Eisenacher Museum zeigt Fahrzeugbeleuchtung

Eisenach.  In der Automobilen Welt Eisenach entsteht eine Teilausstellung zur Geschichte dieser Zulieferindustrie.

In der Automobilen Welt entsteht ein neuer ständiger Ausstellungsteil, der die gesamte Geschichte der Fahrzeugelektrik zum Thema hat. Museumsleiter Matthias Doht im FER-Archiv und im Treppenhaus, wo die Ausstellung zu sehen sein wird. 

In der Automobilen Welt entsteht ein neuer ständiger Ausstellungsteil, der die gesamte Geschichte der Fahrzeugelektrik zum Thema hat. Museumsleiter Matthias Doht im FER-Archiv und im Treppenhaus, wo die Ausstellung zu sehen sein wird. 

Foto: Katja Schmidberger

Matthias Doht führt auch in Corona-Zeiten erfolgreich sein Museum. Der Leiter der Automobilen Welt rechnet zwar mit Einbußen, weil das Museum eine Zeit geschlossen war, Führungen fehlen und keine Bustouristen kommen. Dafür kommen deutlich mehr Individualbesucher. Allein im Juni habe er 60 Prozent der Besucherzahlen vom Vorjahr erreicht, sagt Doht. Im Juli sehe es noch besser aus.

Die kontinuierliche Arbeit an der Neuausrichtung der ständigen Ausstellung, dazu manche neue Rarität und der Fleiß der unterstützenden Automobilvereine, zum Beispiel in der Dixi-Werkstatt, machen die Automobile Welt zu einem attraktiven Technikmuseum. „Man muss etwas vorzuweisen haben, etwas Einzigartiges, um immer wieder neue Gäste zu ziehen“, so der Geschäftsführer der Stiftung Automobile Welt Eisenach.

Mit Skepsis begegnet er deshalb der Idee eines neuen Industriemuseums für Eisenach. Das hat jüngst Stadträtin Karin May (Die Linke) vorgeschlagen. „Die Eisenacher Industriegeschichte war von der Automobilindustrie geprägt“, betont er. Erst mit der Gründung der Fahrzeugfabrik wurde Eisenach zur Industriestadt. „Von der zuvor bereits existierenden Kammgarnspinnerei ist doch nichts mehr da“, bezweifelt er, dass man genug Exponate zusammenbekommt, um etwas zeigen zu können.

Im Treppenhaus sind schondrei Tafelwände zu sehen

Erst durch den Automobilbau entstanden neue Betriebe in Eisenach, wie die ausgeprägte Fahrzeugelektrik-Industrie, aber auch Zulieferer für Farben oder Scheibenwischer. Bis zum Ende der DDR wurden selbst Autoradios hier gebaut.

Die im Zusammenhang mit dem Industriemuseum genannten Firmen sieht er eher als Gewerbebetriebe statt als reine Industriebetriebe an. Hingegen war FER mit den Werken in Eisenach und Ruhla als parallel laufender Zuliefererbetrieb ein wichtiger Industriebetrieb. Deren Geschichte wird jedoch seit dreieinhalb Jahren für die Automobile Welt komplett aufgearbeitet. Erste Ergebnisse zeigen jetzt die ersten drei der vier Tafelwände im Treppenhaus. Eine Arbeitsgruppe hat sämtliches Material gesichtet, Zeitzeugen gefragt, im Stadtarchiv und im hauseigenen Archiv sowie in Nachlässen geforscht.

Die Anfänge der Fahrzeugelektrik beginnen in Ruhla, als 1869 Otto Schlothauer mit seinen Söhnen die Otto Schlothauer OHG gründet. Sie produzieren zunächst Meerschaumwaren und Holzartikel. Ab 1883 firmieren die Söhne zur C. & F. Schlothauser OHG und stellen ab da Metallkurzwaren her. In Eisenach reichen die Wurzeln bis zum Metallwerk Schwarz zurück, das ab 1907 unter dem Markennamen Melas mit der Herstellung von Karbid- und Petroleumleuchten beginnt.

Mit steigender Nachfrage nach elektrischen Geräten rückt die Fertigung von Schluss- und Stoppleuchten, Autowinkern und Scheibenwischern mehr in den Vordergrund. 1958 werden beide Betriebe zur VEB Fahrzeugelektrik Ruhla zusammengelegt. Die Erfolgsgeschichte in der DDR ist beeindruckend. Zwischenzeitlich arbeiteten 12.000 Menschen hier, verdeutlicht Matthias Doht. Seit 1986 produziert man zudem auch für VW, später für Seat, Peugeot und Citroen.

Nach der Wende folgt die Teilung des Gesamtbetriebs in Bosch und die Auto- und Fahrzeugelektrik GmbH mit Klaus Lantzsch und Jonni Bachmann an der Spitze. 1992 beginnt Bosch mit der Fertigung auf dem Wartenberg, 1994 die der Auto- und Fahrzeugelektrik im neuen Werk in Stockhausen. Mit Klaus Lantzsch wie auch dessen Sohn Heiko hat Matthias Doht viele Gespräche führen können, vor allem über die ersten Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands. All das ist eingeflossen in die neue Ausstellung, die komplett ab Herbst gezeigt werden soll. „Die Geschichte der Fahrzeugelektrik verdient es, ausführlich dargestellt zu werden“, sagt der Museumsleiter. Er ist dankbar, dass Eisenacher Unternehmen Bosch wie auch Rebo Lighting als Nachfolger die Ausstellung neben Heiko Lantzsch in dieser Form finanziell mit ermöglichten.