Frage in Eisenach: Wage ich den Widerstand?

Eisenach.  Stasi-Unterlagen-Beauftragter Roland Jahn sprach mit Eisenacher Schülern.

Stasi-Unterlagen-Beauftragter Roland Jahn war zu Gast im Martin-Luther-Gymnasium.

Stasi-Unterlagen-Beauftragter Roland Jahn war zu Gast im Martin-Luther-Gymnasium.

Foto: Büro Hirte

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„Lange Haare waren meine erste Auseinandersetzung mit dem Staat“, erzählt Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes in der DDR. In seinem Vortrag am Martin-Luther-Gymnasium, den er vor Schülern der Oberstufe hält, möchte er aber nicht nur von seiner Rebellionsgeschichte berichten. Er thematisiert auch die schwierige Abwägung von Entscheidung und fordert die Schülerschaft dazu auf, für eine offene und dialogbereite Aufarbeitung dieses noch präsenten Kapitels einzustehen.

Zu Anfang verwies er, genauso wie er damals verwiesen wurde, einen Schüler aufgrund seiner langen Haare des Saales, was die Schüler erstmal erschreckte. Schließlich standen lange Haare im Osten der 70-er Jahre für den freiheitlich-westlichen Touch des Rock´n’Roll. Diesen äußerlichen Unterschied im sozialistischen Schul-Kollektiv konnte die linientreue Schulleitung der erweiterten Oberschule Werner Seelenbinder in Jena nicht zulassen und wollte Jahn sein Abitur verwehren.

Doch er wehrte sich, indem er nach Berlin fuhr, um mit Margot Honecker, Ministerin für Volksbildung, einen Diskurs über seinen Haarschnitt zu führen. Zu seinem Bedauern traf er sie nicht an, doch immerhin konnte er einem Abteilungsleiter seine Argumente vortragen. Und tatsächlich bewirkte er damit eine Veränderung, denn ab diesem Zeitpunkt wurde seine lange Mähne toleriert. „So hatte ich mir ein Stück Freiheit erkämpft, ohne dass es für mich und meine Familie folgen hatte“, berichtete Jahn.

Dennoch bedauere er den Besuch: „Ich lief direkt am Brandenburger Tor, dem Symbol der Teilung und Menschenrechtsverletzungen, vorbei, und sprach diese nicht an. Und das bedrückt mich noch bis heute.“ Er habe in diesem Moment, trotz seines Aufbegehrens, wie fast alle anderen auch „das System“ unterstützt.

Anhand dieses Beispiels möchte Jahn die Schüler für das Spannungsfeld, in den sich in einer Diktatur lebende Menschen befanden, sensibilisieren. „Wage ich den Widerstand trotz Repressalien für mich und meine Familie oder versuche ich, meinen Weg zu finden, Unrecht zu tolerieren und im Gegenzug ein gutes und ruhiges Leben zu führen?“

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