Geistliches Wort für den Wartburgkreis

Das Leben geht weiter als wir denken

Pfarrer Andreas Staemmler
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Pfarrer i. R. Andreas Staemmler, Wutha-Farnroda

Pfarrer i. R. Andreas Staemmler, Wutha-Farnroda

Foto: Miriam Spittel / ZEITLOS Fotografie.

Pfarrer i.R. Andreas Staemmler über die Zeit nach Ostern

Am Ostermorgen geht eine Tür auf. Wir können sehen, was auf uns zukommt. „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde“. So heißt es in der Offenbarung des Johannes. Himmel und Erde werden neu geboren. Frisch und neu kommen sie uns entgegen. Mittendrin pulsiert das Leben. Die Welt hat ein neues Herz bekommen. Wir hören: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“

Die Stadt ist der himmlische Einfall Gottes. Hier kommen Gott und Mensch zusammen – für immer. „Siehe da, die Wohnung Gottes bei den Menschen.“ Gott wohnt gleich nebenan. Er teilt mit uns sein Leben. Wir leben an seiner Seite. Wir sind, wo wir hingehören. Wir kommen mit Gott klar und mit uns selbst und mit den Anderen. „Er wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein“. Was uns fertig machen will, hat keine Chance mehr. Der Tod hat ausgespielt.

Wer wird in der Stadt wohnen? Wer kann auf ein Leben ohne Leid und Geschrei und Tod hoffen? Wem gilt die Hoffnung vom Ostermorgen? – Sie gilt allen Menschen. Wir haben richtig gehört: Alle Menschen werden in der neuen Stadt leben dürfen. Jeder Mensch wird freien Zutritt haben.

Doch haben wir wirklich richtig gehört? Gibt es am Ende der Welt kein Gericht und kein Urteil über Gute und Böse? Gibt es nicht eine Hölle, wie man sie auf vielen Bildern mit Schaudern ansehen kann?

Die Bibel jedenfalls geht über solche Drohungen hinaus. Sie überholt die Vorstellung von einem rächenden Gott, der Menschen für immer in der Hölle schmoren lassen will. Die Hölle wird geräumt!

Denn was hören wir am Ende der Bibel? Wir hören, wie von oberster Stelle gesagt wird: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Der Himmel versteht unseren Durst nach dem wahren Leben. Als solche Durstigen werden wir hören: „Kommt zur Quelle des Lebens“. Und dann werden wir aufbrechen und das einzig Vernünftige tun: Wir werden zur Quelle des Leben gehen. Was denn sonst?

Andreas Staemmler ist Pfarrer im Ruhestand aus Wutha-Farnroda