Großer Schatz an Erkenntnissen gehoben

Eisenacher Archäologe Bernd Müller-Stückrad forscht im Süden der Wartburgstadt nach mittelalterlichen Handelshäusern.

Baustelle für ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage an der Grimmelgasse und der Straße Frauenberg mit Blick zum Frauenplan in Eisenach.  Der Eisenacher Archäologe Bernd Müller-Stückrad hockt in der Baugrube und untersucht eine alte Kloake mit seinen Instrumenten.

Baustelle für ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage an der Grimmelgasse und der Straße Frauenberg mit Blick zum Frauenplan in Eisenach. Der Eisenacher Archäologe Bernd Müller-Stückrad hockt in der Baugrube und untersucht eine alte Kloake mit seinen Instrumenten.

Foto: Norman Meißner

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Nachdem sich wochenlang schwere Technik mit Baggerschaufel durch das Erdreich an der Grimmelsgasse, Ecke Frauenberg, wühlte, ist dort jetzt auf weiter Flur nur ein einzelner Mann mit Spachtel und Spatel aktiv. „Ich will herausfinden, was die letzten 500 Jahre hier passiert ist – wie die Menschen hier lebten, arbeiteten und wie die Grundstücksparzellen aufgeteilt waren“, erklärt Bernd Müller-Stückrad, der auf der Baustelle für ein neues Wohn- und Geschäftshaus an der Ostseite des Frauenplans in matschverschmierten Stiefeln steckt.

In einem auffällig dunkler getonten Erdbereich schiebt der Archäologe vorsichtig mit seinen Instrumenten eine Schicht nach der anderen beiseite. „Eine alte Kloake - der datierten Keramik nach aus dem 16. Jahrhundert“, erklärt er die kreisförmige Erdverfärbung. Neben den Scherben findet er darin auch Schweineknochen und Schnipsel von Lederresten.

Nach sechswöchigem Wühlen in diesem Teil von „Eisenachs Unterwelt“ fördert der junge Mann, der in Eisenach ein Büro für Archäologie, Bauforschung und angewandte Kulturforschung betreibt, zwar keine Schätze, aber immerhin beachtliche Erkenntnisse zutage. Während die kürzlich geschleiften Gebäude zur Straße Frauenberg eine giebelständige Anordnung besaßen, waren die beiden Vorgängerbauten des Mittelalters traufständig und langgestreckt zur Grimmelgasse und zum Frauenberg angeordnet. Mauerreste von Häusern und Kellern aus dem 14. bis 15. Jahrhundert verraten dem Archäologen dieses Geheimnis.

Bei der kürzlich erfolgten Bautätigkeit bricht die Decke eines sonst intakten Kellers versehentlich ein. Im zur Grimmelgasse angeordneten Keller entdeckt Bernd Müller-Stückrad ein Portal. „Vermutlich ein Verkaufskeller für Händler, der mit einer Treppe oder einer Schräge erschlossen wurde – die Marienstraße war ja früher eine Handelsstraße, lange bevor die Wartburgallee gebaut wurde“, erzählt der Bodenforscher. An der Straße wohnten einst viele Händler.

Die Untersuchung des Terrains, in dem schon bald eine Tiefgarage entsteht, ordnete das Landesamt Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie an, da Eisenachs gesamte Innenstadt ein Bodendenkmal ist. „Im Bereich zur Grimmelgasse sind alle älteren Bodenschichten durch große Betonfundamente gestört“, erzählt Bernd Müller-Stückrad. Diese gehörten zur alten Tankstelle mit Werkstatt und Garagen. Das Tankstellendach der bis in die 1960er Jahren genutzten Zapfstation verschwand in den 1990er Jahren, die Garagen erst vor wenigen Jahren.

Der Archäologe und Kulturforscher ist nicht der Einzige, der das Gelände in letzter Zeit intensiv untersuchte. Das Bombenräumkommando rückte für mehrere Tage an, da im Zweiten Weltkrieg Luftminen das nahe Bachhaus und viele Gebäude der Lutherstraße stark beschädigten. „Zum Glück ist nichts gefunden worden“, erzählt Bernd Müller-Stückrad. Regen und Grundwasser erschwerten die Untersuchungen in der Baugrube, die nach seiner sechswöchigen, intensiven Suche jetzt ihren Abschluss finden.

Dadurch geriet der Zeitplan für die Bauleute etwas durcheinander. „Bis Weihnachten soll der Matsch abgezogen, die Drainage drin und eine neue Schotterschicht verdichtet sein“, spricht der Polier über den geänderten Zeitplan. Nach der Dokumentation seiner Befunde legt der Eisenacher Archäologe die Hände nicht in den Schoß. „Demnächst geht es am alten Gasthaus Stern an der Kassler Straße weiter“, erzählt er. Während er sich am Frauenberg allein durch die Bodenschichten kämpfte, kann er bei seinen Forschungen in der Weststadt mit der Unterstützung von drei Helfern rechnen.

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