Eisenacher Unternehmen lockt Radtouristen nach Thüringen

Eisenach  Nach zehn Jahren hat sich Mario Hirt mit „Travel Butler“ einen Namen bei Aktivurlaubern gemacht.

Mario Hirt aus Eisenach betreibt seit zehn Jahren das Unternehmen Travel Butler für Radreisen

Mario Hirt aus Eisenach betreibt seit zehn Jahren das Unternehmen Travel Butler für Radreisen

Foto: Birgit Schellbach

18 Fahrräder stehen in der großen Halle in der Hermannstraße startbereit. Sie sind für 18 Aktivurlauber, die von Eisenach aus das Thüringer Becken erkunden werden. Stationen der Radrundreise sind außerdem Mühlhausen, Erfurt, Weimar und Arnstadt. Die Tagesetappen sind zwischen 25 und 65 Kilometer lang. Unterwegs bleibt immer auch Zeit, Sehenswürdigkeiten wie Burgen, Kirchen, Museen oder Mühlen zu besichtigen. Die letzte Etappe führt nach Eisenach zurück.

Organisator der Rundfahrt ist Mario Hirt mit seinem in Eisenach ansässigen Unternehmen Travel Butler im Auftrag von Wikinger Reisen, einem von mehr als 70 Vertragspartnern. Seit zehn Jahren ist Mario Hirt am Markt und hat sich inzwischen einen Namen gemacht. Rund 4000 Radfahrer holt er im Jahr nach Thüringen.

Die meisten übernachten in Pensionen und Hotels an der Strecke, mit denen der Wahl-Eisenacher – seine Frau Sandra ist Eisenacherin – zusammenarbeitet. Einige wählen auch das Gästehaus von Travel Butler als ihr Übernachtungs-Domizil. Es befindet sich wie die große Fahrradgarage mit Werkstatt in der Hermannstraße.

Das Objekt war mal eine Halle des früheren Automobilwerks, erzählt Mario Hirt. Wenn er Bilder zeigt, wie der Ursprungszustand war, staunt der Betrachter, was in den letzten Jahren geschaffen worden ist. 2017 sind beispielsweise die fünf Gästezimmer dazu gekommen. „Es war das Lutherjahr und das Jahr des Deutschen Wandertags. Wir haben für unsere Radfahrer keine Unterkünfte bekommen. So ist die Idee entstanden, selber welche anzubieten“, erzählt Hirt. Außerdem: An der Donau könne man eine Radreise für 300 Euro die Woche buchen, in Thüringen sei das nicht unter 500 Euro machbar. Auch das hat Mario Hirt bewogen, eigene Zimmer einzurichten.

Zum Fahrrad gibt es Reiseunterlagen

Gerade reisen zwei Frauen an, sie sind per Zug und dann per Taxi vom Bahnhof gekommen. Am nächsten Tag wollen sie von Eisenach entlang der Städtekette Gotha, Erfurt, Weimar radeln. Von Travel Butler werden sie mit den Fahrrädern versorgt, dazu gibt es Reparatur-Sets für den Notfall und Packtaschen sowie Reiseunterlagen mit Karten und Tipps, was unterwegs zu sehen ist. Außerdem wird das Gepäck von einer Übernachtung zur nächsten transportiert. Die Fahrräder können die Frauen – sollten sie beispielsweise nicht mehr Rad fahren und lieber wandern wollen – auch unterwegs abgeben. Travel Butler betreibt 52 Verleihstationen in ganz Thüringen. So kann man in Eisenach losfahren und das Rad in Bad Sulza abgeben, wenn man lieber in der dortigen Gegend bleiben möchte. Oder man entscheidet sich zu einer längeren Tagestour, gibt das Rad ab und fährt mit dem Zug zurück. „Kurzurlaube sind in, und der Gast möchte dann gern Pakete buchen“, weiß Mario Hirt. Die Pakete hat er gemeinsam mit seinem Team, zu dem neun Mitarbeiter gehören, geschnürt.

Ein Beispiel ist die Tour „100 Jahre Bauhaus“. Sie verbindet unter anderem Weimar und sein neues Bauhaus-Museum mit Germerode, wo die Dorfkirche steht, die Bauhausmeister Lyonel Feininger inspiriert hat und Dornburg, wo Walter Gropius die Keramikwerkstatt seiner Kunstschule eingerichtet hat.

Gern würde der Unternehmer den Nationalpark Hainich touristisch zu einem Familientreff entwickeln, aber seine Erfahrung ist, dass in der Region zwischen Eisenach, Bad Langensalza und Mühlhausen noch viel zu viel jeder seins macht. Hirt, der viele Jahre Reiseleiter in Österreich war, hat dort erlebt, wie selbst Hotels mit verschiedenen Eigentümern zusammen arbeiten und werben, weil der Gast das Ziel ist. Das würde er sich auch für Thüringen wünschen. Übrigens kann man über Travel Butler auch weltweite Radreisen buchen – dank der erwähnten Kooperationspartner.

Die Sterntour in Eisenach beinhaltet auch eine Wanderung durch die Drachenschlucht. Wandertouren hatten ursprünglich ebenfalls zum Portfolio gehört. Sie waren das Ressort von Katrin Tepper aus Thal, die sich damit inzwischen auf eigene Füße gestellt und in diesem Jahr einen der Thüringer Tourismuspreise gewonnen hat. Beide Unternehmen arbeiten zusammen, denn Ziel ist: Der Gast soll länger bleiben, Rad fahren, wandern, eventuell noch paddeln und sich etwas ansehen.

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