Dorfleben wie anno dazumal

Nazza  Heimatgeschichten In der Heimatstube in Nazza wird erlebbar, wie die Altvorderen gewohnt und gearbeitet, wie sie geliebt und gefeiert haben

Rosemarie Weißenborn führt vor, wie das Brunnenwasser in Eimern getragen worden ist.

Rosemarie Weißenborn führt vor, wie das Brunnenwasser in Eimern getragen worden ist.

Foto: Birgit Schellbach

Es ist eigentlich keine Heimat-Stube mehr, obwohl sich der Name über zwei Jahrzehnte gehalten hat. Die Sammlungen füllen ein ganzes Fachwerkhaus, das die Gemeinde von einer Rentnerin gekauft hat, die ins betreute Wohnen zog.

Die Sanierung war aufwendig. „Wir hatten schon gar nicht mehr dran geglaubt“, erzählt Inge Moschkau, die von Anfang an dabei ist. Mitten in den Bauarbeiten stürzte infolge von starken Regenfällen das Dach ein. Doch davon sieht der Besucher heute gar nichts mehr.

In dem schmucken Fachwerkhaus ist wie anno dazumal eine gute Stube mit Plüschsofa, festlich gedecktem Tisch und antiker Kommode eingerichtet. Im Kinderzimmer sind alte Spielsachen zu entdecken, darunter runde Schachteln, die einst anstelle von Zuckertüten mit Überraschungen für die Abc-Schützen gefüllt worden sind.

Unter die dicken Federbetten im Schlafzimmer könnte man sich sofort kuscheln, eine Nachtmütze und eine Wärmflasche liegen bereit.

Küchen gibt es sogar zwei im Erdgeschoss. In einer ist ein alter Backofen entdeckt worden, der erhalten ist. Doch da man in einem Museum keinen Backofen anheizen kann, wurde ein Anbau errichtet, in dem sich wiederum ein Backofen befindet, der zu Festen angefeuert wird. Zum Hähnewettkrähen am kommenden Wochenende gibt es Kuchen und Pizza aus dem Holzofen. Aber darum kümmert sich eine andere Gruppe des Heimatvereins.

Wiederum Inge Moschkau und Rosemarie Weißenborn für die Heimatstube zuständig sind. Sie können zu jedem Stück eine Geschichte erzählen. Eine hübsche Sammeltasse etwa stammt von einer Familie, die aus Nazza ins Elsaß ausgewandert ist. Die Enkelin hat jüngst im Museum nach Fotos ihrer Verwandten gesucht und die Tasse anschließend als Dankeschön geschickt.

Auch ein Gemälde der Kirche von Nazza von Thea de Haas ist neu in der Sammlung. Eine Enkelin hatte das Ölbild der einst in Nazza ansässigen Malerin im Nachlass ihres Großvaters gefunden und dem Museum geschenkt, weil sie keine Verwendung hatte.

Oder: Was hinter Glas in einem Bilderrahmen aussieht, als würde es als Anstecknadel zu einer Tracht gehören, hat sich erst neulich – dank eines Hinweises einer Besucherin – als ein Gebilde aus Haaren eines Verstorbenen herausgestellt. „Zu der Zeit gab es noch keine Fotos und auf diese Weise hielt man die Erinnerung lebendig“, erklärt Inge Moschkau. Sie zeigt außerdem eine geflochtene Uhrkette für einen Mann. Kaum zu glauben, aber diese besteht aus Frauenhaar, die Frauen ließen sich dafür Zöpfe abschneiden.

In der Küche erklärt Rosemarie Weißenborn, dass Nazza ein Laufbrunnen-Dorf war. Die Eimer mit Wasser mussten weit getragen werden – dazu diente ein Holz, das man sich auf die Schultern legte. „Wenn die vollen Eimer gegen die Knöchel geschlagen haben, hat es höllisch wehgetan“.

Und ein großer Löffel erinnert an das Pflaumenmuskochen.

Vieles wäre noch zu erwähnen. Aber besonders wichtig für Nazza ist die Tracht. Kaum zu glauben, was die Dorfbewohner so alles in Truhen und Schränke gefunden und für die Ausstellung bereitgestellt haben: Schürzen und Strumpfbänder, Hauben und Hüte, Röcke und Mieder. Die gezeigte Brautjungfern-Tracht ist besonders schön.

Fakten:

Geöffnet ist die Heimatstube Nazza in der Dorfmitte neben der Kirche jeden Dienstag der geraden Woche von 15 bis 17 Uhr.

Oder nach Vereinbarung unter Telefon: (036924) 30260 oder (036924) 30255.

Eintritt wird nicht erhoben, Besucher werden um Spenden gebeten.

Zuletzt erschienen: Die Creuzburg – Elisabeths Liebling (7. August); Heimatstube Thal (3. August); Das Museum für Holz und alte Hämmer in Frankenroda (30. Juli)

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