Erinnerung an Frieda und Samuel Kis

Eisenach.  Das jüdische Ehepaar wohnte in Eisenach mit zwei Söhnen in der Wörthstraße, die heute den Namen Karl-Marx-Straße trägt.

Der Stolperstein in Erinnerung an Frieda Kis, die 1942 mit ihrem Ehemann aus Eisenach verschleppt und in einem Ghetto in Polen von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Der Stolperstein in Erinnerung an Frieda Kis, die 1942 mit ihrem Ehemann aus Eisenach verschleppt und in einem Ghetto in Polen von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Foto: Frank Rothe

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100 Stolpersteine in Erinnerung an Eisenacher Bürger, die unter der Naziherrschaft 1933 bis 1945 verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, wurden von 2009 bis 2019 im Eisenacher Stadtgebiet verlegt.

Auf Initiative des Bündnisses gegen Rechts gehört Eisenach damit zu vielen deutschen Städten, in denen mit messingfarbenen Bodenfliesen des Künstlers Gunter Demnig an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird. Unsere Zeitung veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen, was zum Leben dieser Menschen bekannt ist. Die Informationen und Fotografien zusammengetragen hat der Eisenacher Frank Rothe.

In der heutigen Folge geht es um das Schicksal des Ehepaars Frieda und Samuel Kis, das Anfang der 1920er-Jahre mit zwei Söhnen nach Eisenach gekommen war. Samuel wurde am 10. April 1882 in Darkony Miskolz in Österreich-Ungarn geboren. Er wuchs dort auf.

Ende des Ersten Weltkriegs in Erfurt

Frieda wurde am 16. Juni 1889 im hessischen Nentershausen geboren. Sie besuchte die Schule im Ort. Wie und wo sich die beiden kennenlernten, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Das Paar muss Ende des Ersten Weltkrieges für einige Zeit in Erfurt gewohnt haben, bevor Eisenach als Heimat ausgewählt wurde. Am 5. März 1914 kam Sohn Jakob Heinz Kis in Erfurt zur Welt. Alfred Kis folgte dann am 1. November 1921. Er wurde ebenfalls in Erfurt geboren.

Ein Laden in der Georgenstraße

Kurz danach zog die Familie nach Eisenach in die damalige Wörthstraße 45, die heutige Karl-Marx-Straße. Die Söhne wuchsen hier auf und besuchten die Schule. Samuel betrieb in der Georgenstraße 12 einen Manufakturwarenhandel und konnte damit die Familie ernähren.

Als das Nazi-Regime 1933 an die Macht kam, versuchte die Familie komplett ins Ausland auszuwandern. Dieser Versuch schlug fehl. Nach dem Ende des Schulbesuches von Alfred im Jahre 1936 konnten zumindest beide Brüder nach Palästina auswandern. Jakob Heinz war damals 22 und sein jüngerer Bruder Alfred noch 14. Es war für beide nicht leicht, die Eltern in Nazi-Deutschland zurückzulassen. Mit ihrer Flucht retteten sich die Söhne vor dem Holocaust.

Am 9. Mai 1942 wurde das jüdische Ehepaar aus Eisenach deportiert und kurze Zeit später im Ghetto im polnischen Belzyce ermordet.

Finanziert werden die Stolpersteine von verschiedenen Gruppen, Vereinen, Interessengemeinschaften und zahlreichen weiteren privaten Paten. Nach wie vor werden weitere Paten gesucht.

Wer eine Patenschaft übernehmen möchte – ein Stein kostet 120 Euro – meldet sich beim Bündnis gegen Rechtsextremismus Eisenach unter Telefon: 0172/1458702.

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