Die meisten sind „Wiederholungstäter“

Eisenach.  Ein Besuch beim Blutspendetermin beim Roten Kreuz in Eisenach.

Blutspendetermin beim DRK: Christin Bauer ist nicht zum ersten Mal Blutspenderin, hier gibt es gerade den kleinen Pieks mit der Nadel von Vanessa Richter

Blutspendetermin beim DRK: Christin Bauer ist nicht zum ersten Mal Blutspenderin, hier gibt es gerade den kleinen Pieks mit der Nadel von Vanessa Richter

Foto: Peter Rossbach

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„Alles in Ordnung. Wollen Sie den Ball haben?“, fragt Vanessa Richter. Christin Bauer dreht den Kopf wieder in die Richtung der Fragenden und antwortet: „Alles gut , sehr gern nehm ich den Ball“. Vorher hat sie nicht hinschauen können, „die Nadel ist mir einfach zu großen zu Zuschauen“. Und eben jene Nadel hatte Vanessa Richter da mit einer Mischung aus Erfahrung und Vorsicht im Arm der 30-jährigen Eisenacherin versenkt. Blutspendetermin im Rot-Kreuz-Haus in Eisenach.

Angst hat Christin Bauer keine mehr, sie weiß ja, dass es nicht weh tut. „Sie hat auch wieder prima gestochen, alles kein Problem“, sagt sei und drückt den Gummiball, damit es besser flutscht. Zum siebenten oder achten Mal ist sie an diesem Abend mit dabei. Einen halben Liter Blut wird sie verlieren und das gute Gefühl, geholfen zu haben, gewinnen.

Derzeit keinMangel an Blut

Jeden ersten Mittwoch im Monat verwandelt sich der eine Raum im Haus der Vereine des DRK in eine Blutabnahme-Stelle. Dann reist der Blutspendedienst des DRK an. In Thüringen gibt es sechs solcher Teams, die im Durchschnitt fünf Termine am Tag über den ganzen Freistaat und einen kleine Zipfel in Sachsen-Anhalt verteilt anbieten, weiß Claudia Widder vom Blutspendedienst. Derzeit ist da alles relativ entspannt, es gibt keinen Mangel an Blut. „Das kommt immer mal in den Sommermonaten vor, wenn eben auch viele Spender in Urlaub sind“.

Neue Spender sindnatürlich gern gesehen

Die Mannen vom Blutspendedienst sind da wie Vanessa Richter Profis. Aber auch sie brauchen dann die Hilfe der haupt- und ehrenamtlichen Profis des DRK-Kreisverbandes Eisenach. Die kümmern sich nämlich um das gesamte Rundherum, berichtet Jana Bachmann, Erste-Hilfe-Lehrerin und Blutspendebeauftragte im Kreisverband. Etwa 40 Blutspender erscheinen im Durchschnitt zu den allmonatlichen Terminen. Die Zahl ist ein wenig rückläufig , es wird auch da Nachwuchs gesucht. Spenden darf jeder von 18 bis 73 Jahre gesunde Erwachsene mit einem Mindestgewicht von 50 Kilogramm. Die Altersgrenze für Erstspender ist 65.

Mit ihren sieben oder acht Spenden zählt Christin Bauer übrigens noch zu den Neulingen. Es gibt Spender, die schon für die 285. Spende im Kreisverband geehrt wurden, erzählt Bachmann. Und wer weiß, dass die jährliche Zahl an Blutspenden limitiert ist (Männer dürfen sechs Mal im Jahr, Frauen vier Mal), weiß auch, dass das einige Wiederholungstäter schon über Jahre mit dabei sind. „Die meisten wollen einfach nur helfen“, weiß Bachmann. Und schließlich tue sich der Spender ja auch selbst etwas Gutes. So ist der Körper gezwungen, immer wieder neues, frisches Blut quasi für den Eigenbedarf zu produzieren.

Das Ganze hat im Haus der Vereine auch schon was Familiäres, man kennt sich zum Teil eben über Jahre. Und das liegt natürlich auch daran, dass die Ehrenamtlichen ebenfalls langjährige Helfer sind. So sind Günther Käsemann, Horst Werner, Edith Lorenz und Yvonne Becker an diesen Abenden beim Empfang der Blutspender zu finden, bei der Betreuung und (nach der Spende) bei der Versorgung. Schließlich gibt es für jeden danach eine Suppe, belegte Brötchen, Obst, Getränke und noch ein kleines Geschenk. Bei der Versorgung hilft die Küche des benachbarten Justus-Stift. „Und die bekommen da immer großes Lob“, weiß DRK-Geschäftsführer Matthias Ecke.

Viele Fragen zum Gesundheitszustand

Bevor aber die Spender in den Raum mit dem Blutspendedienst kommen, gibt es erst einen Gesundheitscheck bei einem Arzt. In diesem Falle ist Dr. Wolfgang Pampuch im ehrenamtlichen Dienst. Der checkt auch anhand eines vorher auszufüllenden Fragebogens, ob der mögliche Spender auch wirklich spenden darf. Im Fragebogen sind 29, zum Teil auch recht intime Frage rund um den Gesundheitszustand, Krankengeschichte, Medikamenten-Einnahme, Gewicht und letzte Reisen zu beantworten.

Erst wenn der Doc grünes Licht gibt, geht es zur eigentlichen Spende. Nach dem Pieks in den Arm, fließen die ersten Tropfen des roten Lebenssaftes in drei kleine Röhrchen. Das Blut darin wird gemeinsam mit dem dann zu füllenden Kalb-Liter-Behältnis ins Labor geschickt und dort untersucht. Hepatitis, HIV und vieles mehr könnte durch das Blut vom Spenden an den Empfänger übertragen werden. Das darf nicht sein. Also muss nun erst noch das Labor grünes Licht geben, bevor das Blut des jeweiligen Spenders dann auch zum Einsatz kommen darf. Und es wird dann auch erst in vier Bestandteile getrennt, von denen drei (Blutplättchen, Blutplasma und rote Blutkörperchen) weiter verwandt werden.

Anders als man vielleicht meinen mag, ist der Einsatz bei Operationen nach Unfällen bei weitem nicht der Hauptsatzeinsatz der Blutspenden. Knapp 20 Prozent des Blutes, das der DRK-Blutspendedienst sammelt, werden zur Behandlung von Krebserkrankungen benötigt, danach folgen Magen- und Darmkrankheiten und Herzerkrankungen. Mit zwölf Prozent liegt der Einsatz bei Verletzungen nach Unfällen erst auf Platz 4.

250 Liter jedesJahr aus Eisenach

Etwa 250 Liter steuern die Eisenacher Spender in jedem Jahr bei. Dazu kommen aber weitere aus der Region, schließlich bittet der DRK-Blutspendedienst auch in Unterellen, Ruhla und Treffurt mit der Hilfe dortiger fleißiger Helfer regelmäßig um Spenden. Und überall sind es vielfach Wiederholungstäter. „Manche kommen mittlerweile schon mit ihren Kindern gemeinsam“, berichtet Jana Bachmann. Über diesen Weg ist auch Christin Bauer dazu gekommen. Ihr Vater spendet schon einige Jahre und irgendwann war sie dann auch dabei. „Man tut was Gutes und es tut nicht weh“, sagt sie und wird in diesem Jahr bestimmt wieder kommen.

Übrigens: Der nächste Blutspendetermin des DRK in der Region ist am Dienstag, 14. Januar, von 16.30 bis 20 Uhr im Kulturhaus in Ruhla.

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