaufmännischen Beruf und stieg im Viehhandel seines Vaters ein. Die Eltern besaßen in der Stolzestraße 5 ihr Geschäft und wohnten auch im selben Haus.

Etwa 1900 lernte Karl seine spätere Frau Mathilde kennen. Sie kam am 16. Dezember 1875 im fränkischen Egloffstein auf die Welt. Ihre Eltern waren Karl und Maria Kohnfelder. Am 11. März 1902 heirateten Karl und Mathilde in Eisenach. Schon 1903 kam ihr erstes Kind Reni auf die Welt. Weitere sechs Kinder folgten, 1904 Margarete, 1906 Elisabeth, 1911 Kurt, 1912 Marie Miriam, 1914 Fritz, und 1916 folgte Nesthäkchen Paul Hans. Im Jahr 1915 verstarb der Vater im Alter von 73 Jahren. Karl übernahm nun das väterliche Geschäft. Im April 1939 wurde Karl Ochs kurzzeitig im KZ Buchenwald interniert. Karl und Mathilde wurden am 19. September 1942 aus Eisenach über Leipzig nach Theresienstadt deportiert. Hier wurden beide im Jahr 1943 ermordet.

Das erste Kind Reni lernte nach ihrer Schul- und Ausbildungszeit Walter Katz aus Eisenach kennen und lieben. Beide heirateten in den 1920er Jahren und schon am 26. November 1928 wurde ihr gemeinsamer Sohn Alfred geboren. 1930 zog die junge Familie von Eisenach nach Bebra in das Wohn- und Geschäftshaus seines Vaters. Hier übernahm Walter auch das väterliche Unternehmen nach dessen Tod. Da die Lage der Familie immer unerträglicher wurde, zog die Familie 1939 nach Köln um in der anonymen Großstadt zu überleben. Dies erfüllte sich nicht.

Als Nummer 116 nach Belzyce in den Tod deportiert

Am 30. September 1941 wurde die gesamte Familie von Köln in das Ghetto Litzmannstadt deportiert. 1942 starb ihr Mann Walter im Alter von 46 Jahren. Am 30. Juni 1944 wurden Reni und ihr Sohn Alfred in das Vernichtungslager Kulmhof deportiert und ermordet. Reni wurde 41 Jahre alt, ihr Sohn Alfred 15 Jahre alt.

Margarete Ochs kam, ein Jahr nach Reni, am 27. Februar 1904 in Eisenach zur Welt. Für die Eltern Mathilde und Karl war Margarete das zweite Kind. Bei den Eltern in der Stolzestraße 5 wohnte Margarete und passte auch auf ihre kleinen Geschwister auf. Im Alter von 38 Jahren gehörte Margarete zum Deportationszug am 09. Mai 1942 von Eisenach nach Weimar. Am 10. Mai 1942 wurde Margarete als Nummer 116 nach Belzyce in den Tod deportiert. Sie wurde noch im selben Jahr ermordet.

Marie Ochs wurde, kurz nach Weihnachten, am 29. Dezember 1912 in Eisenach geboren. Sie war das drittjüngste Kind von Mathilde und Karl Ochs. Vermutlich im Alter von rund 20 Jahren trat Leo Oppenheim aus Bad Hersfeld ins Leben von Marie. Es war Liebe auf den ersten Blick. Am 18. August 1934 heirateten beide in Eisenach. Die beiden wohnten im nahen Bebra, wo Leo auch im elterlichen Handel für Manufakturwaren arbeitete. Im November 1938 wurde Leo im KZ Buchenwald interniert.

Marie blieb bei ihrer Schwiegermutter in Bebra. Im Frühjahr 1939 wurde Leo entlassen mit der Maßgabe das Deutsche Reich schnellstens zu verlassen. Marie und Leo´s Weg trennten sich im September 1939, Leo wanderte nach England aus und wurde später nach Australien abgeschoben. Am 30. Mai 1942 gehörte Marie zu den aus Bebra deportierten Juden mit dem Ziel Vernichtungslager Sobibor. Am 3. Juni wurde Marie ermordet.

Nur drei Kinder der Familie überlebten

Am 14. April 1914 erblickte Fritz in Eisenach die Welt. Er war der zweitjüngste in der großen Familie von Mathilde und Karl Ochs. Nach dem Schulbesuch zog es Fritz in die Hansestadt Hamburg zum Studium. Er wohnte im studentischen Quartier Grindel im Stadtteil Rothenbaum. Nach dem Verbot des Besuchs einer Universität blieb Fritz wohl nur Arbeit als Tagelöhner und/oder im Untergrund übrig.

Im September 1939 wurde Fritz verhaftet und in das KZ Sachsenhausen interniert. Ein Jahr später folgte die Verlegung in das KZ Dachau. Im Juli 1941 folgte das KZ Buchenwald. Vom KZ Buchenwald ging im Oktober 1942 die Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz. Kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges war Fritz auf einem der Todesmärsche und wurde im Januar 1945 wieder in das KZ Buchenwald verlegt und dort am 26. Januar im selben Jahr ermordet. Er wurde nur 30 Jahre alt.

Von der 9-köpfigen Familie überlebten nur drei Menschen den Holocaust. Drei Kinder konnten auswandern, Kurt nach New York, Elisabeth nach England und Paul Hans nach Argentinien.

Finanziert werden die Stolpersteine von verschiedenen Gruppen, Vereinen und zahlreichen weiteren Paten. Wer eine Patenschaft übernehmen möchte - ein Stein kostet 120 Euro - meldet sich beim Bündnis gegen Rechts: 0172/1458702.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.