Diako erklärt: Kindertreff in Eisenach ist nicht geschlossen

Eisenach.  Allerdings gibt es veränderte Angebote durch Corona-Pandemie. Mutter beklagt indes, dass keine regelmäßige Betreuung mehr stattfindet.

Ein altes Plakat der Sommerferien hängt in der Tür. Träger und Stadt betonen, dass es weitere Betreuungsangebote im Kindertreff gibt. 

Ein altes Plakat der Sommerferien hängt in der Tür. Träger und Stadt betonen, dass es weitere Betreuungsangebote im Kindertreff gibt. 

Foto: Katja Schmidberger

Fünf Jahre ist es her, da kämpften Fraktionen parteiübergreifend im Stadtrat erfolgreich dafür, dass der Kindertreff in Eisenach-Nord wiedereröffnet werden konnte. Der Treff war zuvor schon 16 Jahre beliebter Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche gewesen. Es gab dort nicht nur eine niederschwellige Betreuung für die Jüngsten in dem Stadtviertel, sondern auch eine Kleiderkammer und ein warmes Mittag für wenige Cent. Nach der Umwandlung des Kindertreffs in ein Begegnungszentrum verschwand der eigentliche Charakter – dagegen formierte sich Widerstand in der Politik und bei Spendern, die diesen finanziell über Jahre mit unterstützt hatten. Die Caritas als Träger zog sich zurück, die Diako Thüringen gGmbH übernahm die Räume wieder als Kindertreff.

Die Zeiten, in denen 30 bis 50 Kinder täglich hier einen Zufluchtsort fanden, sind längst vorbei. So schildert es uns eine Mutter, die sich an uns gewandt hat, weil der Kindertreff kaum noch geöffnet haben soll. Bei der Recherche sind auch wir zu verschiedenen Zeiten zum Kindertreff gefahren. Einen Vormittag saßen Büromitarbeiter hinter geschlossenen Vorhängen darin, die Tür war aber verschlossen. An anderen Tagen brannte gar kein Licht, auch nachmittags. Und am Eingang hing ein altes Plakat aus den Sommerferien, dass der Kindertreff bis auf Weiteres geschlossen ist und die Betreuung im Kinder- und Jugendclub „Nordlicht“ stattfindet.

Unsere Zeitung fragte beim Träger und der Stadt nach. Dort versicherte man, dass der Kindertreff weiter offen ist. Und schränkte zugleich ein, dass wegen der Corona-Pandemie die meisten Angebote jetzt im „Nordlicht“ oder im Freien stattfinden. Der Kindertreff selbst, erklärte Diako-Sprecherin Helene Maria Henkel, sei aufgrund der damals geltenden Verordnung nur vom 16. März bis 2. Juni komplett zu gewesen. Seit dem 3. Juni habe der Treff wieder unter Hygieneauflagen geöffnet, punktuell habe man aber Projekte mit dem „Nordlicht“ zusammengelegt. In den Sommermonaten, beschrieb Henkel, habe der Betrieb meistens auf dem Außengelände des „Nordlichts“ oder auf dem Spielplatz stattgefunden, zudem gab es Ausflüge.

Eine Mutter bleibt ratlos zurück

Die Stadt verweist auf die Wochenpläne, die aktuell veröffentlicht werden. Ebenso darauf, dass die Kinder- und Jugendarbeit in Nord sozialraumorientiert erfolge. Dies sei 2016 ein wesentliches Kriterium bei der Leistungsvergabe an die Diako gewesen. So sind Personal- und Sachkosten auf die sozialraumbezogene Kinder- und Jugendarbeit in beiden Einrichtungen abgestellt.

Bleibt am Ende die ratlose Mutter, deren Name der Redaktion bekannt ist, die aber gern anonym bleiben will. Sie selbst ist einst im Kindertreff groß geworden, ebenso wie ihre inzwischen zwölfjährige Tochter. „Sie ist ein Einzelkind und ich war damals froh, dass sie im Kindertreff Kontakt zu anderen Kindern bekam“, erzählt sie von früheren Zeiten. Jetzt gehe kaum jemand in den Kindertreff, und schon gar nichts ins „Nordlicht“. Sie beklagt, dass die vor Jahren so gut funktionierte Betreuung einfach aufgegeben wurde. „Das war wie eine große Familie. Ich war immer froh, weil ich mein Kind gut versorgt und betreut wusste.“ Jetzt sei sie nur traurig und wütend, meint sie, weil niemand genau auf die Situation hier oben schaut. Vor allem für Kleinkinder und kleinere Grundschüler gebe es im Wohngebiet nichts mehr, nicht mal einen Spielplatz. Dabei gibt es, sagt sie, viele Kinder in dem Plattenbaugebiet.