Er hat Eisenach über Jahrzehnte in Fotos und Filmen verewigt

Eisenach  Lutz Mittelbach ist froh darüber, dass seine Aufnahmen im Stadtarchiv digitalisiert werden. Er lebt inzwischen in Niederbayern.

Lutz Mittelbach hat sein umfangreiches Foto-, Film- und Videomaterial dem Eisenacher Stadtarchiv überlassen. Anhand dieser Aufnahmen lässt sich sehr gut nachvollziehen, wie sich Eisenach in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Lutz Mittelbach hat sein umfangreiches Foto-, Film- und Videomaterial dem Eisenacher Stadtarchiv überlassen. Anhand dieser Aufnahmen lässt sich sehr gut nachvollziehen, wie sich Eisenach in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Foto: Birgit Schellbach

Mit dem Fotoapparat, aber ebenso mit der Filmkamera hat Lutz Mittelbach (72) über Jahrzehnte festgehalten, was in Eisenach passiert ist und wie sich die Stadt verändert hat. Er war beispielsweise dabei, als ganze Straßenzüge abgerissen worden sind, um „Arbeiterschließfächer“ – so hießen die Plattenbauten im Volksmund – zu bauen. Er hat nach der politischen Wende die Sitzungen der Stadtverordneten in Bild und Ton aufgenommen. Er hat viele prominente Gäste abgelichtet. Gut erinnern kann er sich noch, dass ihm der französische Präsident Francois Mitterrand (1916 bis 1996) die Hand gegeben hat.

Historische Geräte für Schmalspurfilme

Als der heute 72-Jährige vor acht Jahren nach Niederbayern zog, war ihm wichtig, dass die unzähligen Negative und Positive, die 16-Millimeter-Filme und Videos in gute Hände kommen. Im Stadtarchiv wird das Material zurzeit erfasst und digitalisiert. „Ich bin sehr dankbar dafür“, sagt Lutz Mittelbach, der dieser Tage mit seinem Wohnmobil in Eisenach Station macht.

Für die Archiv-Mitarbeiter hat er Hinweise parat, wie die alte Technik zum Abspielen etwa der Schmalspurfilme gangbar gemacht werden kann. Oder dass die Aufschrift „Master“ bedeutet, dass es sich um einen fertig geschnittenen Film handelt, während das andere Rohmaterial ist. Ein auf die Verpackung handgeschriebenes Stichwort reicht aus, und sofort erzählt er die dazu gehörige Geschichte.

Blick auf den Fürstenhof lässt das Herz bluten

Mittelbach schaut sich auch an, was sich in seiner Heimatstadt verändert hat. Ihm „blutet“ das Herz angesichts des Verfalls des früheren Jugendstil-Hotels „Fürstenhof“. Dort hat er als Jugendlicher gewohnt. Seine Eltern leiteten das Haus, die Familie lebte in einer Wohnung im Hotel. Mittelbach erinnert sich an Bälle und Auftritte namhafter Künstler. Und daran, die Weinlieferung ausgepackt zu haben. Französischer Bordeaux – das klang nicht nur gut, sondern mundete auch. Oder ungarische Salami und Sekt von der Krim – die damals raren Delikatessen haben dazu beigetragen, dass Mittelbach nicht nur Feinschmecker geworden ist, sondern gern kocht. Seine Mutter, die Küchenchefin war, hätte es gern gesehen, wenn er in die Gastronomie eingestiegen wäre.

Aber er habe lieber etwas hinterlassen wollen. Bei Ursel Trunk ging er in die Fotografen-Lehre. Er wurde zum Dokumentaristen seiner Zeit in Eisenach. Und sammelte so viel Foto- und Filmmaterial an, dass er es selber habe gar nicht bewältigen können. Einiges stammt aus seiner Zeit als Jugendlicher im Filmstudio des Jugendclubhauses „Arthur Becker“, kurz „ABC“, am Karlsplatz. Damals war Olaf Koch der Leiter. Später hat Mittelbach die Leitung des Filmstudios übernommen, als Hobby. Das war eine von vielen Arbeitsgemeinschaften im „ABC“, für die Hanni zuständig war. Ihr hat er dann das Ja-Wort gegeben.

5000 Brautpaare fotografiert

Sein Geld verdiente Mittelbach im Dienstleistungskombinat. Der Chef, so erzählt er, habe ihm aus Angst vor Konkurrenz keine Arbeit gegeben. Er suchte sich selber welche, erfuhr vom neu eingerichteten Standesamt im Stadtschloss und fotografierte fortan die Hochzeitspaare. Innerhalb von zehn Jahren habe er 5000 Eheschließungen fotografiert. Das habe ihm große Bekanntheit verschafft, und das nützte ihm später, als er sich mit einem Film- und Fotostudio auf eigene Beine stellte.

Zwei bis dreimal im Jahr kehrt er nach Eisenach zurück – das Haus am Frauenberg hat er nach dem Tod von Hanni verkauft. Ihm fällt auf, wie viele Vorteile seine einstige Heimatstadt aufgrund ihrer zentralen Lage in Deutschland hat. Früher habe er nie darauf geachtet. Heute sagt er: Die Stadt hat sich in den letzten 30 Jahren „gut entwickelt“.

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