Eisenach: Kritische Stimmen zu Projekt O1

Eisenach  Kritische Stimmen im Eisenacher Stadtrat gegen das Großprojekt O1 mehren sich. Oberbürgermeisterin will die zugesagten Landesgelder retten

Das sonst nicht zugängliche Industriedenkmal O1 konnte im August besichtigt werden. Die Hoffnung, dort eine Berufsschule und Sporthalle zu integrieren, war groß, aber auch der Zweifel, ob die Stadt das Großprojekt finanzieren kann.

Das sonst nicht zugängliche Industriedenkmal O1 konnte im August besichtigt werden. Die Hoffnung, dort eine Berufsschule und Sporthalle zu integrieren, war groß, aber auch der Zweifel, ob die Stadt das Großprojekt finanzieren kann.

Foto: Birgit Schellbach

Über das Großprojekt O1 mit Sporthalle und Berufsschule ist im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend wieder sehr kontrovers und lange diskutiert worden. Laut Tagesordnung wollte Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) vorschlagen, die Sperre für die Ausgabe von 2,6 Millionen Euro in diesem Haushaltsjahr zugunsten des O1 aufzuheben. Sie habe das vorsorglich getan, falls der Stadtrat in seiner Sitzung am 12. November noch einen Beschluss fassen muss.

Möglicherweise sei das aber auch erst im Dezember der Fall. Ein klärendes Gespräch im Landesverwaltungsamt in Weimar kündigte Wolf für den heutigen Mittwoch an. Das ist die Behörde, ohne deren Zustimmung Eisenach finanziell gar nichts mehr bewerkstelligen kann.

Es geht um die neun Millionen Euro, die seitens des Landes für die Sporthalle zugesagt worden sind, die sowohl den Ansprüchen der Ersten Handballbundesliga genügen als auch dem Vereins- und Schulsport dienen soll. Die Bedingungen, damit das Geld ausgezahlt werden kann, sind allerdings immer noch nicht erfüllt. Darauf verwiesen sowohl Michael Klostermann (SPD) als auch Gisela Rexrodt (parteilos, für die FDP). Es fehle weiter eine Gesamtfinanzierung. Außerdem habe der Kreistag noch keinen Beschluss zur Berufsschule im O1 gefasst. Hintergrund: Der Wartburgkreis wird wieder für die berufliche Ausbildung zuständig, wenn Eisenach im Jahr 2022 die Kreisfreiheit aufgibt.

Mehrere Varianten im Vergleich

Vorgelegt hat die Stadtverwaltung aber inzwischen den Vergleich von Varianten. So sind die Kosten der Sanierung des denkmalgeschützten Industriegebäudes O1 gegenüber Neubauten oder der Umnutzung anderer städtischer Immobilien betrachtet worden. Allerdings ergaben sich daraus für Michael Klostermann und Andreas Neumann (CDU) noch mehr Fragen.

Neumann vermisste beispielsweise eine Betrachtung, was im Vergleich zum O1 die Neubauten von je einer Sporthalle und einer Berufsschule kosten würden. Er kann sich gut vorstellen, dass die Drei-Felder-Halle auf der grünen Wiese gegenüber dem O1 gebaut wird, dort, wo zu Fußballweltmeisterschaften das Public-Viewing-Zelt steht. Das O1 könne man abreißen, um Platz für den Neubau einer Berufsschule zu schaffen. Oder für den Campus eines großes Gymnasiums, weil die räumliche Situation der beiden städtischen Gymnasien auch nicht rosig ist.

Oder für eine neue Regelschule, für die Schuldezernent Ingo Wachtmeister (SPD) den Bedarf in Eisenach sieht. Aber der Neubau einer Regelschule, so musste er sich von seinem Parteikollegen Klostermann anhören, sei bisher nicht gegenüber den Stadträten thematisiert worden.

Allerdings finden sich die Kosten dafür im besagten Variantenvergleich wieder. Nicht nachvollziehbar waren für Klostermann auch die Fördermittel, die das extern beauftragte Büro mal zu Gunsten einer Variante angenommen, aber bei einer anderen nicht berücksichtigt hatte.

Die Oberbürgermeisterin verwies darauf, dass es sich um ein Arbeitspapier handelt, das überarbeitet werde. Daher sei sie dankbar für Hinweise der Stadträte. Auch würde noch eine separate Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgelegt. Klostermann formulierte erneut die Befürchtung, dass dies nicht mehr rechtzeitig geschieht, um die neun Millionen tatsächlich abrufen zu können. Aber genau das, so entgegnete die OB, sei das Ziel des Gesprächs am Mittwoch im Landesverwaltungsamt: die neun Millionen sichern und Zeit gewinnen, um Varianten und Wirtschaftlichkeit noch einmal zu vergleichen. Sie sei die Letzte, die das O1 durchdrücken werde, wenn sich günstigere Möglichkeiten ergeben.

Was nicht gehe. sei der Ausbau der Werner-Aßmann-Halle. Das hätten gleich zwei Minister abgelehnt. „Ich reite kein Pferd, das tot ist“, sagte Wolf an die Adresse von Klostermann, der das Geld auf die Aßmannhalle umlenken möchte. Ein separater SPD-Antrag sieht gleichzeitig vor, das Großprojekt O1 zu beerdigen. Zu diesem Punkt wiederum signalisierte Neumann seine Zustimmung: „Für mich ist das O1 mit der Sporthalle und Berufsschule gestorben, weil es ein Fass ohne Boden ist“. Er gab Wolf mit auf den Weg, die Neubau-Varianten „behutsam“ ins Gespräch mit den Vertretern des Landes zu bringen.

In Erwartung von Ergebnissen stellte Klostermann die Abstimmung über seinen Antrag am Dienstagabend zurück. Bis zum Stadtrat am 12. November soll mehr Klarheit bestehen. An dem Treffen in Weimar wird laut OB auch Landrat Reinhard Krebs (CDU) teilnehmen.

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